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Syrien: „Krieg macht keinen Sinn“

Der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai ruft alle beteiligten Staaten auf, bei der Syrien-Krise auf die Diplomatie zu setzen anstatt auf Bomben. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben in der Nacht auf Samstag Syrien angegriffen. Die Christen im Nahen Osten befürchten eine Eskalation der Gewalt.
Zum Nachhören: Patriarch Bechara Rai im Interview

Mario Galgano und Marco Guerra – Vatikanstadt

Falls es keine friedliche Lösung gibt, die durch diplomatische Gespräche erreicht werden kann, werden in den kommenden Wochen wieder Millionen von Menschen flüchten müssen, sagt im Gespräch mit Vatican News das Oberhaupt der vor allem im Libanon ansässigen maronitischen Kirche. Patriarch Bechara Rai weist darauf hin, dass der Libanon selber in der Vergangenheit die dramatische Entwicklung eines Bürgerkriegs erlebt habe.

„Wir im Libanon bekommen alle Konsequenzen zu spüren, die aus den Konflikten im Nahen Osten entstanden sind. Alle diese Ansätze finden sich aber im Konflikt in Syrien wieder. Unsere gesamte Wirtschaft – egal ob Industrie oder Landwirtschaft – ist blockiert, weil wir gar keinen Anschluss haben wegen des Krieges in Syrien.“

Der Libanon und andere Länder im Nahen Osten seien also von der Welt abgeschnitten. Dies sei die direkte Folge des Konflikts. Doch nicht nur wirtschaftlich spüren die Libanesen, was in Syrien passiert. Auch die gesamte politische Situation im ganzen Nahen Osten sei davon geprägt, was derzeit in Syrien geschieht.

„Wir haben 1.750.000 Flüchtlinge bei uns. Sie leben auf unsere Kosten, während viele Libanesen selber ihr Land verlassen. Ein Drittel der libanesischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.“

Dennoch werde die libanesische Bevölkerung ihre Grenzen für Flüchtlinge nicht schließen. Jeder Mensch auf der Flucht müsse aufgenommen werden, unterstreicht der maronitische Patriarch.

„Die westlichen und reichen Länder führen Krieg und wir müssen die Konsequenzen spüren. Das geht nicht!“, spricht der Patriarch Klartext.

„Leider sind Länder wie die USA, Iran und Russland und ihre Verbündete nicht bereit, über Frieden zu sprechen. Sie dürsten nach Krieg. Wir müssen stattdessen auf die Worte von Papst Franziskus hören, der sagt, dass es im Grunde nur um Waffenhandel geht. Deshalb haben sie Interesse daran, Krieg zu führen.“

Um Syrien zu ändern, bedarf es nicht der Zerstörung jenes Landes, so Bechara Rai. „Unsere Pflicht besteht darin, immer klar zu sagen, dass wir gegen einen Krieg sind. Es gibt keine Rechtfertigung für einen Krieg. Das ist ein Krieg, der gar keinen Sinn hat.“

Die syrische Regierung unter Präsident Baschir al-Assad kritisierte den Angriff der drei westlichen Staaten als Verstoß gegen internationales Recht. US-Präsident Donald Trump hingegen warf dem Iran und Russland vor, „am meisten für die Unterstützung, Ausrüstung und Finanzierung des kriminellen Assad-Regimes“ verantwortlich zu sein. Der militärische und verbale Schlagabtausch scheint derzeit nicht ruhiger zu werden.

14 April 2018, 13:02