Cerca

Vatican News
Auch in Istanbul wurde die Autokephalie von Gläubigen begrüßt Auch in Istanbul wurde die Autokephalie von Gläubigen begrüßt  (ANSA)

Orthodoxie-Experte fürchtet weitere Verschärfung des Konflikts

Am Sonntag sagte der Salzburger Ostkirchen-Experte Prof. Dietmar Winkler in einem ORF-Interview: „Die gesamte Orthodoxie ist mit der Spaltung in zwei orthodoxe Kirchen in der Ukraine - eine nationale ukrainische und eine moskautreue - geschwächt worden.“ Auch die politische Instrumentalisierung dieses Kirchenkonflikts könnte sich weiter zuspitzen, mahnte er.

Sichtbar werde diese Schwächung der Gesamtorthodoxie auch dadurch, dass nun auch Parlallelstrukturen des Moskauer Patriarchats in der Diaspora aufgebaut würden. Winkler: „Es wäre dringend notwendig, dass die beiden Kirchenleitungen wieder intensiv in das Gespräch kämen. Aber momentan sieht man keinen Ausweg, sondern eher nur den Bruch. Es gibt keine Roadmap wie man da vorangehen könnte. Moskau wird sicher hier momentan auf hart stellen und nicht den Weg der Versöhnung suchen.“

Dies hatte auch der Außenamtsleiter des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew, in einem „Rossya Today“-Interview am Wochenende bekräftigt: „Wir befinden uns in einer Situation, in der wir nicht in der eucharistischen Gemeinschaft mit Konstantinopel sein können, und niemand weiß, wie lange dies noch andauern wird. Vielleicht noch einmal zehn Jahrhunderte, wie es bei der Kirche von Rom der Fall ist. Vielleicht wird es kürzer sein.”

Bisher noch keine Festlegung

Bestätigt wurde die Legitimität und Unabhängigkeit der neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) aktuell nur durch den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dessen Heiligen Synod. In einem Rundschreiben an alle Bischöfe unter Konstantinopler Jurisdiktion weltweit begründeten Patriarch und Synod die Notwendigkeit und Richtigkeit der kirchlichen Intervention in der Ukraine. Bartholomaios setzt aktuell seine Bemühungen fort, die in seinem unmittelbaren Jurisdiktionsbereich in der Türkei lebenden Gläubigen des Moskauer Patriarchats auch praktisch an sich zu binden, vor allem dort, wo Russen und Weißrussen in größerer Zahl als Arbeitsmigranten leben. Von den anderen orthodoxen Patriarchaten unterstützt allerdings kein einziges die Kirchenpolitik des Phanars in der Ukraine.

Alexandria enthält sich weiterhin, wie schon von Anfang an, jeder Stellungnahme. Hingegen warnte Johannes X. von Antiochia in einem Schreiben an Bartholomaios I. davor, dass „die der neuen ukrainischen Kirche verliehene Autokephalie weder der Ukraine noch der orthodoxen Welt Frieden und Harmonie bringt“. Im Konflikt befindet sich Patriarch Theophilos III. von Jerusalem. Bei ihm haben sich für Epiphanie nach altem orthodoxen Kirchenkalender am 19. Januar mehrere Bischöfe der OKU angesagt. Aktuell werden aber nur Priester der moskautreuen Gruppierung zur Konzelebration zugelassen. 

Offiziell äußerte sich das Patriarchat Jerusalem zunächst gegen die Autokephalie, dann aber schon länger gar nicht mehr. Denn Theophilos III. soll Berichten zufolge unter dem Druck des Phanars, Israels und der USA stehen, die ukrainische Autokephalie anzuerkennen. Um dem entgegenzuwirken, traf am Wochenende der Metropolit Hilarion Alfejew in Jerusalem ein.
Von den südosteuropäischen Patriarchaten stehen die Serben negativ und die Rumänen positiv zu einem autokephalen Kiew, in Bulgarien sind die Meinungen geteilt. Doch von ihnen allen fehlt eine endgültige Festlegung.

Widersprüchliche Stimmen

Widersprüchliche Stimmen werden aus Georgien laut, wo sich die Synode vor dem Jahreswechsel für die Autokephalie ausgesprochen hat, den Beschluss jedoch auf ihre Jänner-Tagung verschob. Später meldete sich der einflussreiche Metropolit Nikolosi Pacuasvili mit dem Vorschlag zu Wort, eine Entscheidung erst nach jener der anderen Patriarchate zu treffen. Das fand inzwischen auch die Unterstützung der neu gewählten georgischen Präsidentin Salome Zuabisvili.

Keine Anerkennung erfuhr die OKU jedenfalls von Zypern, was für Bartholomaios wegen dessen bisher engen Kooperation mit Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern sehr schmerzlich ist. Chrysostomos sagte, dass „in dieser Stunde nicht die Autokephalie Vorrang“ habe: „Die Orthodoxie darf nicht gespalten werden. Ich habe Metropolit Epiphanius nicht in den liturgischen Fürbitten erwähnt und habe auch nicht vor, es noch zu tun.“

Auch Erzbischof Hieronymos Liapis von Athen geht auf Distanz zum Ökumenischen Patriarchen. Schon beim Weihnachtsgottesdienst war aufgefallen, dass er Epiphanius von Kiew nicht „kommemorierte“, ebensowenig wie dies andernorts der persönliche Freund des Ökumenischen Patriarchen Metropolit Savva von Warschau tat. Der Oberhirte der Polnischen Orthodoxen Kirche nannte das Oberhaupt der OKU vielmehr einen „ungültig Geweihten im Laienstand“. Da in Polen viele Ukrainer leben, befürchtet Savva offenbar ein Ausufern des Kiewer Kirchenstreites auf sein eigenes Land.

Abwartende Haltungen

Erzbischof Daniel von Pamphilon, einer der beiden von Patriarch Bartholomaios nach Kiew entsandten Exarchen, bleibt dennoch optimistisch, dass sich die OKU auf Dauer durchsetzen wird. Zwar weigere sich die russisch-orthodoxe Kirche, sie anzuerkennen, ebenso wie andere Landeskirchen, die „von ihr abhängig“ seien, sagte er in einem Interview für den russischen bzw. ukrainischen Dienst der BBC. Ansonsten aber sei die Anerkennung nun eine „Sache von Monaten“, fügte er hinzu. Die griechischen Kirchen und die Rumänen würden zu den ersten gehören, und der Prozess werde weitergehen. Gegenüber den Kirchen, die die Anerkennung verweigerten, habe Konstantinopel keine Sanktionen im Sinn.

Der Exarch berichtete von seinen Schwierigkeiten, Vertreter der ukrainischen Kirche des Moskauer Patriarchats zu kontaktieren. Trotz des von Moskau ausgesprochenen Verbots habe er mit 18 der 90 Bischöfe direkten Kontakt aufnehmen können, „wenn auch unter konspirativen Bedingungen“. Sie hätten erst abwarten wollen, „wie dieser Prozess zu Ende gehen wird“, und auch nicht ohne ihren Klerus und das Kirchenvolk die Jurisdiktion wechseln wollen. Er sei aber zuversichtlich, so Daniel, dass trotz Widerständen weitere Bischöfe in die neue Kirche wechseln würden, das sei jedoch ein „langwieriger Prozess“. Mit Blick auf die russische Kirche meinte der Erzbischof, deren Anspruch auf das Gebiet der ganzen ehemaligen UdSSR als kanonisches Territorium sei nicht haltbar.

(kap - cs)

15 Januar 2019, 11:48