Beta Version

Cerca

Vatican News
2018.09.07 Das Bischofstreffen in Bratislava 2018.09.07 Das Bischofstreffen in Bratislava 

Bischöfe aus Mittel- und Osteuropa berieten politische Lage

Solidarität mit wirtschaftlich schwachen Ländern in Europa, Migrationskrise und Auswirkungen der sogenannten „Gender-Ideologie“ waren die Hauptthemen eines hochrangigen internationalen Bischofstreffens in Bratislava.

Anschließend an ihre Arbeiten hatten die Bischöfe am Samstag ein Pressekommunikee veröffentlicht. Eröffnet wurden die zweitägigen Beratungen am Donnerstag mit einer Grundsatzrede des Pressburger Erzbischofs Stanislav Zvolensky. An der Begegnung nahmen u.a. die fünf Kardinäle Peter Erdö (Erzbischof von Esztergom-Budapest), Dominik Duka (Prag) und Josip Bozanic (Zagreb), Vinko Puljic (Sarajewo) und der Vorsitzende des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, Angelo Bagnasco (Genua), teil. Auch hochrangige Vertreter der katholischen Kirche in Polen, der Ukraine sowie Slowenien waren gekommen.

Im zusammenfassenden Pressetext wird auf zahlreiche konkrete Initiativen verwiesen, die die Diözesen in Mittel-Ost-Europa in den letzten Jahren unternommen hätten, um in jenen Ländern zu helfen, aus denen Flüchtlinge und Migranten nach Europa kommen. So seien mehrere kirchliche Spendensammlungen für die Kriegsopfer im Nahen Osten organisiert worden. Das Geld sei dafür genützt worden, um bei der Renovierung von Häusern, Spitälern, Schulen und ganzer Gemeinden zu helfen und so die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat zu ermöglichen. Zudem hätten kirchliche Einrichtungen „intensiv auch Flüchtlingen und Migranten geholfen, die das Gebiet ihrer Länder passiert haben“.

Exodus Junger von Ost nach West

 

Deutliche Worte fanden die Bischöfe für die gegenwärtigen Folgen der europäischen Integrationspolitik: So seien die Länder Mittel- und Osteuropas „negativ vom Exodus junger Menschen ins Ausland betroffen“. Man könne „nicht darüber hinwegsehen, dass der Hauptgrund dieses Phänomens darin besteht, dass die Länder Mittel- und Osteuropas, trotz ihrer Verbindung mit der westlichen Welt, im Lauf der letzten 30 Jahre nicht als gleichwertige Partner integriert wurden und die Unterschiede in den Durchschnittsgehältern zwischen den Ländern des europäischen Westens und des Mittel-Ostens weiterhin enorm sind“. Es werde deshalb „unausweichlich sein, eine andere Art der Integration dieser Länder in die westliche Welt zu finden: eine Art, die die Gleichwertigkeit der betroffenen Länder und ihrer Bewohner besser sicherstellt“.

Die Bischöfe wandten sich auch an die Regierungen ihrer Länder „mit der Forderung, erhöhte Aufmerksamkeit einer Bildungsreform sowie den jungen Menschen zu widmen, die ihre Heimat wegen der schwächeren sozialen Bedingungen verlassen und Arbeit im Ausland suchen, wo sie eine bessere soziale Sicherheit für Ehe und Familie finden können“. Gleichzeitig bekundeten die Bischöfe die Hoffnung, „dass die bevorstehende Bischofssynode über die Jugend und die Berufungspastoral viele nützliche Impulse für das Leben der Kirche bringen wird“.

Warnung vor Entsolidarisierung

 

„Eine Gesellschaft, in der viele dem Konsumismus verfallen“, setze sich umso mehr dem Risiko aus, „sich gegenüber jenen ungerecht zu verhalten, die - im Geist der gegenwärtigen Mentalität - überflüssig zu sein scheinen, weil sie die Produktivität nicht erhöhen“. Die Bischöfe appellieren daher an die öffentlichen Entscheidungsträger, „adäquate Bedingungen für das Angebot einer würdigen Fürsorge um die Kranken, Alten und am Rand der Gesellschaft Lebenden zu schaffen“. Zur Verbesserung all dieser Bedingungen sei es jedoch unerlässlich, „dass in den Wirtschaftsbeziehungen der westlichen Welt zu den Ländern Mittel-Ost-Europas auf Augenhöhe vorgegangen wird“.

Europa habe sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs radikal verändert. Die wiedererlangte Freiheit der Völker Mittel-Ost-Europas sei ein „Anlass zur Freude“. Zugleich jedoch seien sich die Bischöfe bewusst, „dass viele Bewohner ihrer Länder eine große Unsicherheit verspüren“. Die Migrationskrise habe gezeigt, „dass die zwischen Ost und West bestehenden mentalen und kulturellen Unterschiede nicht leicht zu überwinden“ seien. Die Bischöfe seien sich aber der „Unumgänglichkeit der Zusammenarbeit“ bewusst. Es sei „nicht möglich, gleichgültig gegenüber Personen zu sein, die - auf der Suche nach einer besseren Zukunft für sich und ihre Familien - in Lebensgefahr geraten sind oder an Hunger und Not leiden“. Es müsse „alles unternommen werden, um ihren Herkunftsländern zu helfen, um die Probleme zu lösen, die die Migration hervorrufen“.

Ablehnung der „Gender-Ideologie“

 

„Beunruhigt“ zeigen sich die Bischöfe von der „Ausbreitung der Gender-Ideologie, die unter anderem in der Istanbul-Konvention verborgen ist“. Es müsse alles unternommen werden, „damit Europa zu seinen natürlichen und christlichen Wurzeln zurückkehrt“. Seine Institutionen, einschließlich der Gerichte, sollten „die Autonomie der Länder Mittel-Ost-Europas im kulturellen und ethischen Bereich respektieren“. Beunruhigung riefen „vor allem übernationale Entscheidungen hervor, die, oft auf indirekte Art, Lösungen aufnötigen, die im Widerspruch zu den Verfassungen und Kulturen der einzelnen Länder stehen - womit sie die Trennung vertiefen und gegen die Integration wirken“. Die Bischöfe fordern daher die Regierungsvertreter auf, „die Ratifikation der Istanbul-Konvention zu verweigern oder ihre Unterschrift zurückzuziehen“.

Abschließend halten die Bischöfe fest, dass die Katholische Kirche „zur europäischen Integration beitragen und die gesellschaftlichen Spannungen vermindern“ möchte. Dabei erinnerten die Bischöfe ausdrücklich an die Worte von Papst Franziskus, wonach „Gott fern dem Bösen, aber nahe den Leidenden“ sei. Von daher gelte es für jeden zu beten, der sich in Schwierigkeiten befindet, und „unablässig allen helfen, die dies brauchen“.

Das Treffen in Bratislava war bereits das vierte dieser Art. Teilnehmer daran sind die Vorsitzenden und Vertreter der Bischofskonferenzen in Mittel- und Osteuropa.

(kap - cs)

09 September 2018, 09:19