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Kardinal Sako im Gespräch mit dem Gouverneur von Kirkuk, Rakan Said al-Juburi Kardinal Sako im Gespräch mit dem Gouverneur von Kirkuk, Rakan Said al-Juburi  (AFP or licensors)

Nahost-Krise: Kardinal Sako warnt vor dem „Vulkan“

Im Irak herrscht auf dem Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran nach der Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani Hochspannung.

Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, formulierte einen dringenden Appell zur „Mäßigung“ an alle Beteiligten. Wörtlich sagte der Kardinal-Patriarch: „Es bedarf der Weisheit, um einen Ausbruch des Vulkans zu verhindern, der wegen einer bestürzenden Zuspitzung, emotionaler und impulsiver Entscheidungen und einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein vor der Explosion steht“.

Das Oberhaupt der chaldäisch–katholischen Kirche appellierte eindringlich an die internationale Gemeinschaft: Sie solle diese Explosion verhindern, die vor allem die Schuldlosen treffen würde. Sowohl die christlichen als auch die muslimischen Gläubigen rief der Kardinal-Patriarch zum Gebet für die verantwortlichen Politiker auf, damit diese „weise handeln und die Konsequenzen ihrer Strategien bedenken“.

Auch Jesiden und Mandäer gefährdet

Auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, brachte im Gespräch mit dem Pressedienst des Hilfswerks „Kirche in Not“ seine tiefe Sorge zum Ausdruck: „Dieses Land ist unsere Heimat, und wir wollen es nicht verlassen. Um zu überleben und zu prosperieren, benötigen wir die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft“.

Die derzeitige Lage bedrohe das „delikate Gleichgewicht“, in dem das irakische Volk lebe, das nach Jahrzehnten des Krieges der Leiden überdrüssig sei. Die religiösen Minderheiten wie Christen, Jesiden und Mandäer seien dabei noch mehr gefährdet, weil ihre Gleichberechtigung noch immer nicht durchgesetzt sei.

„Wir Christen sind ein leichtes Ziel“

Die Christen hätten vor allem die Befürchtung, dass sie auf Grund der geläufigen Ansicht „Christen=Westen=Vereinigte Staaten“ wieder zur Zielscheibe von Attacken werden. Leider baue das Regierungssystem noch immer auf Ungleichheit auf und rechtfertigt damit die Verfolgung, bedauerte Erzbischof Warda: „Wir Christen sind ein leichtes Ziel und wer uns attackiert, bleibt zumeist straflos“.

„Papstbesuch im Irak wird sicher erfolgen“

Nach wie vor werde den Angehörigen der muslimischen Mehrheit in verschiedenen Bereichen eingeredet, dass sie „besser“ seien als die Christen oder Angehörige anderer religiöser Minoritäten. Der Erzbischof von Erbil betonte, dass er nach wie vor auf einen Besuch des Papstes im Irak hoffe: „Dieser Besuch wird sicher erfolgen, auch wenn ich nicht weiß, wann das sein wird. Ich überlasse das dem Gebet und dem Willen des Heiligen Geistes“.

Der chaldäisch-katholische Pfarrer der Kleinstadt Karamles in der Ninive-Ebene, Paul Mekko, berichtete der italienischen Nachrichtenagentur SIR, dass jetzt die größte Angst die Ungewissheit sei: Niemand wisse, was noch alles passieren könne: „Es ist eine Angst, die blockiert“.

„Wir bekommen einen Krieg ins Haus, den niemand will“

In Erbil – das Mekko häufig besucht – gebe es nach wie vor viele Christen, die 2014 nach dem Überfall der IS-Terroristen aus der Ninive-Ebene geflüchtet sind und jetzt darauf warten, dass sie in ihre zerstörten Heimatdörfer und –städtchen zurückkehren können, um sie wieder aufzubauen. Dass der Irak ein Schlachtfeld zwischen den USA und dem Iran wird, das sei die Hauptsorge der Leute: „Wir bekommen einen Krieg ins Haus, den niemand will“.

Der Albtraum vieler Iraker – nicht zuletzt der Christen .- sei es, dass ihr Land im Konflikt zwischen den USA und dem Irak zerrieben wird. Der Priester erinnert daran, dass im Irak seit dem Oktober des Vorjahrs protestiert wird, weil die Menschen „Reformen und Veränderung wollen, das Ende der Korruption, bessere Lebensbedingungen und die Respektierung ihrer Rechte“. Diese Proteste würden nicht aufhören, „das Volk weiß, was es will, sicher nicht den Krieg“.

(pro oriente – sk)
 

11 Januar 2020, 10:50