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Rom: Die Frohe Botschaft im Restaurant genießen

Festlich Essengehen zum Jahresbeginn, das tun viele Menschen gerne. Sich dabei die christliche Botschaft näherbringen lassen, auf die Idee würden dabei aber vielleicht nicht so viele kommen. Weltweit gibt es aber die Restaurants von „Eau Vive“, einem gastronomischen Evangelisierungsprojekt. Der römische Ableger hat gerade sein 50. Jubiläum gefeiert. Teresa Roelcke hat sich dort bekochen lassen.

 

Teresa Roelcke - Vatikanstadt

Festlich gedeckte Tische, liebevoll dekoriert. Man prostet sich zu. Im Hintergrund läuft leise Weihnachtsmusik. Ein Restaurant in einem Gässchen in der Altstadt von Rom: L’Eau Vive ist der Name des Lokals, das lebendige Wasser.  

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Die Tischdekoration ist handgemacht: Bunt bemalte Krippen aus Styropor und anderem ehemaligen Verpackungsmaterial. Auch die Karten, die den Gästen auf der Tischmitte viel Glück wünschen, sind besonders: Liebevoll und ein klein wenig aus der Zeit gefallen mit einer Krippe und einem Schrifttyp bedruckt, die der Windows-Welt der neunziger Jahre entstiegen zu sein scheinen, erfahren wir hier, wer die freundlichen Damen sind, die das Restaurant betreiben: Le Lavoratrici Missionarie dell’Immacolata dell’Eau Vive di Roma – die missionarischen Arbeiterinnen der unbefleckten Maria. Der Restaurantbetrieb des Eau Vive ist ein missionarisches Projekt, wie Schwester Michelle erklärt:

„Wir wollen die Leute zu Gott hinführen“

„Wir wollen die Leute, die hierherkommen, zu Gott hinführen. Wenn man fragt, ob die Leute sich automatisch verändern, wenn sie hier gewesen sind: Naja – wir wollen so eine Gespanntheit herstellen, eine Gespanntheit hin zu Gott. Daher streben wir größtmögliche Perfektion an: Um mit allem, was wir tun, von Jesus zu künden.“

Die Ordensschwestern kommen aus allen möglichen Ländern, aus Neukaledonien, Burkina Faso oder Vietnam. Sie tragen festliche Kleidung ihres jeweiligen Herkunftslandes, kein einheitliches Ordensgewand. Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit ist stattdessen ein einheitliches Medaillon an einem Halskettchen. 35 Schwestern des Ordens arbeiten in Rom. Das hiesige Restaurant von Eau Vive wurde 1969 gegründet, vor fünfzig Jahren. Restaurants betreibt die Kongregation aber weltweit: zum Beispiel in Burkina Faso, Neukaledonien, Frankreich und Mexiko.

„Der Gründer unserer Gemeinschaft, der Priester Marcel Roussel-Galle, hat sich stark mit der Mission beschäftigt, vor allem damit, wie man die von der Kirche sehr entfremdeten Massen erreichen könnte,“ erzählt Schwester Michelle.

Den Menschen entgegenkommen

1910 wurde er geboren, 1938 zum Priester geweiht, 1984 ist Roussel-Galle gestorben. Seine Idee war es, den Menschen möglichst stark entgegen zu kommen, sie in ihrer Lebenswelt zu erreichen, um ihnen die christliche Botschaft mitzuteilen. Daher dürften die Ordensangehörigen auch nicht zu verschieden sein von den Menschen, die sie erreichen wollen.  

Und so ist auch an diesem Samstagabend zwischen den Jahren viele der Saal mit dem bemalten Deckengewölbe gefüllt mit Gästen, die sich hier verköstigen lassen. Die meisten scheinen nicht überrascht zu sein, dass eine der Ordensschwestern um Viertel nach neun herumgeht und Karten verteilt, auf denen das Ave Maria gedruckt ist. Bevor allerdings alle im Raum singen, gibt es Tanz: Zwei der Schwestern, als Maria und Josef verkleidet, tragen eine Jesusbabypuppe durch den Raum und bringen ihm tänzerisch ihre Verehrung dar.

„Unsere Arbeit ist es, die Nachricht des Evangeliums zu verkünden – aber wie macht man das? L’eau vive ist für uns ein sehr modernes Mittel, weil wir hier alle möglichen Leute empfangen: Katholiken, Reiche, Arme, Touristen. Durch unsere Arbeit können wir ein bisschen von der Liebe Jesu weitergeben,“ sagt Sagt Schwester Thérèse-Marie.

Zeugnis ablegen durch das gute Essen

Durch die Einnahmen des Restaurantbetriebs können sie ihre neuen Projekte und die Ausbildung ihres Nachwuchses querfinanzieren. Das Konzept ist überall das Gleiche: durch dienende, hingebungsvolle Arbeit ihren Gästen Freude zu bereiten. Allem Anschein nach empfinden sie dabei auch selbst große Freude. Das bestätigt Schwester Colette:

„Man muss Gott mit der ganzen Person heiligen, mit dem ganzen Körper. Durch den Tanz können wir ohne Worte von Jesus erzählen. Durch das gute Essen können wir Zeugnis davon ablegen, dass er wirklich Mensch ist. Er ist Teil von uns, er ist wie wir. Daher widerspricht sich das nicht: Gott dienen und die Fülle dessen leben, was Gott uns mit der Schönheit gegeben hat, im Tanz und im guten Essen.“

(vatican news)

31 Dezember 2019, 14:38