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Prozessauftakt in Lyon: Kardinal Barbarin Prozessauftakt in Lyon: Kardinal Barbarin  (AFP or licensors)

Frankreich: Prozessbeginn gegen Kardinal Barbarin

In Lyon begann an diesem Montag der Prozess gegen Kardinal Philippe Barbarin, den Erzbischof der Stadt, sowie gegen sechs weitere Personen. Der Vorwurf lautet, sie hätten Missbrauch von Kindern nicht gemeldet und Menschen in Gefahr nicht geholfen. Es geht um den Missbrauch durch den Priester Bernard Preynat.

Olivier Bonnel und P Bernd Hagenkord – Vatikanstadt

Bis zum 9. Januar soll der Prozess vor dem Strafgerichtshof dauern. Zehn Kläger beschuldigen den Kardinal und seine Mitarbeiter, den Mann geschützt zu haben, der sie missbraucht habe.

Schockwelle in Frankreich

Als Seelsorger bei den Pfadfindern soll Preynat in den 1970er und 1980er Jahren am Rande von Lyon mehr als 70 junge Pfadfinder in einer Gruppe missbraucht haben. Das Ausmaß des Skandals löste eine Schockwelle aus, die weit über die Diözese Lyon hinausging und die gesamte französische Kirche erschütterte.

Der Prozess geht auf den Juli 2004 zurück, als ein ehemaliger Pfadfinder erstmals von dem Missbrauch sprach, den er im Alter von 9 bis 12 Jahren erlitten hatte, und vom Erzbistum Lyon die Entfernung von Preynat aus dem pastoralen Dienst verlangte. Kardinal Barbarin eröffnete daraufhin einen kanonischen Prozess, am 31. August 2015 wurde Bernard Preynat von seinen Aufgaben entfernt.

Verdacht bereits 1991

Ein erster Verdacht war bereits 1991 an den damaligen Erzbischof, Kardinal Albert Decourtray, gemeldet worden. Dieser hatte bereits Schritte unternommen, den Priester aus der Pastoral zu entfernen, danach war dieser aber wieder in die Pfarreiarbeit übernommen worden.

„Als ich von den Fakten erfahren habe, gab es keine Anklage“, erklärte Kardinal Barbarin 2016 in einem Interview mit der Zeitung La Croix. Er gab zu, bereits 2008 von dem Fall gewusst zu haben, während das Bistum bislang davon sprach, dass die Fakten erst 2014 erfahren worden seien.

Ein langer Prozess

Auch Papst Franziskus wurde von Journalisten mehrmals nach dem Fall des Erzbischofs von Lyon gefragt. 2016 sagte er der Zeitung La Croix, der Rücktritt des Kardinals zu diesem Zeitpunkt wäre „unklug“, weil er wie ein Schuldeingeständnis gewertet werden müsste. Stattdessen müsse man die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen abwarten.

Kardinal Barbarin selbst hatte noch am 7. November vergangenen Jahres erklärt, sich der Gerechtigkeit nicht entziehen zu wollen. „Wenn es etwas vor Gericht zu sagen oder zu tun oder auf etwas zu antworten gibt, dann werde ich es tun. Ich werde genau erklären, was passiert ist.“

(vatican news)

07 Januar 2019, 14:32