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Rosenkranz Rosenkranz  (©robyelo357 - stock.adobe.com)

Wir erinnern uns: Erster Friedensnobelpreis für einen Priester

Vor 60 Jahren erhielt der Dominikaner Georges Pire als erster katholischer Priester den Friedensnobelpreis. Der belgische Kleriker war einer der Visionäre, der sich für eine neue Friedensära im Nachkriegseuropa einsetzte – heute ist er fast vergessen.

Pire, auch „Vater der Flüchtlinge“ genannt, erhielt am 8. Dezember 1958 im Rathaus von Oslo den Friedensnobelpreis. Heutzutage erinnern sich nicht mehr viele an den Dominikanerpater, obwohl dieser als einer der ersten im Nachkriegseuropa eine Chance für eine Völkergemeinschaft sah. Pire ging es um ein „Europa des Herzens“, ein Europa ohne Grenzen zwischen den Mensch.

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren gründete Pire, der hauptberuflich Ethiklehrer war, viele Hilfsinitiativen für Flüchtlinge und 1938 zwei Hilfsorganisationen für Waisenkinder. Zudem engagierte er sich im Widerstand und schmuggelte unter anderem alliierte Piloten aus dem Land. Nach Kriegsende gründete er 1950 die Hilfsorganisation „Aide aux Personnes Deplacees" (Hilfe für heimatlose Ausländer), die sich um rund 60.000 Flüchtlinge kümmerte. Für seine Organisationen reiste Pire mehrfach durch Europa, um Spenden zu sammeln. Dabei ging es ihm nicht nur um die materielle Versorgung, er wies auch immer wieder auf die „seelische Entwurzelung" der Flüchtlinge hin: „Diese Entwurzelung bringt das schlimmste Unglück mit sich, das einen Menschen treffen kann - den Verlust des Glaubens an die Möglichkeit der Bruderliebe."

“ Menschen bauen zu wenige Brücken und zu viele Mauern ”

Nach Erhalt des Friedensnobelpreises widmete sich Pire verstärkt der Friedensarbeit. Als Reaktion auf die vielen Kriegsakademien und Militärhochschulen, eröffnete Pire 1960 die erste Friedensuniversität. Zwei Jahre später gründete er die erste „Friedensinsel“ im Osten Pakistan. Zudem engagierte er sich für Entwicklungsarbeit in verschiedenen Ländern. Auf die schwierige Verständigung zwischen manchen Völker antwortete Pire: „Die Menschen bauen zu wenige Brücken und zu viele Mauern."

Am 30. Januar 1969 verstarb Georges Pire mit nur 58 Jahren in der belgischen Stadt Löwen. Grund waren Komplikationen bei einer Operation.

(kna - hs)

07 Dezember 2018, 13:20