Cerca

Vatican News
Eine Kirche in Ägypten Eine Kirche in Ägypten  (AFP or licensors)

Ägypten: Immer mehr christliche Kirchen werden „legalisiert“

In Ägypten schreitet der Prozess der „Legalisierung“ christlicher Gotteshäuser voran. Bisher waren 1.171 Kirchen, die in der Vergangenheit ohne die erforderlichen Genehmigungen errichtet worden waren, nachträglich für rechtmäßig erklärt worden.

Das „Ad hoc“-Regierungskomitee, das zur Überprüfung dieser Fälle eingerichtet worden ist, hat vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die Legalität von 62 koptischen Kirchenbauten festgestellt worden sei. Am 5. August war die Legalität von 88 christlichen Gotteshäusern verbrieft worden. Bisher seien insgesamt 1.171 Kirchen von dem Ausschuss überprüft und „legalisiert“ worden, hieß es.

Der Überprüfungs- und Legalisierungsprozess begann auf Grund eines im August 2016 vom ägyptischen Parlament beschlossenen neuen Gesetzes über den Bau und die Verwaltung von Gotteshäusern. Dieses stellt für die christlichen Glaubensgemeinschaften in Ägypten einen wichtigen Fortschritt im Vergleich zu den sogenannten „Zehn Regeln“ dar, die 1934 erlassen wurden.

Nach den „Zehn Regeln“ war der Bau neuer Kirchen in der Nähe von Schulen, Regierungsgebäuden, Wohngebieten, Eisenbahnlinien und Kanälen grundsätzlich verboten. Für Neubauten oder Renovierungen von christlichen Gotteshäusern wurde ein überaus kompliziertes Genehmigungsverfahren festgelegt, das die Unterschrift des Staatsoberhaupts erforderte. Die strikte Anwendung dieser Regeln verhinderte den Bau neuer christlicher Kirchen in vielen vor allem ländlichen Gebieten.

Koptische Kathedrale neben Freitagsmoschee

Auch Al Azhar, die höchste Autorität des sunnitischen Islam, bemerkte, dass das islamische Gesetz Kirchenbauten nicht verbiete und dass christliche Gotteshäuser vor Abriss geschützt werden müssen.

Um die neue Einstellung gegenüber dem Bau christlicher Gotteshäuser sichtbar zu dokumentieren, ließ Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi im Herzen der Planstadt Neu-Kairo eine koptische Kathedrale, das größte christliche Gotteshaus des Nahen Ostens, und eine Freitagsmoschee nebeneinander errichten. Der Brauch, Kathedrale und Freitagsmoschee nebeneinander zu bauen, war vor allem im syrischen und mesopotamischen Raum auch früher üblich.

(poi – tg)

08 Oktober 2019, 10:40