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Ein historisches Treffen zwischen den Patriarchen Kyrill und Bartholomaios am 31. August 2018 in Istanbul - doch der Konflikt um die Ukrainefrage konnte damit offensichtlich nicht beigelegt werden Ein historisches Treffen zwischen den Patriarchen Kyrill und Bartholomaios am 31. August 2018 in Istanbul - doch der Konflikt um die Ukrainefrage konnte damit offensichtlich nicht beigelegt werden  (AFP or licensors)

Ökumenischer Patriarch bestimmt zwei Exarchen für Ukraine

Im Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel wird mit der jüngsten Ernennung zweier Exarchen für die Ukraine weiter an der Gewährung der Autokephalie für die ukrainisch-orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) gearbeitet. Eine harsche Reaktion aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten.

Christine Seuss - Vatikanstadt

„Im Rahmen der Vorbereitungen für die Gewährung der Autokephalie an die ukrainisch-orthodoxe Kirche hat der Ökumenische Patriarch zu seinen Exarchen in Kiew Erzbischof Daniel von Pamphilon (Vereinigte Staaten) und Bischof Ilarion von Edmonton (Kanada) ernannt, die beide in ihren jeweiligen Ländern unter dem Ökumenischen Patriarchat den ukrainisch-orthodoxen Gläubigen dienen“, hieß es in der Bekanntgabe, die am vergangenen 7. September mit der Unterschrift des Synodensekretärs auf der Homepage des Ökumenischen Patriarchats veröffentlicht wurde. Mit dieser Ernennung lässt der Ökumenische Patriarch Bartholomaios Taten auf seine gegenüber Metropoliten und Erzbischöfe des Patriarchats in Istanbul erfolgte Ankündigung folgen, er wolle die ukrainische Frage lösen.

Nicht lange ließ jedoch eine harsche Antwort aus Moskau auf sich warten: Es handele sich um ein „schwerwiegendes und präzedenzloses Eindringen in das kanonische Territorium des Patriarchats von Moskau“, hieß es in der Stellungnahme, die das Patriarchat von Moskau mit der Unterschrift des für die Beziehungen zu Kirche, Gesellschaft und Medien zuständigen synodalen Abteilungsleiters Wladimir Legoyda verbreitet hatte. „Eine derartige Aktion kann nicht ohne Antwort bleiben“, hieß es dort weiter.

Spannungen durch die aktuelle politische Situation verschärft

 

In der orthodoxen Kirchenfamilie sorgt die ukrainische Frage schon lange für Spannungen. Die Autonome Orthodoxe Kirche in der Ukraine, 1990 gegründet und heute durch den Metropoliten von Kiew Onufrij (Beresowskyj) geleitet, sieht sich unter der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats und ist durch die orientalisch-orthodoxe Kirchengemeinschaft anerkannt. Doch gleichzeitig besteht auch das so genannte Patriarchat von Kiew. Dieses wurde 1992 durch den Metropolit Filaret als Antwort darauf gegründet, dass Moskau seiner Kirchenprovinz in der Ukraine die Autokephalie verwehrt hatte. Das Patriarchat von Kiew hat mehrfach darauf gedrängt, offiziell anerkannt zu werden, wird aber von Moskau als schismatisch angesehen.

In jüngster Zeit ist – auch durch eine diesbezügliche Anfrage des ukrainischen Parlaments und die generelle geopolitische Situation in der Ukraine – Bewegung in die Frage gekommen. Ende Juli hatten sich der Ökumenische Patriarch Bartholomaios und der Moskauer Patriarch Kyrill in Istanbul getroffen, um über die Streitfrage zu beraten. Zwar war im Anschluss an das Treffen keine Verlautbarung über konkrete Inhalte und Ergebnisse erfolgt, doch Bartholomaios hatte bei einer darauf folgenden Versammlung (Synaxis) mit den Erzbischöfen und Metropoliten seines Patriarchats Zustimmung für die Gewährung der Autokephalie das das Kiewer Patriarchat geäußert.

(vatican news/asianews/or)

09 September 2018, 09:42