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Pfarrer Brunson am Flughafen von Izmir Pfarrer Brunson am Flughafen von Izmir  (AFP or licensors)

Türkei/USA: Pfarrer Brunson kommt auf freien Fuß

Das diplomatische Tauziehen um die Freilassung des protestantischen US-Pfarrers aus türkischer Haft hat ein Ende. Donald Trump kann im evangelikalen Lager kurz vor den Zwischenwahlen zum Kongress mit einem Erfolg punkten.

Auf diese Nachricht warteten evangelikale Christen seit Monaten: Der US-Pfarrer Andrew Brunson, der zwei Jahre in Untersuchungshaft verbrachte und zuletzt unter Hausarrest stand, kommt frei. Am Freitag hob das Gericht im türkischen Aliaga bei Izmir den Arrest auf und widerrief auch die Ausreisesperre. Die verhängte Strafe von drei Jahren und einem Monat muss der Presbyterianer-Pfarrer wegen seiner Untersuchungshaft und guter Führung nicht antreten. Er darf in die USA ausreisen.

Die mit Spannung erwartete Verhandlung verlief verheißungsvoll für Brunson. Zeugen der Anklage widersprachen sich in ihren Aussagen, in der Kirchengemeinde des Evangelikalen seien kurdische PKK-Aktivisten und Anhänger des Erzfeindes Erdogan, Fetullah Gülen, ein und aus gegangen. Brunsons Anwalt Ismail Cem Halavurt zeigte sich erfreut über die verwirrenden Aussagen: „Das war gut für uns.“
Der Pfarrer avancierte seit seiner Festnahme am 7. Oktober 2016 zum Symbol für christliche Verfolgung in einem muslimischen Land. Vor allem Evangelikale empfanden die Haft „ihres Mannes“ als Affront. Brunson sei ein „großer christlicher Familienvater und wunderbarer Mensch“, twitterte Donald Trump im Sommer. Der Pastor, der an der türkischen Ägäisküste der Auferstehungskirche bei Izmir vorsteht, werde schon viel zu lange „als Geisel“ festgehalten.

„Totale Schande“

Die von ihm gegründete evangelikale Gemeinde hatte 25 Mitglieder. Den Fall Brunson kommentierte der US-Präsident auch zuvor immer wieder. Am 18. Juni nannte er die Inhaftierung des Pastors eine „totale Schande“. In Washington wird Brunson als religiös Verfolgter gesehen, der wegen seines Glaubens im Gefängnis landete. Ende Juli wandelte ein Gericht die Untersuchungshaft in Hausarrest um. Neben dem Spionagevorwurf beschuldigte ihn der türkische Staatsanwalt, die kurdische Miliz YPG zu unterstützen, verbunden mit einem weiteren Anklagepunkt, die Kurden zum Christentum bekehren zu wollen, um die Türkei zu destabilisieren.

Die türkische Justiz brachte weitere Vorhaltungen ins Spiel. Der Vater dreier Kinder habe den Putsch gegen Erdogan 2016 unterstützt, heißt es in der Anklageschrift. Am schwersten wiegt der Vorwurf, ein Anhänger des Staatsfeinds Nummer eins zu sein, des in Ungnade gefallenen ehemaligen Erdogan-Verbündeten Gülen. Der lebt seit langem in den USA - immer wieder konfrontiert mit Auslieferungsgesuchen der Türkei. Erdogan sprach offen aus, was viele insgeheim vermuteten: „Gibst Du mir unseren Prediger, bekommst Du Deinen Pfarrer!“ 

Polit-Deal zwischen Washington und Ankara

Andrew Brunson stammt aus North Carolina und lebt seit 23 Jahren mit seiner Familie an der türkischen Ägäisküste. Im Herbst 2016, einige Monate nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Erdogan, geriet er ins Visier der türkischen Justiz. Sie bezichtigte ihn, am vereitelten Sturz der Regierung mit beteiligt gewesen zu sein, und ließ den Pastor verhaften. Im März 2017 folgte die Anklage. Bis 23. Juli saß Brunson im Gefängnis, seitdem steht er unter Hausarrest. Anfang August entschied sich die US-Regierung, die Sanktionskeule gegen Ankara zu schwingen.

Der Kongress verabschiedete darüber hinaus ein Gesetz, das den Verkauf von 100 F-35-Flugzeugen an den Nato-Partner Türkei kurzerhand einfror.Die Türkei revanchierte sich mit dem angekündigten Kauf eines russischen Raketenabwehr-Systems und der Erklärung, trotz amerikanischer Sanktionen weiterhin Öl aus Iran zu beziehen.

Am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York trafen Erdogan und Trump zusammen, um einen Ausweg aus der Krise zu finden. Vieles spricht dafür, dass die Freilassung Brunsons das Ergebnis einer vertraulichen Vereinbarung zwischen beiden Präsidenten ist. Für den US-Präsidenten könnte sie jedenfalls kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen. Am 6. November stehen bei den Zwischenwahlen für das Repräsentantenhaus einige ehemals sichere Wahlkreise für die Republikaner auf der Kippe. Mit seinem Punktsieg in Ankara hat Trump die Chance genutzt, seine evangelikale Stammwählerschaft bei der Stange zu halten.

(kna – ros)

13 Oktober 2018, 11:15