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Beirut: Protestkundgebung vor einer Bank Beirut: Protestkundgebung vor einer Bank   (ANSA)

Libanon: Bischöfe fordern Schutz vor neuen Konflikten in Nahost

Die Politik im Libanon soll alles tun, um den Zusammenhalt im Land zu stärken und es vor den neuen Konflikten zu schützen, die die gesamte Region bedrohen. Dies fordern mit Blick auf die Irankrise die maronitischen Bischöfe des Libanon.

Sie äußerten sie besorgt über die neue Eskalation der Gewalt im Nahen Osten nach der Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch die USA in Bagdad. Am Mittwoch waren die maronitischen Bischöfe unter Vorsitz von Kardinal-Patriarch Bechara Boutros Rai in Bkerke zu ihrem Monatstreffen zusammengekommen. Sie forderten in ihrer Botschaft die internationale Gemeinschaft auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um weitere Turbulenzen in der Region zu verhindern, berichtet das Institut Pro Oriente.

Im Libanon – insbesondere bei den libanesischen Christen – herrscht die anhaltende Befürchtung, dass durch die Turbulenzen im Nahen Osten das delikate innere Gleichgewicht der Zedernrepublik in Gefahr gerät. Auch der Heilige Stuhl und der Weltkirchenrat beobachten diese Entwicklung mit Sorge, weil von der Stabilität des Libanons nach Einschätzung von Fachleuten die Präsenz der Kirchen im ganzen Nahen Osten abhängt. Im Libanon befinden sich in einer Atmosphäre der Freiheit die wichtigsten kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen der orientalischen Christen.

Die Bischöfe und die Banken 

Die maronitischen Bischöfe beschäftigten sich auch intensiv mit der nach wie vor schwierigen innenpolitischen Situation des Libanons. Sie drängten auf die fasche Bildung einer neuen Regierung, um auf die Forderungen des durch die monatelange schwere politische und wirtschaftliche Krise erbitterten Volkes eine Antwort zu geben. Diese Krise habe zu zahlreichen Entlassungen, aber auch zu Lohn- und Gehaltskürzungen geführt und das libanesische Bankensystem dem Kollaps nahegebracht.

Kritik übten die Bischöfe an den Maßnahmen der Banken – wie den Begrenzungen bei der Abhebung von Bargeld oder bei Kapitaltransfers in Auslands –, weil sie den Libanesen de facto die Möglichkeit nehmen, „frei und autonom über ihr Vermögen zu verfügen“. Die maronitischen Bischöfe treten für eine „integrierte Finanzpolitik“ ein, um die „Demütigung der Bürger“ durch die Kreditinstitute zu überwinden. Zugleich verurteilten sie aber auch die gewalttätigen Angriffe auf Banken, denn die Finanzinstitute seien eine „tragende Säule“ für die Wirtschaft des Staates und der Einzelnen.

Seit zweieinhalb Monaten ohne Regierung

Seit dem 29. Oktober des Vorjahrs hat der Libanon nach dem Rücktritt des früheren Ministerpräsidenten Saad Hariri keine Regierung mehr. Der am 19. Dezember des Vorjahrs mit der Regierungsbildung beauftragte neue Ministerpräsident Hassan Diab will innerhalb von sechs Wochen ein Kabinett aus unabhängigen Experten zustande bringen.

(poi - gs)

10 Januar 2020, 11:06