Cerca

Vatican News
Drei Sieger Drei Sieger  (ANSA)

Erzbischof - und Weltmeister

Frankreich ist Fußball-Weltmeister, mit einem 4:2 haben die „Bleus“ am Sonntag in Moskau Kroatien ausgebremst. Muss dazu jetzt auch noch ein Bischof seinen Senf dazugeben?

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Naja – der Erzbischof von Rouen ist ein Ausnahmefall. Dominique Lebrun war nämlich mal Schiedsrichter: 13 Jahre lang, für den französischen Fußballbund. Also, Herr Erzbischof, was sagen Sie zum Endspiel?

„Frankreich hat mit einem Quentchen Glück gewonnen; die Kroaten hielten sich wacker, fast können sie einem leid tun. Aber es war ein schöner Sieg, ein gutes Team, wenn auch etwas verkrampft. Das war spannend!“

Das hätte auch anders ausgehen können

 

War das ein Sieg des Teamgeistes oder einzelner großer Talente? „Ach, ich glaube, wir sollten da bescheiden sein. Auch das kroatische Team war gut, sehr kämpferisch. Es ist eher der Sieg eines zähen Durchhaltewillens. Das hätte auch anders ausgehen können.“

Zum Nachhören

Der Erzbischof ist voll des Lobes für den Unterlegenen. „Kroatien ist ein kleines Land – man hätte ihm fast den Sieg gegönnt. Sie haben gute Spieler hervorgebracht und es ins Endspiel geschafft, sie haben auch ein gutes Zusammenspiel gezeigt. Das muss ich sagen, auch wenn ich natürlich mit dem französischen Team sehr zufrieden bin.“

Ich habe die Glocken der Kathedrale läuten lassen

 

Wie viele Fans vor den Bildschirmen war Lebrun anfangs mit der Leistung der Blauen auf dem Platz nicht so richtig zufrieden. „Es hat mich nervös gemacht, dass die nicht so herausragend spielten, sondern sich erst einmal so durchwurstelten. Aber ich sage von meiner Erfahrung als Schiedsrichter her: Selbst wenn das Spiel auf dem Platz mal nicht so brillant aussieht – das sind doch echte Künstler am Ball. Die arbeiten hart, das sind große Talente, die sich da zeigen.“

Fußball ist für den Erzbischof eine Erfahrung, die tief ans Menschliche rührt. „Das ist etwas, das man mit anderen teilt. Ich höre jetzt das Hupkonzert draußen, ich habe alte Freunde wiedergetroffen, die jetzt alle Familie haben; wir haben uns das Endspiel zusammen angeguckt. Und ich habe auch die Glocken der Kathedrale von Rouen läuten lassen!“

Eine Zeit, die alles auf Emotionen setzt

 

Die ausgelassene Freude vieler Franzosen über den WM-Titel hat nach Lebruns Diagnose auch damit zu tun, dass die Menschen in seinem Land sonst nicht so viel zu feiern haben.

„Wissen Sie, das ist eine Zeit, die alles auf Emotion setzt… Allerdings bin ich mir gar nicht sicher, ob die Menschen dabei immer das wirkliche Glück finden. Wenn man mal einen Schritt zurückmacht und nachdenkt, dann entdeckt man: Es ist wohl nicht das tolle Spiel unserer Nationalmannschaft, was die Franzosen zutiefst glücklich machen wird. Das wäre eher das Familienleben, die Ferien, und wie wir auf andere schauen…“

(vatican news)
 

16 Juli 2018, 11:21