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Weltweit gibt es mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht - nur die wenigsten Migranten kommen bis nach Europa Weltweit gibt es mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht - nur die wenigsten Migranten kommen bis nach Europa  (ANSA)

UNO: Mehr als 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Während die Zahl der Asylsuchenden in Österreich weiter deutlich sinkt, hat das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR 2018 weltweit zum ersten Mal mehr als 70 Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Asylbewerber gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr nahm ihre Zahl um 2,3 Millionen auf 70,8 Millionen zu. Das geht aus dem am Mittwoch in Berlin vom UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) veröffentlichten Global-Trends-Jahresbericht hervor. Demnach waren weltweit zuletzt doppelt so viele Menschen auf der Flucht wie noch vor 20 Jahren. Das 1950 gegründete UN-Hilfswerk zählte nach eigenen Angaben nie zuvor eine höhere Zahl.

In Österreich bietet sich - ebenso wie in Deutschland und den meisten EU-Staaten - laut UNHCR ein anderes Bild: Die Zahl der Asylanträge ist 2018 erneut gesunken und liegt bei 13.746 Anträgen, 2017 waren es 24.735 Anträge. Die Asylanträge in Österreich bewegen sich somit auf einem ähnlichen Niveau wie vor zehn Jahren.

Binnenvertriebene stellen die größte Gruppe

Die größte Gruppe bildeten laut UNHCR Binnenvertriebene, also Menschen die innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht waren, mit 41,3 Millionen; 20,4 Millionen verließen als Flüchtlinge wegen Krieg und Verfolgung ihr Land. Dazu kamen 5,5 Millionen Palästinenser unter dem Mandat des UN-Flüchtlingshilfswerk für Palästinenser UNRWA. Weitere 3,5 Millionen Menschen warteten noch auf eine Entscheidung über ihr Asylgesuch.

Allein 6,7 Millionen Flüchtlinge kamen laut UNHCR aus Syrien, weitere 2,7 Millionen aus Afghanistan und 2,3 Millionen aus dem Südsudan. Weitere wichtige Herkunftsländer waren Myanmar, Somalia, Sudan und die Demokratische Republik Kongo.

Besonders betroffen: Kinder

Besonders betroffen sind Kinder: So ist jeder zweite Flüchtling jünger als 18 Jahre und 111.000 Kinder wurden auf der Flucht von ihren Familien getrennt, informierte das UNHCR. Allein Uganda meldet 2.800 geflüchtete Kinder, die jünger als sechs Jahre alt und allein oder von ihren Eltern getrennt sind.

„Die Daten unterstreichen, dass die Zahl der vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehenden Menschen langfristig steigt“, sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Obwohl die Sprache, wenn es um Flüchtlinge und Migranten gehe, oft vergiftet sei, gebe es weltweit Beispiele von Großmut und Solidarität. Und weiter: „Auf diesen positiven Beispielen müssen wir aufbauen und unsere Solidarität für die vielen Tausenden unschuldigen Menschen, die jeden Tag vertrieben werden, verdoppeln.“ Lösungen könne es aber nur geben, wenn alle Länder zusammenarbeiteten, zeigte sich Grandi überzeugt.

Fast 600.000 Menschen konnten laut UNHCR im vergangenen Jahr nach Hause zurückkehren. Weitere 60.000 wurden Staatsbürger des Landes, in dem sie Schutz gefunden hatten. Etwas mehr als 90.000 kamen über eine Härtefallregelung (Resettlement) in ein sicheres Aufnahmeland, das sind weniger als sieben Prozent der Flüchtlinge, die aus Sicht der UNHCR dringend einen Resettlement-Platz brauchen.

„Für jede Flüchtlingssituation, wie lange sie auch dauert und wo immer sie auch ist, muss der Fokus auf Lösungen liegen und darauf, jene Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die Flüchtlingen für eine Rückkehr im Weg stehen“, betonte Grandi.

(kap - cs)

19 Juni 2019, 13:54