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Vatican News
Jugendliche vor einer syrisch-orthodoxen Kirche Jugendliche vor einer syrisch-orthodoxen Kirche  (AFP or licensors)

Österreich: Begriff "Religionsfreiheit" behutsam verwenden

Für einen behutsamen Gebrauch des Begriffs „Religionsfreiheit" im christlich-islamischen Dialog hat Johann Marte, bisheriger Präsident der in Wien ansässigen Stiftung „Pro Oriente", plädiert. Man müsse den Begriff kritisch reflektieren, so Marte im Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Information Christlicher Orient".

 

„Wenn wir von Religionsfreiheit in muslimischen Ländern sprechen, dann verstehen viele Muslime darunter nicht mehr und nicht weniger als die Forderung, dass es Muslimen erlaubt sein muss, zu anderen Religionen, in der Regel zum Christentum, zu konvertieren." Und das zerstöre nach muslimischer Ansicht die gesellschaftliche Integrität, zerreiße Familien; Konvertiten befänden sich in Lebensgefahr oder seien zumindest gesellschaftlich geächtet.

Gleiche Rechte für alle

 

Marte wolle deswegen von „gleichen Rechten“ für alle Bürger eines Landes sprechen. „Das hilft auch den Christen in den muslimisch geprägten Ländern mehr. Denn noch sind sie oft Bürger zweiter Klasse und haben nicht die vollen Bürgerrechte", so der langjährige Pro-Oriente-Präsident.

Der Islam befinde sich seiner Meinung nach in einer Krise: „Die Muslime brauchen mehr Selbstwertgefühl, und vor allem braucht es im Islam endlich eine Art Reformation." Insbesondere moderate Muslime müssten mehr Unterstützung erhalten. Niemand brauche Angst vor frommen Muslimen haben, „zugleich muss man sehr achtsam sein und entschieden jenen entgegentreten, die den Islam für ihre ideologischen und politischen Zwecke missbrauchen“, so Marte.

Glaubwürdige Kirchen

 

Die Beziehungen zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen seien sehr positiv: Es habe sich herausgestellt, dass es keine essenziellen Unterschiede zwischen den westlichen und orientalischen Kirchen gibt. Merte vermutet, dass sich der Dialog deswegen so gut entwickelt, da sie – abgesehen von Armenien und Äthiopien – nie Staats- oder Mehrheitskirchen waren. „Sie waren immer Kirche in einem Meer von Islam. Glaubwürdig sind Kirchen immer dann, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen.

Christen brauchen mehr Unterstützung

 

Christen bräuchten angesichts ihrer schwierigen Situation in der Welt viel mehr Unterstützung aus dem Westen. Viele christliche Flüchtlinge trauten sich auch nicht in Europa ihren Glauben offen zu bekennen, weil sie von anderen muslimischen Flüchtlingen oder bereits in Europa lebenden Muslimen angefeindet würden. „Gegen diese christenfeindliche Stimmung in unseren eigenen westlichen Ländern müssen wir noch viel engagierter vorgehen“, so Marte.


(kap – bw)
 

26 August 2018, 14:00