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Fernfahrer streiken, das Riesenland ist gelähmt Fernfahrer streiken, das Riesenland ist gelähmt  (AFP or licensors)

Brasilien: Bischöfe halten zu streikenden LKW-Fahrern

Seit zehn Tagen streiken in Brasilien die Fernfahrer aus Protest gegen hohe Dieselpreise. In den Supermärkten werden Lebensmittel knapp. Die Bischöfe solidarisieren sich mit den LKW-Fahrern, sind aber auch in Sorge um das Wohlergehen der Armen.

Nötig sei eine „gerechte Lösung“ für die Krise, die sich nicht der Marktlogik und den Interessen einzelner oder bestimmter Gruppen unterwerfe, heißt es in einer Stellungnahme der brasilianischen Bischofskonferenz vom Mittwoch. Man lade „die Gesellschaft als Ganzes zum Dialog und zur Gewaltlosigkeit ein". Die Bischöfe stellen sich hinter die Fernfahrer, zeigen sich aber zugleich „besorgt über die harten Folgen, die sie für die Ärmsten haben".

In Brasilien wird der Großteil der Güter mit Lastwagen transportiert. Seit zehn Tagen ist das riesige Land praktisch gelähmt. Etwa 550 Fernstraßen sind von LKW blockiert, viele Schulen geschlossen, in den Supermärkten wird die Ware knapp. Millionen von Tieren wurden aus Mangel an Nahrung geschlachtet. Fabriken stellten die Produktion ein, weil der Nachschub an Material ausblieb.

Die Proteste der Fernfahrer richten sich gegen den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras und die hohen Treibstoffpreise. Allein im Mai stiegen Benzin- und Dieselpreise um rund zehn Prozent. Grund dafür ist die anhaltende Abwertung der brasilianischen Währung, die zu einem Steigen des Ölpreises führte.

Hinter dem Protest steht auch die schwierige soziale, institutionelle und wirtschaftliche Situation, in der sich das Land befindet. Die Unruhen hörten auch dann nicht auf, als Präsident Michel Temer, der unbeliebteste Regierungschef in der Geschichte Brasiliens, einige der Forderungen der Lkw-Fahrer akzeptierte. Im Gegenteil wurde der Ton der Proteste härter. Viele Fernfahrer wollen den Rücktritt des Präsidenten und schließen inzwischen auch Plünderungen nicht aus.

 

Den Dialog pflegen      

 

Vor diesem Hintergrund mahnt die Bischofskonferenz zu Dialog, „demütigem gegenseitigem Zuhören und der unbedingten Achtung der demokratischen Rechtsstaatlichkeit“. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im nächsten Herbst sei sicherzustellen, „dass sie nach demokratischen und ethischen Grundsätzen durchgeführt werden, um unser Vertrauen und unsere Hoffnung wiederherzustellen. Vorschläge, die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit ignorieren, führen nicht zum Gemeinwohl, sondern zur Gewalt“, so die brasilianischen Bischöfe.

(sir/vatican news – gs)

31 Mai 2018, 13:48