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Europa: „Starker Verfall der religiösen Praxis" bei jungen Katholiken

Die etwas bedrückende Begleitmusik zur vatikanischen Jugendsynode 2018: In Europa geht einer Studie zufolge nur eine verschwindende Minderheit junger katholischer Gläubiger zur Messe. In kaum einem Land sind es übrigens so wenige wie in Österreich.

Nur drei Prozent der österreichischen Katholiken zwischen 16 und 29 Jahren besuchen einmal wöchentlich oder öfter einen Gottesdienst. 17 Prozent gehen das ganze Jahr in keine Messe. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Studie der Londoner St. Mary's University Twickenham und des Institut Catholique Paris hervor. Ähnlich niedrig seien die Zahlen zum wöchentlichen Gottesdienstbesuch in Belgien (2 Prozent) und Ungarn (3). Dann folgen Litauen (5), Deutschland (6) und die Schweiz (8).

Nur in Polen, Portugal und Irland sagten mehr als zehn Prozent der jungen katholischen Gläubigen, sie gingen mindestens einmal die Woche in einen Gottesdienst. In Polen waren es 47 Prozent, in Portugal 27, in Irland 24 Prozent.

Die Daten der Untersuchung stammen vom European Social Survey aus den Jahren 2014 und 2016. Der Erhebung zufolge sind 44 Prozent der jungen Österreicher im Alter von 16 bis 29 nach eigenen Angaben katholisch. Weitere sieben Prozent gehören einer anderen christlichen Konfession an, 10 Prozent seien muslimisch, 37 Prozent ohne Religion. Ein Fünftel der befragten Katholiken aus Österreich gab an, außerhalb des Gottesdienstes mindestens einmal wöchentlich zu beten. Ebenso viele beten demnach nie abseits der Messe.

Insgesamt belegt die Studie, dass immer weniger Jugendliche in Europa eine Religion praktizieren. Der Befund zeige einen „weit verbreiteten Verfall der religiösen Praxis", so einer der Ko-Autoren, der britische Theologe und Religionssoziologe Stephen Bullivant. Allerdings seien die wenigen praktizierenden Jugendlichen engagierter. 

Ein Großteil der Befragten gab an, keine Religion zu haben. In der Tschechischen Republik waren es 91 Prozent. In den Niederlanden, Tschechien Republik, Spanien, Großbritannien, Belgien, Frankreich und Ungarn gab über die Hälfte der Befragten an, abseits von Ereignissen wie Hochzeiten oder Begräbnissen noch nie einen Gottesdienst besucht zu haben. Unter den 16- bis 29-jährigen befragten Österreichern war jeder Dritte noch nie in einem Gottesdienst.

Bullivan zufolge „werden viele junge Europäer getauft, aber sie gehen dann nie wieder über die Schwelle einer Kirche. Rein kulturelle religiöse Identitäten gehen einfach nicht von Eltern auf Kinder auf über.“ Die neue „Werkseinstellung“ in Europa sei „ohne Religion“.

(kap/the Guardian – gs)

23 März 2018, 16:15