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Archivbild: Der Papst und Kardinal Francesco Montenegro Archivbild: Der Papst und Kardinal Francesco Montenegro  (Vatican Media)

Kardinal: Kirche muss sich auf mehr Flüchtlinge einstellen

Kardinal Francesco Montenegro, Erzbischof von Agrigent und Präsident von Caritas Italien, sieht die Kirche vor noch größeren Aufgaben bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Katholische Einrichtungen in Italien beherbergten bereits 26.000 Flüchtlinge. Aber in dieser „besonderen, schon strukturellen Lage" müsse sich die Kirche noch stärker engagieren als bisher, sagte Montenegro der italienischen Zeitung „Il Mattino" am Montag.

Zu den Gerüchten, Papst Franziskus plane einen eigenen Aufnahmemechanismus für Flüchtlinge in allen Bistümern Europas, sagte der Kardinal, der Papst sei seit geraumer Zeit auf einem „bestimmten Weg". Dass Franziskus das Thema Flüchtlinge und Migranten, das bei der vatikanischen Entwicklungsbehörde angesiedelt ist, persönlich an sich gezogen habe, zeige, wie intensiv er über dieses Thema nachdenke, so Montenegro.

 

Jesus war auch Migrant

 


Im Umgang mit Migranten mahnte der Kardinal zur Besinnung – es greife ein „Angstsyndrom" um sich. Auch unter Katholiken stünden nicht alle hinter einem größeren Engagement für Flüchtlinge. Viele Christen fühlten sich nicht mehr als „Herr im eigenen Haus", so der Kardinal. Bislang sei es „ein leichter Glaube gewesen: etwas Frömmigkeit, etwas Almosen, ab und zu eine Messe". Dabei vergesse man, dass auch Jesus arm und ein Migrant gewesen sei.
Die Kirche müsse unter den Gläubigen eine „große Bildungsmaßnahme" starten, denn das Evangelium gebe es nicht zum ermäßigten Preis. „Wenn ich anfange, aus dem Evangelium alle Seiten herauszureißen, die von Armut sprechen, bleibt mir nur der Einband in Händen", so der Kardinal.

 

Begrifflichkeiten in der Debatte klären

 

Den Ausgang des Tauziehens um die Flüchtlinge auf der „Diciotti" nannte Montenegro eine „Niederlage für alle" - weder der italienische Staat noch die Europäische Union fänden eine Lösung für die Einwanderung. An diesem Punkt müsse man über die Bedeutung von Begriffen wie „Nation" und „Europa" nachdenken. So habe Brüssel den Profit statt den Menschen in den Mittelpunkt gestellt, kritisierte Montenegro.

(kna – bw)
 

27 August 2018, 12:08