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Traditionelle Gewänder und Bemalung der indigenen Bevölkerung Traditionelle Gewänder und Bemalung der indigenen Bevölkerung  (AFP or licensors)

Papua-Neuguinea: Ordensfrauen um Inkulturation bemüht

Von der Gratwanderung, wie die Vermittlung des christlichen Glaubens in eine Kultur wie jener von Papua-Neuguinea gelingen kann, berichtete die Ordensfrau und Missionarin Anna Damas bei der Herbsttagung der Orden in Wien-Lainz.

Damas erzählte von vollen Kirchen und wissbegierigen Teilnehmern von Bibelkursen, zugleich aber auch von noch weit verbreitetem Glauben an Geister oder Polygamie. Als aktuelle Herausforderung beschrieb Sr. Damas den Prozess der Kirche von einer gönnerhaften reichen Institution, die über der Bevölkerungsmehrheit steht, hin zu einer Institution, in der sich die Menschen selbst einbringen können. Die Kirche müsse zu einem einfacheren Lebensstil finden, betonte Sr. Damas. Das gelte aber nicht nur für Papua-Neuguinea.

Erste Missionare kamen im 19. Jahrhundert

Die ersten Missionare kamen erst im 19. Jahrhundert ins Land, viele abgelegene Regionen erreichten sie erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Steyler-Missionare bemühten sich um Papua-Neuguinea. Rund 30 Prozent der fast 8,5 Millionen Einwohner Papua-Neuguineas sind Katholiken, etwa 60 Prozent gehören anderen christlichen Konfessionen an. Neben der katholischen Kirche stark vertreten sind auch Lutheraner, Anglikaner und zahlreiche Freikirchen. Rund 850 verschiedene Sprachen - nicht bloß Dialekte - werden in Papua-Neuguinea gesprochen. Die kirchlichen Strukturen sind mit Europa nicht vergleichbar. Eine Pfarrei bestehe in der Regel aus einer zentralen Station mit Kirche, zu der dann noch bis zu 30 Dörfern gehören, die zum Teil auch nur zu Fuß erreichbar seien, so Sr. Damas.

Anna Damas gehört den Steyler-Missionarinnen an und stammt aus Duisburg. Nach ihrem Theologiestudium machte sie zwischen 1998 und 2005 ihre Ausbildung zur Pastoralassistentin in der Diözese Aachen und war als Seelsorgerin in Mönchengladbach tätig. Von 2006 bis April 2019 war sie Missionarin im Hochland von Papua-Neuguinea und dort für die pastorale und katechetische Ausbildung von Ordensleuten und Laien zuständig. Aktuell arbeitet sie in Rom zur Geschichte und Spiritualität der Steyler Missionsschwestern und gehört der internationalen Arbeitsgruppe (SVD und SSpS) zur Interkulturalität an.

Kirche setzt sich für Inkulturation ein

Die katholische Kirche setze sich sehr für die Inkulturation des Christentums in Papua-Neuguinea ein. Vor allem in der Liturgie werde dies in den unzähligen Prozessionen und Liedern sichtbar. Dieses Bemühen unterscheide die katholische Kirche auch von den evangelikalen Kirchen, die der einheimischen Kultur sehr abwertend gegenüberstehen würden.

Man müsse sich dessen stets bewusst sein, „dass schon unsere bloße Anwesenheit die Kultur der Einheimischen verändert“, so Sr. Damas. Die Kulturen seien dabei immer im Fluss und die wirkmächtigste Veränderung gehe aktuell vom Internet aus. Seit rund fünf Jahren gebe es im Hochland von Neuguinea Internet und damit verbunden fast flächendeckend Smartphones unter den Jungen. „Und schon nach drei Jahren ziehen sich etwa die jungen Mädchen ganz anders an als früher und tragen auch ihre Haare anders“, berichtete die Missionarin.

Männerdominierte Gesellschaft

Papua-Neuguinea sei nach wie vor eine stark von Männern dominierte Gesellschaft, erläuterte Sr. Damas. Dementsprechend würden etwa Frauen als Katechistinnen nicht so gerne angenommen und während ihrer Menstruation immer noch als unrein gelten.

Hinsichtlich des Geisterglaubens seien die Übergänge fließend. So würden etwa Krankheiten auch mit einer ganzheitlichen spirituellen Sicht wahrgenommen. Dieser spezielle Blick auf die Wirklichkeit zeige sich z.B. im Bibelunterricht, wo es gelte Vorstellungen von der Bibel als „magisches Wort Gottes“ entgegenzuwirken. Dass die Einheimischen hingegen weniger abstrakt als vielmehr in Geschichten denken, komme dem Charakter der Bibel wiederum sehr entgegen. „Der Wissensdurst der Leute ist riesengroß“, so Sr. Anna.

Investitionen in Bildung

Als wichtigsten Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung des Landes nannte die Ordensfrau Bildung. Deshalb sollten die Kirchen und andere Hilfsorganisationen bei Projekten auch vor allem in Bildung investieren.

Im Verhältnis des Westens zu Papua-Neuguinea aber auch im Verhältnis der Kirche vor Ort zu den Gläubigen brauche es viel mehr Partnerschaft auf Augenhöhe, zeigte sich die Ordensfrau überzeugt. Die Kirche werde von den Menschen immer noch als reiche Patronin wahrgenommen, von der man versorgt wird, wenn man sich ihr „unterwirft“ und loyal ist. Selbiges gelte, wenn man sich zur Realisierung von Vorhaben immer an den Westen um Geld wende. Diese Abhängigkeitsverhältnisse müssten überwunden werden.

Ein gravierender Kulturbruch sei die Einführung von Geld durch die Kolonialmächte und Missionare gewesen. Bis dahin habe es im Land eine reine Tauschkultur - von in der Regel gleichberechtigten Partnern - gegeben. Mit dem Geld und den Zuwendungen, die vor allem die Missionare - in guter Absicht - ohne Gegenleistung erbrachten, seien die Menschen in Abhängigkeiten abgeglitten.

Kirche als Friedensinstitution

Eine große Herausforderung für die Kirche sei auch die Vermittlung bei Stammeskonflikten, die nach wie vor ein großes Problem darstellen würden. Die Kirche werde als Friedensinstitution wahrgenommen, weil eine Pfarre immer auch mehrere der meistens sehr kleinen Stämme zusammenbringe, so die Ordensfrau.

Papua-Neuguinea sei zwar auf dem Papier ein demokratisches Land, doch die Menschen würden unter Demokratie etwas anderes als im Westen verstehen. Die Loyalität der Politiker gelte fast ausschließlich ihrem eigenen Clan, das Gemeinwohl spiele kaum eine Rolle. Freilich, bei der jungen Generation sei durchaus schon ein Umdenken spürbar, so Sr. Damas: „Sie denken etwa kritischer über die weit verbreitete Korruption oder das defizitäre Demokratieverständnis“.

Sr. Anna Damas war die Hauptreferentin beim Missionstag am Mittwoch im Rahmen der Herbsttagungen der heimischen Ordensgemeinschaften. P. Franz Pilz, Leiter des Missionsreferats, konnte dazu die Missionsverantwortlichen der heimischen Frauen- und Männerorden begrüßen.

(kap – pr)

28 November 2019, 14:48