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Findet doch nicht statt: die Wahlen in Nigeria. Findet doch nicht statt: die Wahlen in Nigeria.  (AFP or licensors)

Nigeria: Bischöfe kritisieren Verschiebung der Wahlen

In Nigeria haben die Bischöfe die Verschiebung der Präsidentschaftswahl um eine Woche kritisiert. Mehr als eine „Enttäuschung“ über die Verschiebung sei es sogar eine „beschämende Geste“, so Kardinal John Olorunfemi Onaiyekan, Erzbischof von Abuja, im Gespräch mit Vatican News.

Mario Galgano und Giada Aquilino - Vatikanstadt

Es sei „eine verpasste Gelegenheit“, um den „Prozess der Demokratisierung und Befriedung des gesamten Landes“ zu fördern, sagte der nigerianische Kardinal. Sechs Stunden vor Öffnung der Wahllokale war der Termin überraschend um eine Woche verschoben worden. Aufgrund logistischer Schwierigkeiten sei es nicht möglich, freie, faire und glaubwürdige Wahlen durchzuführen, hieß es. Kardinal Onaiyekan dazu:

„Die Verschiebung der Wahlen ist unerklärlich, denn bis Freitagnachmittag hatte der Leiter der Wahlkommission, Professor Mahmood Yakubu, allen, auch internationalen Beobachtern, versichert, dass alles in Ordnung sei für die für diesen Samstag geplanten Wahlen. Er erwähnte keine Probleme, er wies sogar alle Gerüchte über mögliche Verschiebungen zurück. Was auch immer der Grund ist, die Situation ist wirklich sehr gefährlich: Für uns Nigerianer ist es eine große Schande. Ich sage bewusst nicht Enttäuschung, sondern beschämende Schande, denn wir haben einen sehr schlechten Eindruck gegenüber dem Ausland hinterlassen.“

66 Tote in Kaduna

Nigeria erlebt deshalb neue Spannungen. Nur wenige Stunden nach der Ankündigung der Verschiebung der Wahlen wurden im Nordstaat Kaduna mindestens 66 Menschen, darunter 22 Kinder und 12 Frauen, von einer Gruppe bewaffneter Männer getötet.

„Leider gibt es seit mehr als vier Jahren, fast jeden Tag in Nigeria, Berichte über Todesfälle. Und der Verlust von 66 Menschen in Kaduna durch diesen Angriff wird gar nicht wahrgenommen und so getan, als ob es sich um eine übliche Gewaltepisode gehandelt habe“, so der Kardinal weiter.

Die Mehrheit der Menschen, die in jenem Gebiet leben, seien Christen, erläutert Onaiyekan. Seit vielen Jahrhunderten hielten jedoch die Menschen im Norden, die sogenannten Fulani-Muslime, die eigentliche Machtpositionen inne. „Seit zehn Jahren haben die Menschen in Kaduna ihre Freiheit wiedererlangt, aber es gibt immer noch Spannungen zwischen den Stämmen der Hausa-Fulani und den Menschen, die sie die lokalen Eingeborenen nennen.“

Es wäre besser gewesen, zwei bis drei Tage zu verschieben

„Sehr enttäuschend“ nannte auch der Bischof von Yola, Stephen Dami Mamza, die Entscheidung der Unabhängigen Nationalen Wahlkommission (INEC) gegenüber der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Nach Einschätzung von Bischof Mamza wäre es besser gewesen, wenn die Wahl zwei bis drei Tage vor dem Termin verschoben worden wäre.

„Viele Menschen reisen in ihre Dörfer und nehmen viel auf sich, um wählen zu können“, so der Bischof. Falls die Verschiebung jedoch zu mehr Fairness und besseren Ergebnissen führt, sei der Schritt wohl unvermeidbar.

„Ich bin unglücklich mit der Entscheidung. Ich sehe keinen Grund dafür“, kommentierte der Bischof von Maiduguri, Oliver Dashe Doeme. „Das ist ein großer Rückschritt für unser Land.“ In Nigeria würden ohnehin schon viele Menschen täglich leiden. Es gebe viel Gewalt und Armut. „Das wird dazu führen, dass die Bevölkerung noch enttäuschter von der Regierung ist.“

Nach derzeitigem Stand sollen Präsidentschafts-, Parlaments- und Senatswahlen am 23. Februar stattfinden. Spitzenkandidaten sind Amtsinhaber Muhammadu Buhari vom All Progressives Congress (APC) und Atiku Abubakar von der größten Oppositionspartei, der People's Democratic Party (PDP). Neuer Termin für die Wahl der Landesparlamente und Gouverneure ist der 9. März. Insgesamt sind mehr als 84 Millionen Wähler registriert, so viele wie nie zuvor in Nigeria.

In dem Land werden Wahlen mehrfach in letzter Minute verschoben. Vor vier Jahren wurde der Termin um sechs Wochen nach hinten verlegt. 2011 sagte der damalige INEC-Vorsitzende, Attahiru Jega, die Wahlen ebenfalls kurzfristig ab.

(vatican news/kna - mg)

16 Februar 2019, 13:58