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Kathedrale der Wiederauferstehung Christi in Podgorica Kathedrale der Wiederauferstehung Christi in Podgorica 

Montenegro: Spannungen vor orthodoxem Weihnachtsfest

In Montenegro hält kurz vor dem orthodoxen Weihnachtsfest die Kritik an dem Ende Dezember verabschiedeten umstrittenen Kirchengesetz an.

Wie die APA meldete, haben am Samstagabend zehntausende Menschen in Podgorica demonstriert. In zahlreichen anderen Städten des Landes wurde mit Prozessionen und öffentlichen Gebeten gegen das Gesetz zur Registrierung des Kirchenbesitzes protestiert, berichtete das Portal „vijesti.me“.

Die orthodoxen Christen feiern das Weihnachtsfest am kommenden Montag und Dienstag.


Kirchen müssen Eigentumsstatus ihrer Gebäude offenlegen

Das neue Gesetz sieht u.a. vor, dass die im Lande tätigen Kirchen den Eigentumsstatus von Gebäuden und Immobilien klären müssen, die vor 1920 in ihren Besitz gelangt sind. Diese Regelung wird von der in Montenegro dominierenden, Belgrad unterstellten serbisch-orthodoxen Kirche (SOK) strikt abgelehnt; diese steht in einem Konkurrenzverhältnis zur neuen autonomen montenegrinisch-orthodoxen Kirche (MOK), die von der Regierung unterstützt wird. Die SOK befürchtet, dass ihr Kirchen und Klöster in Montenegro weggenommen werden sollen.

Die Spannungen werden auch von der nationalistischen Regierung in Belgrad angeheizt. Ein Mob von Rechtsradikalen und Fußball-Ultras hatte vergangenen Freitag, ungehindert von den Behörden, vor der montenegrinischen Botschaft in Belgrad die dort ausgehängte Flagge mit Feuerwerksraketen beschossen. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic erwog einen Besuch bei SOK-Anhängern in Montenegro, nahm aber dann wegen der dadurch zu befürchtenden Eskalation Abstand davon.


Regierung fördert montenegrinische Kirche

Insgesamt ist das Land zwischen den Gläubigen beider Kirchen gespalten. Montenegro war bis 1918 ein unabhängiges Königreich mit einer eigenen orthodoxen Kirche. Nach der Eingliederung des kleinen Adrialandes in das neu entstandene, von einem serbischen König regierte Jugoslawien verlor die montenegrinische Kirche im Jahr 1920 durch einen königlichen Erlass ihren autokephalen (unabhängigen) Status und wurde, zusammen mit ihren Besitztümern, Teil der serbisch-orthodoxen Kirche.

Seit 2006 ist Montenegro wieder unabhängig. Die Regierung in Podgorica treibt seitdem die Wiederherstellung der eigenen montenegrinisch-orthodoxen Kirche voran. Die serbisch-orthodoxe Kirche in Belgrad bekämpft dies vehement. Sie ist unter keinen Umständen bereit, eine autokephale montenegrinische Kirche anzuerkennen.

Die serbisch-orthodoxe Kirche ist die größte Kirche in Montenegro. Die zahlenmäßig kleinere montenegrinisch-orthodoxe Kirche wird von anderen großen Kirchen nicht anerkannt. Insgesamt hat die serbisch-orthodoxe Kirche rund 12 Millionen Anhänger, hauptsächlich im benachbarten Serbien.

(kap – pr)

05 Januar 2020, 16:19