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Jerusalem: „Viele ehemalige Flüchtlinge sind Teil von uns geworden“

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem schlägt neue Wege in Sachen Integration von Flüchtlingen ein: Der Apostolische Administrator, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hat ein bischöfliches Vikariat für Migranten und Flüchtlinge in Israel geschaffen, um die Seelsorge für Menschen auf der Flucht zu verbessern.

Mario Galgano und Giada Aquilino – Vatikanstadt

Israels Regierung steht derzeit in den Schlagzeilen  - und zwar nicht wegen den schleppenden oder nicht-existenten Friedensgesprächen mit den Palästinensern, sondern wegen ihres Umgangs mit Flüchtlingen. Unter den Migranten, die nach Israel geflüchtet sind, gibt es etliche Christen aus Afrika, die sich eine bessere Zukunft im jüdischen Staat erhoffen.

Das ist im Übrigen kein neues Phänomen: Seit Jahren wächst die christliche Gemeinde in Israel dank des Zustroms christlicher Flüchtlinge. „Viele sind mittlerweile fester Bestandteil unserer Gemeinde“, erläutert gegenüber Vatican News Erzbischof Pierbattista Pizzaballa. Neben diese „alteingesessenen“ Flüchtlingen träten die relativ „frisch eingetroffenen“ Migranten.

„Unser Beschluss ist im Laufe der vergangenen Monate entstanden, weil die Zahl der Flüchtlingen und Migranten, die in unseren Gemeinden leben, sehr groß geworden ist. Das hat auch dazu geführt, dass die Ausrichtung des Pfarreilebens in etlichen Gemeinden anders geworden ist. Dem müssen und wollten wir Rechnung tragen“, so Pizzaballa.

„Ein bisschen von allem“

Es handelt sich um 200.000 Menschen, präzisiert der aus Italien stammende Franziskaner, der Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchats ist. Die meisten Migranten, die in den katholischen Pfarreien leben, stammen von den Philippinen, aus Indien oder Sri Lanka.

„Da gibt es ein bisschen von allem. Wir haben sogar Migranten aus Lateinamerika, auch wenn es früher sogar mehr waren. Eigentliche Flüchtlinge sind es derzeit rund 40.000. Das sind vor allem Menschen aus Eritrea, Sudan und Somalia.“

Die katholischen Gemeinden kümmerten sich nicht nur um christliche Flüchtlinge und Migranten, fügt Pizzaballa an. Geholfen werde jedem, der darum bitte.

„Für die Christen bieten wir selbstverständlich pastorale Dienste an. Aber wir bieten auch soziale Dienste an, zum Beispiel für Kinder, deren Eltern zur Arbeit gehen müssen. Viele Kinder werden sonst einfach alleine zurückgelassen. Diese Art von Hilfe bieten wir allen an, egal welcher Konfession oder Religion sie angehören. Wir arbeiten aber auch mit anderen staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen und Organisationen zusammen.“

Derzeit gibt es über 30.000 Flüchtlinge aus Eritrea und Sudan, die in Israel „festsitzen“ und von denen die Regierung von Benjamin Netanjahu ungefähr die Hälfte ausweisen will. Auch für solche Fälle sei die neue Einrichtung, die das Lateinische Patriachat von Jerusalem eingeführt hat, gedacht, so Pizzaballa. „Egal, was über die Flüchtlinge entschieden wird, unsere neue Infrastruktur ist flexibel und so eingerichtet, dass sie schnell handeln kann“, erläutert der Apostolische Administrator abschließend. Offiziell eingeführt wird das neue bischöfliche Vikariat am 20. Mai, an Pfingsten, doch bereits jetzt sind die Mitarbeiter im Einsatz.

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06. April 2018, 13:00