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Sprachen auch über den Missbrauchsskandal: Franziskus und Präsident Sebastian Pinera am Samstag im Vatikan Sprachen auch über den Missbrauchsskandal: Franziskus und Präsident Sebastian Pinera am Samstag im Vatikan   (ANSA)

Chile: Kirche bittet erneut um Vergebung

Nachdem Papst Franziskus zwei Bischöfe in den Laienstand versetzt hat, gehen in der Kirche des Andenstaates die personellen Aufräumarbeiten nach dem Missbrauchsskandal weiter.

Die Entlassung zweier Bischöfe durch Franziskus hat die Chilenische Bischofskonferenz zum Anlass genommen, im Namen der Kirche die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche sowie deren Angehörige und Gemeinden erneut um Vergebung zu bitten. Mit dem am Samstag (Ortszeit) veröffentlichten Schreiben setze man den Weg der kirchlichen Erneuerung fort, heißt es darin. Veröffentlicht wurde der Brief als Reaktion auf die am Samstag durch Papst Franziskus erfolgte Entlassung von zwei im Ausland lebenden chilenischen Bischöfen aus dem Klerikerstand. Das ist die härteste strafrechtliche Sanktion der katholischen Kirche für Kleriker.

Zum Nachhören

Unterzeichnet ist das Schreiben u.a. von Santiagos Erzbischof, Kardinal Ricardo Ezzati, dem von Missbrauchsopfern selbst vorgeworfen wird, entsprechende Hinweise vertuscht zu haben. Er wurde erst vor wenigen Tagen von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter befragt, entschied sich aber dafür, von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch zu machen.

Papst Franziskus hatte am Samstag den in Deutschland lebenden chilenischen Erzbischof Francisco Cox Huneeus (84) und den früheren Bischof von Iquique in Chile, Marco Antonio Ordenes Fernandez (53) wegen sexuellen Missbrauchs laisiert.

Der Papst hatte sein Urteil gegen die beiden Geistlichen bereits am Donnerstag ausgesprochen. Eine Berufung gegen die Entscheidung ist nicht möglich.

Schönstatt prüft Auslieferung

Cox, von 1990 bis 1997 Erzbischof im chilenischen La Serena, wurde seit längerem sexuellen des Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt. Im Alter von 63 Jahren trat er von seinem Amt zurück, ohne dass die Kirchenleitung einen Grund angab. Üblicherweise bieten katholische Bischöfe erst mit 75 ihren Amtsverzicht an. Seit 2002 lebte Cox am Stammsitz seiner Ordensgemeinschaft der Schönstattpatres in Vallendar bei Koblenz. Der damalige Erzbischof von Santiago, Kardinal Francisco Javier Errazuriz, begründete den Wegzug mit „unangemessenem Verhalten" des Geistlichen.

Die Schönstatt-Bewegung in Chile bekundete Scham für die Leiden der Opfer. Zugleich erklärte die Gemeinschaft am Samstag, man wolle von Ärzten klären lassen, ob der 84-jährige ehemalige Erzbischof von seinem jetzigen Aufenthaltsort in Vallendar bei Koblenz wieder nach Chile gebracht werden könne. Die Schönstatt-Leitung sicherte weiter Zusammenarbeit mit der chilenischen Justiz zu.

Anfang August hatte die Schönstattbewegung nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz selbst Strafanzeige gegen Cox wegen eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls 2004 gestellt. Die Behörde lehnte die Aufnahme von Ermittlungen ab, da das geschilderte Verhalten des Angezeigten zur Tatzeit 2004 keinen Straftatbestand erfüllt habe.

Zweiter Bestrafter in Peru

Der aus Iquique stammende Ordenes war 2006 zum Leiter seiner Heimatdiözese ernannt worden. 2012 trat er offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurück. Zu dem Zeitpunkt liefen bereits ein staatliches und ein kirchliches Verfahren gegen den Bischof. Ordenes reiste nach dem Amtsverzicht zu einer medizinischen Behandlung nach Peru, wo er seither lebt.

Laut chilenischen Medien sandten katholische Laien im vergangenen Juni einen Brief mit Zeugenaussagen und belastenden Dokumenten gegen Ordenes an den amtierenden Bischof von Iquique, Guillermo Vera Soto, und an päpstliche Sonderermittler für den Missbrauchsskandal in Chile.

Priester Karadima im Brennpunkt des Skandals

Der Missbrauchsskandal in Chile sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Im Brennpunkt steht der inzwischen 88-jährige Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt und von Papst Franziskus in den Laienstand versetzt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, unter ihnen auch Juan Barros von Osorno, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird. Papst Franziskus hatte zur Klärung der Vorwürfe einen Sondergesandten nach Chile geschickt und die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan gebeten.

Inzwischen nahm Franziskus neben dem Rücktritt von Barros sechs weitere Rücktrittsgesuche von Bischöfen an. Zuletzt rückten auch die beiden chilenischen Kardinäle Ricardo Ezzati und Francisco Errazuriz ins Zentrum der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle in der Erzdiözese Santiago vertuscht zu haben. Beide bestreiten die Vorwürfe.
(kap – ck)

 

15 Oktober 2018, 10:23