Vatican News
Flüchtlinge aus dem Norden des Landes in der Hauptstadt Ouagadougou Flüchtlinge aus dem Norden des Landes in der Hauptstadt Ouagadougou  (AFP or licensors)

Neue Morde an Christen in Burkina Faso

Vier engagierte Katholiken sind vor ein paar Tagen im Norden von Burkina Faso von Islamisten getötet worden. Die Terroristen gingen nach Angaben der Nachrichtenagentur fides beim Überfall auf das Dorf Bani von Haus zu Haus und suchten gezielt nach Christen, um sie zu töten.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Die Nachrichten über Angriffe auf Christen in Burkina Faso häufen sich in letzter Zeit. „Man spürt natürlich die gegenwärtige Spannung, die Angst wegen dieser Eskalation der Gewalt“, sagt uns dazu ein Missionar in der Hauptstadt Ouagadougou. „Allerdings ist das gar keine Neuigkeit mehr. Vielleicht haben die internationalen Medien – sogar die französischsprachigen, die für diese Region noch aufmerksamer sind – nicht davon gesprochen, aber in der Grenzregion hat es schon seit Jahren viele Episoden dieser Art gegeben. Sie richteten sich aber nicht gegen die Christen, und das ist, wenn wir so wollen, der Unterschied. An Ostern, Ende April und Anfang Mai, kam es erstmals zu Vorfällen dieser Art.“

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Der italienische Missionar in der Hauptstadt will in unserem Interview anonym bleiben – aus Sicherheitsgründen. Nach Angaben einer neueren Studie gab es in Burkina Faso 2015 erst drei dschihadistische Attentate. 2016 lag die Zahl bei zwölf, 2017 bei 29 – und letztes Jahr schon bei 137.

Welle von Anschlägen auf Christen seit Ostern

„In den Tagen nach Ostern gab es einen Angriff auf eine protestantische Kirche, später auch auf eine katholische Kirche. Dabei wurden auch der Pastor und der Pfarrer getötet. Dass seit Jahresbeginn auch zwei spanische Salesianer-Missionare ums Leben kamen, ist allerdings anders gelagert – das war in einem Fall wohl einfach die Gewalttat von Räubern, nichts Geplantes. Während im anderen Fall sich offenbar ein früherer Angestellter gerächt hat. Das sind zwei Vorfälle, die isoliert scheinen.“

Ende April: Bewaffnete töten in einer Kirche im Süden den protestantischen Pastor und fünf Gläubige. 12. Mai: Mit dem katholischen Priester sterben in der Stadt Dablo im Zentrum des Landes auch fünf Kirchgänger. Zwei Tage später trifft es vier Katholiken bei einer Prozession in Ouahigouya. Die Welle der Anschläge droht die traditionell guten Beziehungen zwischen der islamischen Mehrheit und der christlichen Minderheit der Bevölkerung zu trüben.

Über die Grenze kommen Waffen, Drogen und Terroristen

„In den Grenzregionen operieren viele Gruppen, die destabilisierend wirken. Ein Teil kommt aus Mali, ein anderer aus den Wüstengegenden des Niger. Ein weiterer Teil dieser Gruppen kommt aus Nigeria, hier gibt es womöglich Überschneidungen mit der Terrorgruppe Boko Haram. Nigeria grenzt zwar nicht an Burkina Faso, ist aber auch nicht weit weg. Beide Grenzregionen – im Norden und im Südosten – sind gleichzeitig wichtige Schmuggelstraßen. Hier kommen Waffen und Drogen ins Land, womöglich aus Lateinamerika stammend und in Häfen im Senegal oder Nigeria an Land gebracht. Die kommen dann durch die Wüste zu uns oder auch nach Libyen (und von dort teilweise nach Europa).“

Der Bischof von Kaya, Théophile Naré, hat unlängst im Interview mit uns von wachsender Panik bei den Christen gesprochen. Schließlich habe die Regierung das Militär in gefährdete Regionen geschickt, doch die Angriffe gingen trotzdem weiter. Die Islamisten ließen sich also offenbar auch von der demonstrativen Militärpräsenz nicht abschrecken. Unser ungenannter Missionar allerdings sieht die Dinge etwas gelassener als Bischof Naré.

“ Das allgemeine politische Klima hier ist eigentlich nicht schlimmer, als ich es in meinem Leben als Missionar auch anderswo erlebt habe ”

„Das allgemeine politische Klima hier ist eigentlich nicht schlimmer, als ich es in meinem Leben als Missionar auch anderswo erlebt habe. Man spürt natürlich die Angst und sieht, dass aus dem Norden viele Menschen geflohen sind, man spricht da von etwa 140- bis 160.000 Menschen. Die armen Menschen im Norden bleiben trotz der Angriffe in ihren Dörfern oder versuchen, bei Verwandten in der Nähe unterzukommen; aber weil Ärzte und Lehrer angesichts des Drucks und der Drohungen das Weite suchen, haben sie keinen Zugang mehr zu Gesundheitsdiensten oder zur Schulbildung.“

(vatican news – sk)

05 Juli 2019, 10:59