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Vatican News
Koptische Christen in Ägypten Koptische Christen in Ägypten  (AFP or licensors)

„Pro Oriente“ betroffen über Ermordung von koptischem Abtbischof

Tiefe Betroffenheit herrscht bei der Stiftung „Pro Oriente“ über die mutmaßliche Ermordung des koptisch-orthodoxen Bischofs Epiphanius, Abt des Makarios-Klosters in Ägypten. Der Bischof war Mitglied der neu gegründeten Kommission für den ökumenischen Dialog zwischen der katholischen und der orientalisch-orthodoxen Kirche von „Pro Oriente“ (CEE) und engagierte sich schon vorher im inoffiziellen Dialog.

Als Abt des Makarios-Klosters kam der 1954 geborene Epiphanios aus der Schule des berühmten Mönchs Matta al-Maskin (Matthäus der Arme), der eine von Mönchen getragene kirchliche Erneuerungsbewegung initiiert hatte.

Bischof Epiphanios habe durch seine „offene und bescheidene Art in der Kommission für den ökumenischen Dialog zwischen der katholischen und der orientalisch-orthodoxen Kirche“ viele Sympathien gewonnen, meldet Pro Oriente in einem Nachruf. Die Kommission wurde im November 2015 begründet, um dem inoffiziellen Dialog neuen Auftrieb zu geben.

„Wiener Christologische Formel“

 

Dieser Dialog bildete ab 1970/71 einen Hauptakzent der Arbeit von Pro Oriente. Insbesondere die fünf „Wiener Konsultationen“ (1971, 1973, 1976, 1978, 1988) führten zu einer Annäherung zwischen katholischer Kirche und orientalisch-orthodoxer Kirchenfamilie. Eine besondere Rolle spielte die bei der Konsultation von 1971 entwickelte „Wiener Christologische Formel“, die vielen gemeinsamen Erklärungen von Päpsten und Patriarchen als Basis diente.

Durch die „Überwindung von terminologischen und kulturell-politisch bedingten Missverständnissen“, so Pro Oriente, konnte der Versöhnung zwischen römisch-katholischer Kirche und orientalisch-orthodoxen Kirchen ein Weg gebahnt werden. Studienseminare und Regionalsymposien dienten der Weiterarbeit an den Themen der Konsultationen und der Rezeption der Ergebnisse. Von 1988 bis 1997 sorgte ein „Standing Committee" für die Weiterführung des inoffiziellen Dialogs zwischen römisch-katholischen und orientalisch-orthodoxen Theologen. Ab 1997 wurde der Dialog aber ausgesetzt; Gründe waren zwischenkirchliche Spannungen, aber auch der Beginn des offiziellen Dialogs zwischen römisch-katholischer Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen ab 2004.

Mit dem Beginn dieses offiziellen Dialogs gingen manche Verantwortungsträger in den Kirchen davon aus, dass ein inoffizieller Dialog nicht länger von Nöten sei. Mit der neukonstituierten Kommission möchte Pro Oriente jedoch frischen Ideen und einem jugendlichen Geist Raum schaffen. Der offizielle Dialog soll durch die Kommission begleitet und unterstützt werden.

Ein noch ungeklärter Mord

 

Die Leiche von Abt Epiphanios war am frühen Sonntag in den frühen Morgenstunden von den Mönchen des Makarios-Klosters in einer Blutlache entdeckt worden. Epiphanios war offenbar auf dem Weg von seiner Zelle zur Klosterkirche, wo er am Mitternachtsgebet teilnehmen wollte, überfallen und erschlagen worden. Die ägyptischen Sicherheits- und Justizbehörden haben umfangreiche Erhebungen eingeleitet; derzeit gibt es noch keine greifbaren Ergebnisse und auch keine Hypothesen über die Täterschaft.

Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. würdigte den ermordeten Bischof als „bescheidenen und sanftmütigen Mönch und Gelehrten“ und sprach der Klostergemeinschaft sein tief empfundenes Beileid aus.

Eines der ältesten Klöster Ägyptens

 

Das Mitte des 4. Jahrhunderts gegründete Kloster zählt zu den ältesten und bedeutendsten Klöstern Ägyptens. Vor rund 50 Jahren lebten nur mehr sechs alte Mönche in der umfangreichen Klosteranlage, bevor es ab Ende der 1960er-Jahre wiederbelebt wurde. Heute gehören dem Kloster rund 150 Mönche an, es besitzt Betriebe sowie große landwirtschaftliche Flächen und beschäftigt hunderte Arbeitnehmer. Das Leben im Makarios-Kloster ist geprägt durch die harmonische Verbindung von Gebet und Liturgie mit händischer und geistiger Arbeit. Besondere Bedeutung hat das im Makarios-Kloster beheimatete Schriftenapostolat.

Im Oktober 2016 war Kardinal Christoph Schönborn im Rahmen einer mehrtägigen Ägyptenreise auch im Makarios-Kloster zu Besuch, wo er von Abt Epiphanios herzlich empfangen wurde.

(kap - bb)

31 Juli 2018, 12:01