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Vatican News
Aus dem Mittelmeer gerettete Migranten bei der Ankunft am Hafen von Lampedusa Aus dem Mittelmeer gerettete Migranten bei der Ankunft am Hafen von Lampedusa  (ANSA)

Italien: Die Ordensfrau, die mit der Küstenwache Leben rettet

Schwester Angela Bipendu konnte nicht schwimmen und hatte Angst vor dem Meer. Aber sie war Ärztin und spürte, dass sie Flüchtlingen im Mittelmeer helfen musste. So verließ die kongolesische Ordensfrau, die seit 16 Jahren in Italien lebt, ihre Gemeinschaft und ging nach Lampedusa.

Stefanie Stahlhofen und  Adriana Masotti 

Den Ausschlag für ihre Mittelmeer-Mission gab übrigens Papst Franziskus, berichtet Schwester Angela im Gespräch mit Radio Vatikan: 

„Ich entschied, mich bei der italienischen Küstenwache einzuschiffen, um unsere Schwestern und Brüdern zu retten, die das Mittelmeer überqueren. Den Ausschlag gab allein der Aufruf von Papst Franziskus an die Ordensleute: ‚Geht hinaus‘. Anfangs hatte ich etwas Angst, aber dann habe ich gemerkt, dass der Herr mir Kraft und Mut gibt, diese Erfahrung im Team zu meistern. Wir haben alle nur ein Ziel: Menschen in Not zu retten, die das Mittelmeer überqueren in der Hoffnung auf ein besseres Leben.“

„Ihre Kinder erfroren in ihren Armen“

So war die Ordensfrau mehr als zwei Jahre mit der italienischen Küstenwache im Einsatz. Als Ärztin versorgte sie dabei nicht nur die körperlichen Wunden der Flüchtlinge aus Libyen:

„Besonders hat mich die Begegnung mit einer Frau berührt, deren zwei kleine Kinder im Alter von drei und fünf Jahren starben, als sie in Libyen auf die Überfahrt wartete. Es war Winter; ihre zwei Kinder erfroren ihr im Arm. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, weil sie nichts hatte, um sie vor der Kälte zu schützen. Sie hat dann mit den bloßen Händen am Strand ein Loch gegraben, um ihre Kinder dort zu begraben. Dann stieg sie in ein Schlauchboot. Einen Tag später haben wir sie gerettet.“

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Warum auch Frauen an Bord besonders wichtig sind

Schwester Angela erinnert sich noch genau, wie sehr die Mutter nach der Rettung weinte und zitterte, als sie ihr dies erzählte. Viele Migranten schütteten so ihr Herz aus, berichtet die Ordensfrau. Sie glaubt übrigens, dass es ein Vorteil ist, Frauen an Bord zu haben:

„Eine Frau zu sein hat in diesem Kontext, glaube ich, noch einen besonderen Mehrwert. Wir Frauen sind Mütter. Wir versuchen als Frauen immer, noch weiter zu gehen. Wir wollen verstehen, was passiert ist, um das Leid ein wenig zu lindern. Wir haben immer ein mütterliches Herz. Auf diese Weise bereichern Frauen immer das Leben.“

Flüchtlingsrettung steht für Christen nicht zur Debatte

Und auch bei einem weiteren Thema ist sich Schwester Angela sicher: Die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer aufzugeben, steht für Christen nicht zur Debatte.

„Jesus selbst ist ein Migrant gewesen, er ist sogar bis nach Ägypten gegangen. Wir müssen jedes Lebewesen lieben! Und hier geht es um Menschen, die gerettet werden müssen, denen wir zuhören müssen und helfen. Natürlich gibt es Ängste und Unsicherheiten, aber das kann uns als Christen niemals abhalten, Gutes zu tun, wenn jemand Hilfe braucht.“

So ist Schwester Angela, die inzwischen in einem Krankenhaus im norditalienischen Bergamo arbeitet, stets bereit, bei Bedarf wieder bei der Küstenwache auszuhelfen, um Menschenleben zu retten: 

„Das Leben ist ein Geschenk und es muss um jeden Preis bewahrt werden. Es geht nicht nur darum, Menschenleben zu retten. Das Leben muss geschützt werden. Deshalb habe ich gesagt: Herr, hier bin ich, dein Wille geschehe, wo du mich hinschickst, dahin werde ich gehen.“

(vatican news - sst)

15 Januar 2020, 13:32