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Wahl eines neuen Oberhauptes bei den Maltesern Wahl eines neuen Oberhauptes bei den Maltesern  

Malteser wählen neuen Großmeister

Der Souveräne Malteserorden wählt am Mittwoch in Rom einen neuen Großmeister. Aufgabe des neuen Oberhauptes der Malteser wird es sein, den Orden mit einer neuen Verfassung zurück in ruhiges Fahrwasser zu lenken. Ein Interview mit dem deutschen Sprecher der Malteser.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Urs Buhlmann ist Kommunikationsdelegierter der deutschen Assoziation des Malteserordens. Wir fragten ihn zunächst, wie die Wahl eines Großmeisters der Malteser vonstattengeht.

Urs Buhlmann: „Zur Wahl eines Oberhauptes des Malteserordens tritt ein Gremium zusammen, das mit der Bundesversammlung in Deutschland zu vergleichen ist, weil es nur zu diesem Zweck zusammenkommt. Es hat den heilig klingenden Namen „Großer Staatsrat“. Wie immer, wenn die Malteser dabei sind eine besondere Handlung zu vollziehen, müssen die Vertreter aller Territorialorganisationen des Ordens dabei sein, das sind sogenannte Großpriorate oder Assoziationen. Das sind dann, alles in allem, fast 70 Personen, die auf der Magistralvilla auf dem Aventin in Rom, einem der Hügel Roms, nach einer Heiligen Messe und Gebeten zum Heiligen Geist zusammenkommen, um die Wahlhandlung zu beginnen. Dann kann es zwei Ergebnisse geben: Es kann ein Großmeister gewählt werden. Es ist aber auch denkbar, dass der zurzeit amtierende Statthalter in seiner Amtszeit nochmals für ein Jahr verlängert wird.

Vatican News: Der Malteserorden ist, wie wir wissen, durch eine schwere Krise gegangen, die hier kurz zusammengefasst sei: Großkanzler Albrecht von Boeselager wurde durch den damaligen Großmeister Mathew Festing des Amtes enthoben. Der Vatikan zog zur Schlichtung die Sache an sich, setzte Festing ab und von Boeselager wieder ein. Dieser ganze Vorgang war, so sagen Beobachter, nicht Grund, sondern Folge einer Krise. Die Frage, die sich anschließt, ist: Wie geht es jetzt weiter?

Urs Buhlmann: „Es hat in der Zwischenzeit einen sehr intensiven internen Beratungsprozess gegeben, der dazu geführt hat, dass wir ein eigenes, „Reformgremium“ einberufen haben, wiederum mit Vertretern aus der ganzen Welt, denn mittlerweile gibt es Angehörige des Malteserordens auf allen fünf Kontinenten. Die sind zusammengekommen und haben eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet. Diese Vorschläge sollen in eine Neufassung der Konstitution, also unserer Ordensverfassung, dem wichtigsten internen Text, den wir haben, auftauchen und das entspricht auch dem Willen des Vatikan, denn der Heilige Vater hat Erzbischof Angelo Becciu vom Staatssekretariat als seinen persönlichen Delegaten entsandt. Er war nicht bei allen Sitzungen des Reformgremiums dabei, das konnte er auch nicht. Er ist aber vor allen Dingen wöchentlich informiert worden, so können wir davon ausgehen, dass das, was dort herausgekommen ist, auch auf den Willen von Papst Franziskus stößt."

Vatican News: Was ist also die dringende nächste Aufgabe?

Urs Buhlmann: „Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Reformvorschläge in den Verfassungstext des Ordens einzubetten. Da wird noch einiges an Diskussionen notwendig sein, aber der Heilige Vater hat uns eben die Möglichkeit gegeben, dass wir selber unsere Ordensverfassung auf einen neuen Stand bringen. Das haben wir vor zu tun. Die Wahl, die am 2. Mai ansteht, wird eigentlich schon die Kulmination dieses Reformprozesses sein, denn damit wird auch die Vorstellung einer neuen Ordensverfassung einhergehen.“

Vatican News: Welche Eigenschaften braucht ein Großmeister der Malteser?

Urs Buhlmann: „Solche, die sozusagen rechtlich vorgegeben sind, und darüber hinaus wie bei jedem anderen Amt auch gute, persönliche Eigenschaften. Nach der noch geltenden Ordensverfassung muss der Großmeister aus adliger Familie stammen. Da gilt es eine sogenannte Adelsprobe abzulegen, die von Land zu Land etwas differiert, aber jedenfalls muss er aus einer altadligen Familie sein. Und er muss vor allen Dingen zu dem gehören, was wir den „Ersten Stand“ des Malteserordens nennen."

Vatikan News: Was ist der Erste Stand des Malteserordens?

Urs Buhlmann: „Der Erste Stand des Malteserordens, einer von dreien, besteht aus Männer, die als sogenannte Professritter die drei Gelübde von Armut, Ehrwürdigkeit und Gehorsam abgelegt haben und dann echte Ordensleute sind im Sinne des kanonischen Rechtes; weil sie keine Priester sind, könnte man sie am ehesten mit Laienbrüdern vergleichen. Aus diesem Stand muss der Großmeister gewählt werden. Das sind etwa 60 bis 65 aus der ganzen Welt. Von ihnen kommen aber – eben aufgrund der Notwendigkeit der adeligen Abstammung – aktuell zwölf Personen in Betracht, die Großmeister werden könnten. Eine von diesen zwölf Personen wird es dann treffen - oder es wird noch einmal die Amtszeit des amtierenden Statthalters, Giacomo della Torre, um ein Jahr verlängert. Allerdings müsste dann nach diesem Jahr spätestens ein Großmeister gewählt werden, deswegen kann es sein, dass man das nun direkt vorzieht.“

Vatican News: Könnte es auch eine Großmeisterin der Malteser geben?

Urs Buhlmann: „Das kann es noch nicht geben und ich habe auch meine Zweifel, ob das nach der erneuerten Ordensverfassung möglich sein wird. Denn das würde bedeuten, dass man in den Ersten Stand des Malteserordens auch Frauen aufnimmt. Das ist im Augenblick noch nicht vorgesehen. Allerdings sind Frauen schon seit jeher im Zweiten Stand, der aus Obödienzrittern und Obödienzdamen besteht, und im Dritten Stand vertreten. Dort ist es möglich, dass Frauen auch Ämter im Malteserorden übernehmen können. Ich habe den Eindruck, dass es dauern wird, bis man das auch für den Ersten Stand zulässt. Das bleibt aber abzuwarten. Wir werden sehen, was dann als Letztfassung einer neuen Ordensverfassung präsentiert wird.“

Vatican News: Wofür steht der Malteserorden weltweit, was ist sein Auftrag an sich selbst?

Urs Buhlmann: „Der Malteserorden ist der älteste Krankenpflegerorden und die älteste caritative Einrichtung der katholischen Kirche. Seit 900 Jahren versucht er, für die Armen und für die Kranken da zu sein, gemäß seinem doppelten Auftrag wie er im Ordensmotto zum Ausdruck kommt: „Tuitio fidei et obsequium pauperum“, das man mit Wahrung oder Schutz des Glaubens und Hilfe für die Bedürftigen übersetzen könnte. Der Ursprung war ja ein Hospital in Jerusalem zur Zeit des Ersten Kreuzzuges, als die Ritter des Ersten Kreuzzuges 1099 Jerusalem eingenommen hatten, war das Hospital schon existent und hatte schon einige Jahrzehnte gearbeitet. Wir gehen davon aus, dass es um die Mitte des 11. Jahrhunderts gegründet wurde, sodass die Krankenpflege unsere ursprüngliche und erste Aufgabe ist und etwas, worin wir bis zum heutigen Tag tätig sind.

Vatican News: Für dieses Engagement gibt es große sichtbare Zeichen…

Urs Buhlmann: „Es sei erwähnt, dass auch in diesem Jahr, 2018, wieder eine große Wallfahrt von Behinderten und Kranken nach Rom stattfinden wird, wie wir sie jetzt schon ungefähr zehnmal durchgeführt haben. Der Malteserorden trifft sich auch jetzt gerade aktuell in Lourdes, wo immer Ende April und Anfang Mai ein Treffen im internationalen Wallfahrtsort stattfindet. Also wir sind aus einer Wallfahrtsbewegung heraus entstanden, nämlich dem Weg nach Jerusalem, wir haben seit damals die Kranken und die Armen und die Behinderten in unserem besonderen Visier. Daran soll und darf sich nichts ändern, das wird auch weiter die Hauptaufgabe der Malteser sein.“

01 Mai 2018, 11:53