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Die Menschen aus dem Krisengebiet in Ost-Ghout werden nach wie vor evakuiert Die Menschen aus dem Krisengebiet in Ost-Ghout werden nach wie vor evakuiert  (AFP or licensors)

Kardinal Zenari: „Heikle Situation“ in Syrien

Nach dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf Douma und den damit einhergehenden Anschuldigungen zwischen den USA und Russland steigt die Anspannung in Syrien. Auch der UN-Sicherheitsrat ist durch das russische Veto gegen eine Resolution der Vereinigten Staaten gespalten. Diese wollte den vermuteten chemischen Angriff von Douma aufklären.

Der Apostolische Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari, betonte gegenüber der Nachrichtenagentur SIR, es handle sich um eine „heikle Situation“. Besonders bedauerlich: Die Ereignisse – der mögliche Chemiewaffenangriff in Douma und die Zwiegespaltenheit der UNO – fallen zusammen mit dem 55. Jahrestag der Veröffentlichung von „Pacem in Terris“, der letzten Enzyklika von Johannes XXIII.

„Die Situation ist heikel,“ so Zenari in dem Interview. „Ich kann nur den beklagenswerten Zustand der Spaltungen im UN-Sicherheitsrat zum Ausdruck bringen, insbesondere angesichts so ernster Ereignisse wie des jüngsten angeblichen Einsatzes chemischer Waffen in Douma, einem Vorort von Ost-Ghouta“, sagte Zenari. Die Drohungen, die Russen und Amerikaner austauschten, könnten die Situation weiter verschlimmern. So stellte US-Präsident Donald Trump erst am Mittwoch über Twitter die Möglichkeit in Aussicht, „schöne, neue und intelligente“ Raketen abzufeuern.

Eine starke Verurteilung des mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen bei Douma kam vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres. Für ihn stelle „jeder bestätigte Einsatz von Chemiewaffen in jedem Aspekt dieses Konflikts und unter allen Umständen eine Abweichung und eine klare Verletzung des Völkerrechts“ dar. Guterres forderte eine eingehende Untersuchung der Geschehnisse und wiederholte „die volle Unterstützung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) und ihrer Mission, die Wahrheit über den Angriff herauszufinden. Dazu sollte sie vollen Zugang haben, ohne Einschränkungen oder Hindernisse.“ Der Generalsekretär appellierte auch an den Sicherheitsrat, seine „Anstrengungen zu verdoppeln, um eine Vereinbarung zur Festlegung von Verantwortlichkeiten zu finden.“

 

UN-Sicherheitsrat stimmt nicht für die Resolution

 

Ein Apell, der ungehört verhallte: dies verdeutlicht die Tatsache, dass im UNO-Sicherheitsrat die Resolution der USA zur Untersuchung der chemischen Angriffe von Douma durch das russische Veto blockiert wurde. Zwölf Mitglieder des Rates haben für die Resolution gestimmt, Russland war dagegen, Bolivien und China haben sich enthalten.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt angesichts des vermuteten Chemiewaffenangriffs Alarm. In einer am 12. April veröffentlichten Erklärung spricht die WHO unter Berufung auf Quellen wie „Health Cluster“ von 550 Patienten, die bei der Bombardierung von Douma vergangenen Samstag mit Anzeichen und Symptomen in Gesundheitseinrichtungen kamen, die mit der Reaktion auf giftige Chemikalien übereinstimmten. Über 70 Personen, die sich in Keller geflüchtet hatten, starben. Auch von ihnen zeigten 43 Symptome, wie sie Menschen aufweisen, die hochtoxischen Chemikalien ausgesetzt waren. Die WHO fordert daher sofortigen und uneingeschränkten Zugang zu den betroffenen Gebieten, um den Menschen vor Ort helfen zu können.
Angesichts der Ernsthaftigkeit der Situation wurde an diesem Donnerstag „Eurocontrol“, die Europäische Agentur für Flugsicherheit, gebeten, das Gebiet nach möglichen Bombardements zu durchsuchen.

Die Forderungen des Papstes nach Frieden in Syrien fanden bislang keine Beachtung. Der Friede scheine „aus den Agenden der Mächtigen der Welt verschwunden“ zu sein, wie Giovanni Ricchiuti, Erzbischof von Altamura-Gravina-Acquaviva delle Fonti und Präsident von Pax Christi Italien, anlässlich des 55. Jahrestages von „Pacem in terris“ sagt. Am 11. April 1963 veröffentlichte Johannes XXIII. diese seine letzte Enzyklika.

(sir - nv)

12 April 2018, 15:34