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Kardinal Mario Zenari, Nuntius in Syrien Kardinal Mario Zenari, Nuntius in Syrien  (Vatican Media)

Nuntius Zenari: Ein Viertel aller Syrer ist auf der Flucht

„Eine humanitäre Katastrophe nie gesehenen Ausmaßes”: Der Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, beschreibt anlässlich des Weltflüchtlingstages mit deutlichen Worten den Zustand des Landes, das seit über sieben Jahren in einen blutigen Bürgerkrieg verwickelt ist.

Christine Seuss und Michele Raviart - Vatikanstadt

Der Kardinal hat am Dienstagabend an einer Tagung in Rom teilgenommen, die die Päpstliche Universität Gregoriana mit Blick auf den Weltflüchtlingstag organisiert hatte. Dort erklärte Zenari, dass er stets zwei Bilder vor Augen habe, wenn er an Syrien denke: eines, so der Nuntius, sei die Pieta von Michelangelo, die ihn stets an eine „Syria erinnere, die ihre Kinder in den Armen“ halte. Das andere sei die Parabel vom Barmherzigen Samariter: „Syrien ist von Räubern überfallen und am Straßenrand liegengelassen worden“, so die bittere Analyse des Kirchenmannes.

Eine Pietà für Syrien

 

Ein Blick auf die Zahlen reiche aus, um sich des Ausmaßes der Katastrophe für das Land bewusst zu werden, betonte er am Mikrofon von Vatican News:

„Die Zahlen sind erschreckend für Syrien. Es reicht, sich vor Augen zu führen, dass bald ein Fünftel aller Flüchtlinge weltweit Syrer sind, und ein Viertel aller Syrer ist auf der Flucht. Aber das ist nur die eine Seite. Denn dann muss man die mehr als sechs Millionen syrischen Binnenflüchtlinge dazu zählen. Deshalb würde ich sagen: Zahlen, die wirklich erschreckend sind. Eine humanitäre Katastrophe nie gesehenen Ausmaßes!“

“ Fünf der gefürchtetsten Armeen der Welt kämpfen in Syrien ”

Erst vor kurzem hatte das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen die neuesten Statistiken veröffentlicht, nach denen Ende 2017 unglaubliche 68.5 Millionen Menschen auf der Flucht waren - so viele wie nie zuvor. Wie der Nuntius betont, sind es in Syrien vor allem die Frauen und die Kinder, die unter den Auswirkungen des Krieges leiden müssen, der als friedliche Straßendemonstration begonnen hatte. Nun befänden sich „fünf der gefürchtetsten Armeen der Welt“ aus syrischem Territorium, und ein Ende des Leids sei nach wie vor nicht in Sicht, lenkt Zenari den Blick auf die Betroffenen:

„Diese etwa zwölf Millionen Menschen, die gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen, weil sie bombardiert wurden oder zerstört sind... Also, diese zwölf Millionen Menschen, die nun aus ihren Häusern, Vierteln oder Dörfern vertrieben wurden, haben einen Traum: Sie träumen vom eigenen Heim. Der Krieg muss beendet werden, die Gewalt muss beendet werden und diesen zwölf Millionen Menschen die Möglichkeit gegeben werden, zurückzukehren!“

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20 Juni 2018, 12:09