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Vatican News
Ein Friedens-Graffito in der kolumbianischen Stadt Cali Ein Friedens-Graffito in der kolumbianischen Stadt Cali  (AFP or licensors)

Kolumbien: Menschenrechtler erhält Todesdrohungen

Das deutsche katholische Hilfswerk Misereor ist in großer Sorge um die Sicherheit seiner Partnerorganisationen in der kolumbianischen Pazifikregion.

„Einer der Sprecher der afrokolumbianischen Gemeinschaften und der autonomen Interethnischen Wahrheitskommission, Leyner Palacios, wird akut mit dem Tod bedroht. Nachdem kürzlich Nachfolgeorganisationen der Paramilitärs den Ort Bojayá besetzt haben, hat diese Drohung einen sehr realen Hintergrund.“ Das berichtet Stefan Tuschen, Länderreferent für Kolumbien beim Werk für Entwicklungszusammenarbeit in Aachen.

Am vergangenen Wochenende hatte Palacios, Überlebender des Massakers von Bojayá, eine Morddrohung erhalten, verbunden mit einem Ultimatum, binnen Stunden das Departement Chocó zu verlassen.

Frühwarnungen ignoriert

Bojayá ist ein exemplarischer Fall in der jüngeren Geschichte des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien. Am 2. Mai 2002 waren durch einen Granatenangriff der FARC-Guerilla, welcher paramilitärischen Kämpfern galt, die sich in dem Ort verschanzt hatten, mehr als 70 Zivilisten getötet worden, die in einer Kirche Schutz gesucht hatten. „Damals – wie heute – hat die kolumbianische Regierung alle Hinweise und Frühwarnungen ignoriert. Damals – wie heute – duldet die kolumbianische Armee die Machenschaften der bewaffneten Akteure und schaut, obwohl unweit stationiert, tatenlos zu“, so Tuschen weiter.

„Die Situation in der Region steht sinnbildlich für den mangelnden politischen Willen der Regierung Duque, den 2015 mit der FARC gezeichneten Friedensvertrag konsequent umzusetzen. Mechanismen, die geschaffen wurden, um die Gewaltakteure zu bekämpfen, werden ignoriert.“

„Indizien für eine Kooperation der Armee mit den Paramilitärs“

Nach dem Rückzug und der Auflösung der FARC kämpfen im Departement Chocó verschiedene bewaffnete Gruppen um die territoriale Kontrolle und die lukrativen Drogenrouten. Leidtragende ist zum wiederholten Male die Bevölkerung. Im Verlauf des Jahres 2019 hatte die Ombudsstelle Defensoría del Pueblo mehrfach Frühwarnungen ausgesprochen und das Innenministerium über die Situation in der Region informiert.

Wegen des öffentlichen Drucks, nicht zuletzt seitens der Ortskirche, reagierte die Regierung Duque schließlich: Eine Delegation von Militärs reiste in die Region, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Und befand, dass es sich um vereinzelte Kriminelle handele. „Allerdings: Damals wie heute gibt es Indizien für eine Kooperation der Armee mit den Paramilitärs“, betont Tuschen. Unterdessen hat sich Präsident Iván Duque am vergangenen Mittwoch mit Leyner Palacios zum persönlichen Gespräch in Bogotá getroffen.

(pm – sk)
 

11 Januar 2020, 11:34