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Kardinal Malcolm Ranjith Kardinal Malcolm Ranjith  (AFP or licensors)

Kardinal: Weniger Aufklärungswille zu Attentaten in Sri Lanka

Das Interesse an einer Aufklärung der Bombenattentate auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag in Sri Lanka lässt nach Aussage des Erzbischofs von Colombo, Kardinal Malcolm Ranjith, spürbar nach.

Anhörungen einer Untersuchungskommission würden nicht mehr im Fernsehen übertragen. Vertreter von Behörden und Parteien ergingen sich in Schuldzuweisungen, wer Hinweise auf Attentate vernachlässigt habe, so Ranjith am Donnerstag in Rom.

In den Wochen vorher habe es mehrfach Informationen des indischen Geheimdienstes zu möglichen Angriffen von Extremisten gegeben, die aus Syrien zurückkehren, bestätigte der Kardinal bei einer Pressekonferenz des Hilfswerks „Kirche in Not“. Noch am Ostermorgen um 6:45 Uhr sei eine Warnung eingegangen. „Hätte ich das gewusst, hätte ich die Kirchen geschlossen und den Menschen gesagt, sie sollten zu Hause bleiben“, so Ranjith.

Ranjith trifft den Papst

Am Donnerstagnachmittag wird der Kardinal von Papst Franziskus empfangen. Ihm will er ein Video übergeben, das über die Attentate und deren Folgen berichtet. Zu sehen sind darin auch Aufnahmen von Überwachungskameras, die die Attentäter mit Rucksack zeigen, einen von ihnen bis zu dem Moment, in dem er eine Kirche betritt und die Bombe zündet. Bei den Selbstmordattentaten islamistischer Terroristen auf drei Kirchen und drei Hotels waren nach Aussage von Ranjith 300 Menschen getötet worden; andere Quellen nennen 250. Vor einer Woche erst wurden laut Medienberichten vier weitere Verdächtige im Nahen Osten durch Interpol festgenommen.

In den Tagen und Wochen nach den Attentaten habe er etliche Kirchengemeinden, Dörfer, aber auch Moscheen und Tempel besucht, um aufkommende Spannungen zu entschärfen, berichtete Kardinal Ranjith. Es sei zum Teil schwer zu vermitteln gewesen, dass Menschen nicht mit anti-islamischen Angriffen reagieren. Die Vorsteher örtlicher Moscheegemeinden habe er beruhigen können, dass keine Racheakte von Christen zu befürchten seien. Umgekehrt hätten die Muslime sie unterstützt, bestätigte Ranjith.

Wahhabitischer Einfluss

Allerdings habe sich in den letzten 30 bis 40 Jahren wahhabitischer Einfluss in Sri Lanka verstärkt, der sich von örtlichen Muslimen absetze. Nun komme es darauf an, dass die Attentate und mögliche unterschwellige Spannungen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen Anfang 2020 nicht instrumentalisiert würden. Sri Lanka ist von einer buddhistischen Bevölkerungsmehrheit geprägt.

(kna – sk)
 

20 Juni 2019, 15:35