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Kardinal Sako beim Kongress in Turin Kardinal Sako beim Kongress in Turin 

Irak: Der Nahe Osten ist nicht verloren, sagt Kardinal Sako

Die Christen müssen bleiben können, im Irak und in Syrien muss die Kirche die „Theologie der Rückkehr“ verbreiten: das sagte im Gespräch mit uns der Patriarch von Babylon der Chaldäer, Kardinal Louis Raphael Sako.

Christina Höfferer und Federico Piana - Vatikanstadt

Im Interview vermittelt der Kardinal, der auch der Bischofskonferenz seines Landes vorsteht, eine hoffnungsvolle Gewissheit: „Der Nahe Osten ist nicht am Ende. Und er wird nicht untergehen." Ausgangspunkt für das Gespräch war eine internationale Konferenz in Turin über die Zukunft von Minderheiten in unruhigen und verwüsteten Ländern wie Syrien und dem Irak, bei der auch eine Spendensammlung zur Unterstützung irakischer Christen stattfand, die vor der IS-Gewalt aus der Ebene von Ninive geflohen waren.

Die Christen müssen bleiben

Vor jeder politischen und sozialen Anmerkung stellte Kardinal Sako eine wesentliche Bedingung für einen friedlichen Nahen Osten fest: Die Christen müssen bleiben. „Obwohl sie eine Minderheit sind, eine kleine Herde. Sie haben eine Rolle und sie haben ihre Würde", argumentiert der Patriarch. Sie haben auch eine Mission: „Wenn Jesus vom Salz, vom Licht spricht, dann ist es hier: Salz und Licht sind diese Christen. Dessen müssen wir uns bewusst sein.“ Die Frage stellt sich also nach der Rolle der Kirche in dieser Situation. Was kann sie in der Praxis tun? Der Patriarch hat eine Antwort: „Sowohl in Syrien als auch im Irak muss sie die ,Theologie´ der Rückkehr, des Wiederaufbaus verbreiten. Wir müssen von der Bibel lernen. Wir schauen auf die Psalmen, auf die Prophezeiung der Rückkehr. Es liegt an uns Hirten, die Menschen zu ermutigen, zurückzukommen und neues Leben zu bringen.

Internationale Mächte, die für die Katastrophen im Nahen Osten verantwortlich sind

Wie werden die internationalen Mächte dazu beitragen können, Frieden im Nahen Osten zu schaffen? Kardinal Sako macht eine Pause und seufzt. Dann antwortet er: „An allem, was im Nahen Osten passiert, ist die falsche Politik des Westens schuld. Westliche Nationen handeln nur in ihrem eigenen Interesse. Sie denken nicht darüber nach, wie man diese Völker respektiert, wie man ihnen helfen kann, in Würde, Freiheit und Respekt zu leben. Zum Beispiel im Irak, 15 Jahre nach dem Sturz des Regimes: Wo ist die Demokratie, wo sind die Menschenrechte? Wenn wir den Trend umkehren wollen, müssen wir anfangen, auf das Gewissen der Bürger und Politiker im Land zu einzuwirken.“ Das ist die These des Patriarchen, der eine effektive Trennung zwischen Staat und Religion fordert, nämlich die Überwindung der Theokratie.

Zeichen der Hoffnung

Kardinal Sako endet mit der Betonung der Hoffnung: „Die Zukunft wird besser sein, da bin ich mir sicher. Es gibt sichtbare Zeichen: Unsere muslimischen Brüder wollen Frieden und Stabilität. Sie wollen keine Kriege mehr. Vielleicht haben sie jetzt nicht die Macht, sie zu stoppen, aber sie sind die gesunde Kraft der Zukunft“.

(vatican news)
 

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14. November 2018, 12:45