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Christen in Mosul Christen in Mosul 

Irak: Die Angst der Christen wächst

Iran und Irak - zwei verfeindete Nachbarn. Das Scharmützel zwischen USA und Iran nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Soleimani durch eine US-Drohne in Iraks Hauptstadt Bagdad lässt im Zweistromland die Anspannung steigen. Pater Benham Benoka, ein syrisch-katholischer Priester, erzählt uns, wie die Unsicherheit der irakischen Christen in der Ninive-Ebene nach dem US-Angriff zugenommen hat.

Mario Galgano und Fabio Colagrande - Vatikanstadt

Pater Benham Benoka ist ein syrisch-katholischer Priester der Diözese Mosul. Derzeit ist er in der Stadt Bertella, im irakischen Bezirk Al-Hamdaniya. Er sprach mit uns über die Ängste der Christen: „Wir sind die Schwächsten der Schwachen. Die christliche Stadt Bertella wird nun von schiitischen Milizen kontrolliert.“

Bei der Generalaudienz am Mittwoch lud der Papst die Pilger aus dem Irak, Libanon, Syrien und dem Nahen Osten ein, keine Angst zu haben und so mutig zu sein wie der Apostel Paulus.

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Bereits in Schwierigkeiten wegen der Präsenz schiitischer Milizen, die ihr Gebiet kontrollieren, fürchten die Christen in der Ninive-Ebene nun neues Blutvergießen.

„Wir befürchten, dass der Irak zu einem Kriegsgebiet verkommt, an dem Großmächte wie der Iran und die USA einen Stellvertreterkrieg austragen, um sich gegenseitig zu bekämpfen. Aber wir fürchten vor allem, dass das Blut unserer Kinder vergossen wird: das beunruhigt uns sehr. Und wie auch Patriarch Louis Sako sagte, beten wir alle, dass diese Kräfte miteinander in einen Dialog treten und zu friedlicheren Lösungen führen.“

Angriffe erwartet

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte nach der Tötung Soleimanis gesagt, es sei zu erwarten, dass die schiitischen Milizen im Irak mit Angriffen oder anderen Aktionen weiter versuchten, die US-Militärpräsenz in dem Land zu „untergraben“. Solche Worte klängen nicht gut und deshalb fürchten die Christen im Irak ebenfalls „gezielte Anschlagsobjekte“ der erzürnten Iraner zu werden.

„Wir fühlen uns zunehmend verunsichert, vor allem jetzt, wo von einem Abzug der Streitkräfte der US-Amerikaner die Rede ist. Tatsächlich hat das irakische Parlament gerade beschlossen, die Regierung aufzufordern, die Präsenz der internationalen Koalitionstruppen zu beenden. Und hier in Bertella, einer christlichen Stadt, haben wir nur 24 Soldaten der sogenannten Schutzeinheiten der Ninive-Ebene, also der christlichen Volksmobilisierungskräfte, und diese 24 Soldaten werden uns niemals verteidigen können. Also, wie können wir es tun? Wo sollen wir hingehen? Werden wir gezwungen sein, wieder nach Norden zu ziehen? Wir bitten darum, dass auch die Situation von uns Christen hier in der Ninive-Ebene berücksichtigt wird: Wir haben weder Waffen noch sonst etwas.“

Die irakische Regierung hat sich mittlerweile beim UN-Sicherheitsrat über die „Verletzung der Souveränität“ ihres Landes beschwert und angekündigt, den iranischen Botschafter in Bagdad einzubestellen. Der Irak sei ein „unabhängiges Land“ und werde es nicht zulassen, zu einem Schlachtfeld gemacht zu werden, hieß es seitens des Außenministeriums in Bagdad.

(vatican news/afp/reuters)

09 Januar 2020, 10:10