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Sorge über Gewalt: Iraks Präsident telefoniert mit Vatikan

Der irakische Präsident Barham Salih hat laut einem Bericht der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR am Samstag mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin telefoniert.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Protestbewegung im Land habe der Kardinal den Präsidenten der Unterstützung für das Zweistromland versichert und den Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass „das irakische Volk in Frieden und Harmonie leben kann“ und „die Hoffnungen des Volkes auf ein Leben in Freiheit und Würde erfüllt werden“, hieß es aus dem Büro Salihs.

In den vergangenen Tagen waren bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Bagdad und anderen irakischen Städten mindestens 30 Personen getötet und mehr als 350 verletzt worden, vor allem als Protestierende versuchten, in die abgeriegelte grüne Zone der irakischen Hauptstadt einzudringen, wo sich die Regierungsgebäude befinden. Der schiitische Großayatollah Ali H. al-Sistani, jedoch auch der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako riefen eindringlich zu „friedlichen“ Protesten für „wahre Reformen und eine bessere Zukunft“ auf.

Das chaldäisch-katholische Patriarchat appellierte in einem Schreiben vom Freitag an „das Gewissen der Verantwortungsträger“ im Land, die Forderungen des Volkes zur Überwindung der Arbeitslosigkeit und des Verfalls der Infrastruktur ernst zu nehmen. Darunter sei vor allem das Verlangen nach „Eindämmung der Korruption“, welche die sozio-ökonomische Situation drastisch verschlechtert habe.

Erste friedlichen Proteste

Erstmals seit dem US-Einmarsch im Irak 2003 würden derzeit Menschen im Irak friedlich auf die Straßen gehen, um ihre Forderungen zum Ausdruck zu bringen, unterstrich der Patriarch. Dabei würden „alle konfessionellen und ethnischen Grenzen“ überwunden, „man könnte von einer patriotischen Pilgerfahrt sprechen“.

Neben der Solidarität mit den Protestierenden warnte Sako zugleich vor jeglicher Instrumentalisierung der Proteste. Die Sicherheitskräfte rief er dazu auf, das Recht des Volkes auf Kundgebungen zu respektieren und keine Gewalt anzuwenden. Im Irak müssten die Probleme jetzt durch einen „konstruktiven Dialog“ angegangen werden, „unter Beteiligung kompetenter Persönlichkeiten, die für ihre Ehrlichkeit und ihre Vaterlandsliebe bekannt sind“.

Der Kardinal-Patriarch nahm auch Bezug auf den Beginn der Kundgebungen am 1. Oktober, als 150 Demonstranten teils von Sicherheitskräften, teils von anonymen Heckenschützen getötet wurden. Die zur Klärung dieser Vorfälle von der Regierung eingesetzte Untersuchungskommission kam zum Schluss, dass Kommandanten und leitende Offiziere der Polizeikräfte die Kontrolle über den Einsatz verloren hätten. Es liege aber kein Schießbefehl des Ministerpräsidenten Adel Abd-ul-Mahdi vor.

Große soziale Not

Hintergründe der Proteste hatte der irakische Caritasdirektor Nabil Nissan gegenüber SIR dargelegt. Politische Instabilität, die Präsenz von Paramilitärs und die fehlende Sicherheit seien die Hauptprobleme für die Bevölkerung, dazu eine Arbeitslosenrate von 22 Prozent, die Problematik der 1,7 Millionen Inlandsvertriebenen sowie 1,5 Millionen Waisenkinder und mehr als einer Million geschiedener Frauen, die kein Einkommen haben.

Die irakische Caritas leistet psychologische Hilfe für zwei Millionen traumatisierter Mütter, die unter den Folgen des Krieges und der Herrschaft der IS-Terroristen leiden. Für 3.000 Familien wird medizinische Hilfe geleistet, 6.000 Kinder erhielten im vergangenen Jahr in kirchlichen Einrichtungen Schulunterricht. 2018 habe die Caritas zudem 2.000 beschädigte Wohnungen und Häuser restauriert und 100.000 Lebensmittelpakete verteilt.

(kap – sk)
 

27 Oktober 2019, 13:16