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Hexenglaube in Nigeria: besonders Kinder werden häufig zu Sündenböcken für Unglücksfälle und Missstände gemacht Hexenglaube in Nigeria: besonders Kinder werden häufig zu Sündenböcken für Unglücksfälle und Missstände gemacht  (ANSA)

Nigeria: „Hexenkonferenz“ sorgt für Zündstoff

In Nigeria hat eine Konferenz, die am Dienstag an der namhaften Nsukka-Universität eröffnet wurde, zahlreiche Proteste ausgelöst. Während christliche Vereinigungen auf die Barrikaden gehen, begrüßt die Humanistische Vereinigung Nigerias die Konferenz zum Thema Hexerei als eine Gelegenheit, eine bedrohliche soziokulturelle Realität zu ergründen und zu verstehen.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Es sei ermutigend, dass man an einer der führenden Universitäten Nigerias eine Konferenz organisiert habe, die dieses dunkle und zerstörerische Phänomen diskutieren und untersuchen will, so die Meinung der Humanistischen Vereinigung Nigerias, die über die Proteste christlicher Führer und Organisationen zutiefst bestürzt ist - vor allem über den Aufruf der Christlichen Vereinigung Nigerias (CAN), das Event abzusagen. Es sei bedauerlich, dass CAN und andere christliche Gruppen den Sinn und Zweck  der Konferenz völlig falsch verstanden hätten, so der Vorwurf. Vielmehr wäre es wünschenswert gewesen, die christliche Gemeinschaft zur Teilnahme an dem akademischen Seminar anzuregen, dem es darum ginge, eine bedrohliche soziokulturelle Realität zu erkunden und zu verstehen.

Nigeria: schwere Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Hexenglauben

In afrikanischen Kulturen sind magische Praktiken traditionell weit verbreitet. Gerade Nigeria hat es als ein Land, wo es im Zusammenhang mit Hexenglauben immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen kommt, zu trauriger Berühmtheit gebracht. Den vermeintlichen Hexen wird zur Last gelegt, dass sie durch Magie Unglück verursachen, zum Beispiel Krankheiten, Scheidungen, Brände, Unfälle - bis hin zu Tod und Naturkatastrophen. Besonders Mädchen und Frauen müssen oft als Sündenböcke herhalten. Aber auch Menschen mit Albinismus, AIDS-Kranke, psychisch Kranke, Flüchtlinge und besonders schöne und erfolgreiche Frauen und Männer gehören zu den Risikogruppen.

Titel der Konferenz kurzfristig umbenannt

Im Vorfeld der Tagung hatte es viel Kritik gegeben. So war der Titel kurzfristig von „Hexerei: Bedeutung, Faktoren und Praktiken“ in „Dimensionen menschlichen Verhaltens“ geändert worden. Nigeria ist ein religiös geprägtes Land; etwa die Hälfte der Bewohner bekennt sich zum Islam, die andere Hälfte zum Christentum. Auch der Glaube an Hexerei, oft als „Juju“ bezeichnet, ist weit verbreitet.

(sir/vatican news)

 

27 November 2019, 12:36