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Legen das Land lahm: Islamistische Demonstranten in Pakistan Legen das Land lahm: Islamistische Demonstranten in Pakistan  (ANSA)

Pakistan: Asia Bibi darf das Land nicht verlassen

In Pakistan kommt es im Fall der Christin Asia Bibi zu einer neuen Wendung. Denn obwohl der Oberste Gerichtshof des Landes sie vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen hatte, fordern radikale Islamisten eine Revision des Falles. Dieser Forderung hat die Regierung nun stattgegeben. Asia Bibi bleibt somit vorerst im Gefängnis, während ihr Anwalt aus Angst vor Morddrohungen das Land verlassen hat.

Obwohl die Regierung sich kurz nach dem Urteil hinter den Gerichtshof gestellt hatte, scheint sie angesichts der gewalttätigen Proteste im Land nun doch zu Kompromissen bereit: Asia Bibi wurde auf Forderung der Islamisten verwehrt, ins Ausland abzureisen, während das Gerichtsurteil nochmals definitiv durch den Obersten Gerichtshof „überprüft“ werden soll. Zahlreiche islamistische Demonstranten, die in den vergangenen Tagen festgesetzt wurden, seien nach den Verhandlungen mit den islamistischen Rädelsführern hingegen freigelassen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Asianews am Samstag. Mit der Erfüllung ihrer Forderungen hätten die Islamisten das Ende der landesweiten Demonstrationen ausgerufen, aber davor gewarnt, dass diese weitergehen würden, wenn die Übereinkunft nicht respektiert werde.

Morddrohungen gegen den Anwalt

Wie der Anwalt Asia Bibis, Saif-ul-Muluk, gegenüber AFP erklärte, habe sich für Asia Bibi mit dem Verbot, ins Ausland abzureisen, nichts an ihrer prekären Situation geändert. Um ihr Leben zu schützen, müsse sie entweder unter strenger Bewachung leben oder zu ihrer eigenen Sicherheit im Gefängnis bleiben. Auch er selbst habe zahlreiche Morddrohungen erhalten, ihm sei jedoch Personenschutz verwehrt worden. Deshalb habe er sich dafür entschieden, ins Ausland abzureisen, um von dort aus seinen juristischen Kampf für Asia Bibi fortzusetzen.

Wie er erläuterte, habe jeder mit gewalttätigen Protesten nach einem Freispruch gerechnet. „Doch was ich mir nicht erwarte hätte”, so der Anwalt weiter, „ist die Reaktion der Regierung. Sie ist nicht einmal in der Lage, den Richterspruch des Höchsten Gerichtshofes im Lande vollstrecken zu lassen.“

Khans Entschlossenheit „auf dem Müllhaufen der Geschichte“

Noch vor zwei Tagen hatte Premier Khan sich kämpferisch gezeigt und den radikalen Islamisten vorgeworfen, den Islam zu beleidigen. Doch seine offensichtliche Machtlosigkeit gegenüber radikalen Kräften der Gesellschaft steht nun im Zentrum der Kritik. Wie die Zeitung Dawn in einem Leitartikel betonte, habe nun „eine weitere Regierung gegenüber gewalttätigen religiösen Extremisten kapituliert, die weder an Demokratie, noch an die Verfassung glauben.“ Die standfeste Ansprache des Premiers Khan vor wenigen Tagen scheine nun bereits verdammt, „auf dem Müllhaufen der Geschichte“ zu landen.

(pm/asianews/afp - cs)

03 November 2018, 11:35