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Vatican News
People of various religions hold a candle for the victims of the previous Ökumeneblast, during a vigil organized by the National Commission for Inter-Religious Dialogue & Ecumenism (NCIDE) in Lahore Ökumene 

Österreich/Spanien: Ökumenischer Dialog muss weitergehen

Der ökumenische Dialog muss weitergehen, weil Jesus selbst in seinen Abschiedsreden den Christen den Auftrag zur Einheit gegeben hat. Dies betonte der Präsident der Wiener ökumenischen Stiftung „Pro Oriente", Alfons M. Kloss in Madrid beim interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio.

Kloss nahm dort unter anderem mit Weltkirchenrat-Generalsekretär Olav Fykse Tveit an einem Podiumsgespräch teil. Für den Pro-Oriente-Präsidenten ist diesbezüglich klar: Der Ökumenismus ist eine „sehr lebendige Plattform für das gemeinsame Leben und Handeln der Christen in der Welt von heute".

Er spreche nicht als Theologe, sondern als langjähriger Diplomat und engagierter Katholik, aber es gehöre zum Christsein, das im Johannes-Evangelium überlieferte Jesus-Wort ernst zu nehmen: „Alle sollen eins sein... damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." In einer Welt voll von Konflikten und Spaltungen dürften die Christen diesen Auftrag nicht vergessen, betonte Kloss. Gerade sie sollten für andere offen sein, Brücken bauen und nach den Worten von Papst Franziskus die „Kultur der Begegnung" pflegen.

Franziskus weise immer wieder daraufhin, dass es ein realistisches Konzept für die Zusammenarbeit der Christen gibt: gegenseitiger Respekt für die besonderen Identitäten und harmonische Kooperation trotz legitimer Formen der Verschiedenheit. Dann sei es möglich, miteinander unterwegs zu sein, im gemeinsamen Gebet, durch gemeinsame Aktion, vor allem in der Hilfe für die Armen und Notleidenden, in der gemeinsamen Verkündigung des Evangeliums.

Kloss verwies auf das Wort von Papst Benedikt XVI. (2005-2013), dass die Christen aufeinander hören und voneinander lernen sollten, was es bedeute, in der Welt von heute Christ zu sein. Voneinander zu lernen und einander besser zu kennen sei aber auch hilfreich, die eigenen Positionen klarer zu sehen, „einschließlich der Fehler und Irrtümer".


Als Glaubende nicht „defensiv" sein


Wenn heute vor allem in Europa - auf der Grundlage von Zahlen und Statistiken - Sorge über die Zukunft des Christentums geäußert werde, stelle sich die Frage, ob die Christen nicht gerade in dieser Situation noch intensiver das Evangelium gemeinsam leben und bezeugen sollten, stellte der „Pro Oriente"-Präsident fest. Wörtlich meinte Kloss: „Treffen wir nicht oft mit Menschen zusammen, die sich selbst als nicht religiös bezeichnen, aber große Sehnsucht nach spirituellen Werten haben? Können wir ihnen Hoffnung und die kraftvolle Botschaft der Seligpreisungen anbieten - oder verbleiben wir auf defensiven und gespaltenen Haltungen, die für die Außenwelt nicht sehr attraktiv sind?"

Man müsse immer die drei Ebenen des ökumenischen Dialogs im Auge behalten, so der „Pro Oriente"-Präsident: Den Dialog der Theologen, den Dialog der kirchlichen Hierarchien und den Dialog auf der Ebene der Gemeinden, im „Volk Gottes", wo das gemeinsame christliche Zeugnis in der Gesellschaft wirklich zähle. Ökumenischer Fortschritt hänge auch vom Grad des harmonischen Austausches zwischen den drei Ebenen ab.


In den letzten Jahrzehnten viel erreicht


Der 65-jährige Diplomat Kloss steht seit einem Jahr an der Spitze der Stiftung „Pro Oriente". Als er vor einem Jahr die Präsidentschaft übernommen und die Dokumentation des ab dem Jahr 1964 unternommenen Dialogs analysiert habe, hätten ihn zwei Aspekte besonders fasziniert, berichtete der frühere österreichische Botschafter beim Heiligen Stuhl. Einerseits sei die „enthusiastische und zutiefst positive" Sprache der Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auffallend gewesen, „eine Sprache voll von Hoffnung im Hinblick auf das, was in nächster Zukunft verwirklicht werden könnte". Andererseits sei ihm aber auch bewusst geworden, wie groß damals noch der Abstand der getrennten Christen voneinander war. Es werde leicht vergessen, wie sehr die getrennten Christen vor mehr als 50 Jahren einander noch fremd waren „und nicht Brüder und Schwestern".

Wenn man auf die Resultate des Ökumenismus heute schaue, müsse man zugeben, dass das große Ziel der vollen und sichtbaren Einheit noch nicht erreicht sei, stellte Kloss fest. Das könne verständlicherweise Frustration und Enttäuschung auslösen. Aber zugleich müsse man erkennen, dass in den letzten Jahrzehnten einiges erreicht wurde: „Wir arbeiten in vielen Bereichen auf ganz natürliche Weise eng zusammen". Einige positive Schritte zum größeren Verstehen, genauerem Hinhören und zur Annahme des „Anderen" seien erfolgt. Heute müsse man sich wahrscheinlich mehr auf das konzentrieren, „was wir gemeinsam tun können und nicht auf das, was uns trennt".

(kap - gs)

18 September 2019, 13:46