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Papst Franziskus bei seinem Besuch in Zentralafrika 2015 Papst Franziskus bei seinem Besuch in Zentralafrika 2015 

Zentralafrika: Viel Mut der Kirche zwischen blutigen Kämpfen

Pater Federico Trinchero, ein italienischer Missionar des Karmeliterordens, lebt bereits seit neun Jahren in Zentralafrika. Er erklärt im Gespräch mit Vatican News die Ursachen der jüngsten Gewaltausbrüche und erinnert sich an den Geist der Versöhnung, den der Besuch von Papst Franziskus vor drei Jahren in die Hauptstadt des Landes brachte.

Giada Aquilino und Nadine Vogelsberg - Vatikanstadt

Aufs heftigste verurteilen der Kardinal Dieudonné Nzapalainga, Erzbischof der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui, und der Imam Omar Kobine Layama, Präsident der zentralafrikanischen islamischen Gemeinde, die Gewaltausbrüche der letzten Wochen in Séko, im Süden Zentralafrikas.

Bei diesen Ausschreitungen kamen mehrere Dutzend Menschen zu Tode, darunter auch der Pfarrer der Gemeinde San Carlo Lwanga, Joseph Désiré Angbabata. Er starb an den Verletzungen, die er beim Überfall auf die Pfarrei erlitt.

„Diese Vorkommnisse haben in gewisser Weise die Ereignisse vom Karfreitag vorweggenommen“,
sagt Pater Federico Trinchero vom Karmelitenkloster Unserer Lieben Frau in Bangui. Der 40-Jährige aus Norditalien trat den Karmelitern vor 20 Jahren bei und ging 2009 als Missionar nach Zentralafrika, zunächst in den Norden des Landes. Seit 2013 ist er aber in der Hauptstadt Bangui. Mit der Situation vor Ort kennt er sich aus.

So erklärt Trinchero weiter: „Die Séléka -Rebellen waren ein Zusammenschluss aus Rebellengruppen, die selbst an die Macht wollten: als dieses Ziel verfehlt wurde, hat sich Séléka vor circa zwei Jahren aufgelöst und heute gibt es verschiedene Rebellengruppen mit unterschiedlichen Namen, die diverse Angriffe durchführen.“

Eine kaum entrinnbare Gewaltspirale

Es wird geschätzt, dass 80 Prozent des Landes in der Hand verschiedener Rebellengruppen sind. Besonders zu nennen sind dabei die UPC – die Vereinigung für den Frieden in Zentralafrika (Unité pour la paix en Centrafrique) – eine Gruppe, die aus der Spaltung der Séléka-Bewegung hervorgegangen ist – und die Anti-Balaka-Milizen, eine Gruppe, die bereits 2013 im Zentrum der Auseinandersetzungen stand, als die Séléka-Rebellen die bisherige Regierung stürzten.

So kommt es immer wieder zu teils blutigen Auseinandersetzungen, bei denen es scheinbar um ethnisch-religiöse Konflikte geht. Tatsächlich geht es aber um politische und wirtschaftliche Interessen. Dieser Gewaltspirale zu entrinnen ist nicht einfach, gibt Trinchero zu bedenken.

Bei den Gewaltausbrüchen in Séko vor wenigen Tagen sind neben dem Dominikaner-Mönch Angbabata auch einige andere Pfarreimitglieder gestorben.

„Leider war es nicht möglich, eine feierliche Beerdigung für die Opfer zu organisieren – die in der Nähe der Kirche bestattet wurden – sei es, weil die Kirche mitten in der Wüste liegt, wo es keine Straßen gibt, sei es, weil es in der Region immer noch große Spannungen gibt, wo doch überall Rebellengruppen sind – das ist schwierig“, erklärt Pater Trinchero. 50 Prozent der Menschen in der zentralafrikanischen Republik sind christlich. Doch selbstverständlich stellen die vielen Rebellen auch für die Kirche ein Problem dar.

Eine junge, aber mutige Kirche

In diesem Zusammenhang bleibt der ermordete Pater Joseph Désiré Angbabata der Ausdruck der jungen aber mutigen zentralafrikanischen Kirche, zeigt sich Trinchero überzeugt.

„Auch in dieser dramatischen Situation ist es schön zu sehen, dass die Kirche ein Zufluchtsort ist. Die Menschen haben Vertrauen zu ihren Priestern – die häufig Einheimische sind – neben den Missionaren, die es in Zentralafrika auch gibt“, fügt Trinchero hinzu. Und er nennt gleich einige Beispiele, die zeigen, wie groß das Vertrauen der Menschen in Zentralafrika zur Kirche ist: In Séko sind die Christen in die Kirche geflüchtete, als die Stadt angegriffen wurde. In Markounda, im Norden des Landes, ist die örtliche Gemeinde „seit mehr als acht Monaten Gastgeber für 8000 Geflüchtete, Personen, die aus benachbarten Dörfern kommen, wo es Kämpfe und Brände gab“, so Trinchero.

Kardinal Nzapalainga und der Präsident der zentralafrikanischen islamischen Gemeinde drängen nun zum wiederholten Mal auf den Frieden im Land.

Gut zweieinhalb Jahre nach der Reise von Papst Franziskus, der im November 2015 einen Geist der Versöhnung nach Zentralafrika brachte, besteht heute die Gefahr eines Rückschritts, während gleichzeitig die Hoffnung bestehen bleibt, dass die Situation nicht ausartet, sagt Pater Trinchero.

(vatican news)

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29 März 2018, 15:25