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Kardinal Kasper bei einem Interview mit dem derzeitigen Leiter des vatikanischen Pressesaals Gisotti Kardinal Kasper bei einem Interview mit dem derzeitigen Leiter des vatikanischen Pressesaals Gisotti 

Kasper: Bischöfinnen vielleicht in ein „paar Jahrhunderten“

Anders als in der evangelischen Kirche wird es in der katholischen Kirche nach Ansicht des emeritierten Kurienkardinals Walter Kasper auf lange Zeit keine Bischöfinnen geben.

Eine Bischofsweihe von Frauen könne es vielleicht in ein „paar Jahrhunderten“ geben, sagte Kasper am Mittwochabend in Frankfurt. „Aber das ist im Augenblick keine konkrete Perspektive“, fügte er hinzu. Alle, die etwas anderes erwarteten, müsse er „enttäuschen“.

Auf die Frage, ob er die Bischofsweihe von Frauen in der katholischen Kirche theologisch für möglich halte, sagte Kasper, er sei kein Prophet. „Ich traue dem Heiligen Geist zwar viel zu, bin aber nicht an seiner Stelle“, so Kasper. In den vergangenen 30 Jahren, seit er selbst zum Bischof geweiht worden sei, sei er „Realist geworden, der schaut, was hier und heute in einer bestimmten Richtung möglich ist“. Er wolle nicht „in Utopien“ leben.

“ Verkündet das Evangelium und redet nicht immer nur von Strukturen ”

Kasper rief die Verantwortlichen in der katholischen Kirche auch dazu auf, sich nicht in Strukturdiskussionen zu verlieren: „Verkündet das Evangelium und redet nicht immer nur von Strukturen.“

Zum Nachhören

Auslöser für die derzeitigen innerkirchlichen Debatten sei die Missbrauchskrise, die ein „Skandal und eine Schande“ sei, so der 86-Jährige. Nun aber werde versucht, in die Lösung dieser Krise „wie in eine Schuhschachtel alle anderen Probleme hineinzupacken“, wie etwa die Rolle von Frauen in der Kirche oder die Sexualmoral. Dies gebe „ein gefährliches Gemisch“. Denn dies seien „alles Megathemen“, die man nicht alle zusammen lösen könne.

Die Kirche erneuern, aber nicht neu erfinden

„Man muss Schritt für Schritt vorgehen“, sagte Kasper. „Wir müssen die Kirche erneuern, aber wir können sie nicht neu erfinden.“ Er lobte Papst Franziskus, der dem Amt des Papstes eine neue Gestalt gegeben und einen neuen Stil des Papsttums geprägt habe, vom ersten Tag an. Zudem sei neu bei Franziskus, dass er „wirklich auf die Ortskirchen hören und nicht einfach direkt eingreifen will“, so der Kardinal.

„Bei vielem sagt Franziskus einfach: Das kann ich nicht einfach von oben anordnen und bestimmen, das muss von den Bischöfen kommen.“ Kasper: „Ich frage mich manchmal: Warum kommt da nichts?“

(kna – sk)
 

13 Juni 2019, 13:58