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Das Judentum ist nur eine von vielen Religionen, die Beschneidungen durchführen Das Judentum ist nur eine von vielen Religionen, die Beschneidungen durchführen  (AFP or licensors)

In Island könnten Beschneidungen verboten werden

Das isländische Parlament hat einen Gesetzesvorschlag zum Beschneidungsverbot von Jungen unterbreitet. Christen, Juden und Muslime reagieren besorgt.

Das isländische Parlament „Althing“ hat einen Gesetzesvorschlag eingebracht, um die Beschneidung männlicher Kinder ohne medizinische Notwendigkeit zu verbieten. Vertreter vieler Glaubensrichtungen zeigen sich darüber besorgt. Denn zahlreiche religiöse Gemeinschaften praktizieren Beschneidung. In der jüdischen, islamischen und in einigen christlichen Traditionen, wie der Eritreischen und Äthiopischen Orthodoxen Kirche, ist sie Teil der Religionspraxis und Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft.

Der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Bischof Christopher Hill, verwies in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE darauf, dass es wichtig sei, eine Beschneidung unter medizinisch angemessenen Umständen durchführen zu können, um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden. Die Legalität der Beschneidung sei hierzu Voraussetzung. Da in vielen Ländern Beschneidungen auch ohne religiösen Hintergrund vorgenommen werden, hält er das Argument, eine Beschneidung sei ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, für nicht ausreichend. Für ihn bedeutet der Gesetzesentwurf eine Einschränkung der Religions- und Glaubensfreiheit.

Kardinal Angelo Bagnasco, Präsident der CCEE, rief auch in Erinnerung, dass es für die katholische Kirche ein besonderes Anliegen sei, „die Rechte der Kinder zu verteidigen, zu dem auch das Recht und die Pflicht der Familie gehört, ihre Kinder ihren eigenen religiösen Überzeugungen entsprechend zu erziehen.“ Diese Initiative richte sich somit gegen die Religionsfreiheit und die Grundlagen der Demokratie, „die eine Zivilgesellschaft ausmachen“.

„Beschneidung in einem gewissen Land zu verbieten läuft darauf hinaus, dass dieses Land öffentlich erklärt, auf seinem Staatsgebiet keine jüdische Gemeinschaft mehr zu dulden“, sagt Albert Guigui, Oberrabbiner von Brüssel und ständiger Vertreter der Konferenz Europäischer Rabbiner bei den Institutionen Europas. Auch Hauptimam Razawi der schottischen Ahlul Bayt Society befürchtet, dass das Verbot dieses Brauchs dazu führe, den Muslimen die Ausübung ihres Glaubens zu verbieten.

Die jüdischen, christlichen und muslimischen Organisationen sind sich einig, dass ein Verbot der Beschneidung in Island zur Folge hätte, den Judaismus und den Islam, sowie deren Mitglieder zu ächten. Sollte der Vorschlag umgesetzt werden, bestünde auch das Risiko, dass weitere Länder zu ähnlichen Initiativen bewegt würden.

Die Organisationen betonen, dass sie sich einzig auf die männliche Beschneidung beziehen. Der vorgeschriebene religiöse Brauch dürfe nicht mit der grausamen Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung verwechselt werden, der ein Angriff auf die körperliche Integrität der Frauen darstelle und ihre grundlegenden Menschenrechte und ihre Würde verletze.

(pm – nv)

15 März 2018, 15:20