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Patriarch Filret im Rahmen einer Pressekonferenz Patriarch Filaret im Rahmen einer Pressekonferenz  (AFP or licensors)

Ukraine: Risiko eines Schismas der Orthodoxie in Europa

Der ukrainische Präsident, das Parlament in Kiew sowie das Oberhaupt der nichtkanonischen ukrainischen orthodoxen Kirche des Kiewer Patriachatas haben den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. um die Autokephalie (Eigenständigkeit) gebeten. Ziel sei es, eine von der Weltorthodoxie anerkannte Kirche des Kiewer Patriarchats zu erreichen.

Das Moskauer Patriarchat reagiert negativ auf den Wunsch aus Kiew: Laut der Nachrichtenagentur AsiaNews bezeichnete der Metropolit Hilarion von Moskau, Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, ein solches Schisma zwischen Kiew und Moskau als ebenso dramatisch wie die Trennung zwischen Rom und Konstantinopel im Jahr 1054. Sollte Bartholomaios als Oberhaupt der Weltorthodoxie der Bitte aus der Ukraine nachkommen, könne in der Ukraine eine eigenständige Ortskirche gegründet werden, was bereits seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 angestrebt wird, erleutert AsiaNews.

Patriarch Filaret hatte sich jüngst auch zu den politischen Entwicklungen und Beziehungen der Ukraine mit Russland geäußert. Bei einem Besuch in Brüssel Anfang Mai hatte er von der EU ein Festhalten an den Sanktionen gegen Russland gefordert. Russland sei ein „Aggressor“ und wenn Europa den Krieg im Osten der Ukraine nicht als „gesamteuropäisches Problem“ begreife, werde es selbst Probleme bekommen.

Der Patriarch betete im EU-Parlamentsgebäude für Frieden in der Ukraine und in Europa und sprach sich auch bei dieser Gelegenheit für die Wiedervereinigung der orthodoxen Kirche in seinem Land und deren Unabhängigkeit von Moskau aus. Eine solche Landeskirche sei eine „Grundlage für die Unteilbarkeit des ukrainischen Staates und der Einheit des ukrainischen Volkes“.

 

Trennung in zwei orthodoxe Konfessionen

 

In der Ukraine hatte sich die orthodoxe Kirche nach der 1991 erlangten staatlichen Unabhängigkeit in drei orthodoxe Konfessionen gespalten. Filaret steht der 1992 gegründeten Kirche des Kiewer Patriarchats vor und wurde 1997 von der russisch-orthodoxen Kirche offiziell mit dem Kirchenbann belegt. Die andere Kirche ist mit dem Moskauer Patriarchat verbunden. Und dann gibt es noch eine ukrainisch autokephale Kirche, die jedoch wie jene des Kiewer Patriarchat von der Weltorthodoxie nicht anerkannt ist. Staatspräsident Petro Poroschenko hatte Mitte April den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., gebeten, der orthodoxen Kirche seines Landes die Autokephalie (Eigenständigkeit) zu gewähren. Filaret und das ukrainische Parlament unterstützen dieses Gesuch. Die russisch-orthodoxe Kirche und der Kreml lehnen die Trennung der ukrainischen Kirche von Moskau dagegen ab. Das Patriarchat von Konstantinopel will demnächst über den Antrag aus Kiew beraten.

 

Seit 2014 kämpfen im Osten der Ukraine von Moskau militärisch und finanziell unterstützte Milizen und Söldner gegen ukrainische Soldaten. Bei den Gefechten starben nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als 10.000 Menschen.


(asiannews/kap - ck)

07 Mai 2018, 12:39