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Die ersten Besucher strömen am Mittwoch in die Grabeskirche Die ersten Besucher strömen am Mittwoch in die Grabeskirche  (AFP or licensors)

„Die Schließung der Grabeskirche war grob fahrlässig“

Mit deutlichen Worten kritisiert der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, den Protest mehrerer Kirchen im Streit mit den israelischen Behörden um Steuerforderungen und etwaige Landenteignungen.

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

Die nicht bloß kurzzeitige, sondern tagelange Schließung der Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt sei „grob fahrlässig“ gewesen, urteilte Bugnyar in einer längeren Stellungnahme zu dem Konflikt auf seinem Facebook-Profil.

Im Gespräch mit Vatican News begründete der Jerusalem-Kenner am Mittwochmittag sein Urteil. „Diese Maßnahme ist nicht nur unverhältnismäßig, sondern wird längerfristig den kirchlichen Interessen im Heiligen Land schaden – selbst wenn die israelischen Behörden für den Moment den Forderungen nachgeben sollten.“

Insgesamt habe er „große Zweifel“, dass westliche Pilger Solidarität zeigen werden, „wenn ihnen deutlich wird, dass hier Steuerprivilegien verteidigt werden sollen, die sowohl ohnehin einzigartig und zudem anachronistisch sein könnten“, so Bugnyar: „Eine reiche Kirche war noch selten irgendwo auf der Welt ein Grund, um für sie auf die Barrikaden zu gehen.“ Aus Sicht des Hospizrektors hätte eine symbolische, kurzzeitige Schließung der Grabeskirche gereicht.

Ausführlich zum Nachhören: Die Analyse des Jerusalem-Kenners

Bugnyar kritisierte damit, dass der griechisch-orthodoxe Patriarchen Theophilos III., der armenische Patriarch Nourhan Manougian und Franziskanerkustos Francesco Patton am vergangenen Sonntag die Dauer der Schließung der Grabeskirche mit „bis auf weiteres“ angegeben hatten. „Pilger in Geiselhaft zu nehmen“ und sie von der wichtigsten Kirche der Christenheit „fernzuhalten, um ein fragiles Steuerparadies zu prolongieren, ist keine besonders inspirierte Leistung“, hielt der Rektor des Österreichischen Hospizes fest.

Kernproblem Immobilien und Steuern

 

Auch in den Kernthemen des aktuellen Streits - geplante Maßnahmen der Jerusalemer Stadtverwaltung zum Einzug von Grundsteuern auf kirchliche Immobilien sowie einen umstrittenen Gesetzentwurf, der dem Staat eine Enteignung von an Privatinvestoren verkauftes Kirchenland ermöglichen würde - stellte sich Bugnyar in seinem Statement gegen die Kirchenführer. Jene Kirchen, die nun laut aufschrien, hätten im Laufe der Zeit zahlreiche Grundstücke in der Stadt erworben und sie teilweise an anonyme Instanzen verkauft.

Ein etwaiges Enteignungsgesetz würde den Handlungsspielraum verkaufswilliger Kirchen einengen, weil es die Anzahl potenzieller Käufer kirchlicher Grundstücke schrumpfen lassen könnte, schilderte der Hospizrektor: „Aber es gibt auch andere, die die neu gewonnene Transparenz schätzen würden; sie wäre sogar im Interesse ihrer eigenen Gläubigen.“

Die Debatte um die vom Jerusalemer Bürgermeister geforderten Steuerzahlungen der Kirchen stellt Bugnyar u.a. in den Kontext der im Oktober 2018 anstehenden Kommunalwahlen. Bürgermeister Nir Barkat habe sich eigentlich zunächst an Premier Benjamin Netanjahu gewandt mit der Forderung, die Regierung „möge diese Privilegien bereinigen oder aber sich etwas einfallen lassen, damit die Stadt ihre Rechnungen bezahlen kann“.

Angesichts der Größe der katholischen Einrichtungen im Heiligen Land, die zum überwiegenden Teil aus dem 19. Jahrhundert stammen, sowie der prekären wirtschaftlichen Lage der christlichen Minderheit müsse es auch in Zukunft Steuererleichterungen geben, betont Rektor Bugnyar. Das Österreichische Hospiz sei die einzige katholische Einrichtung, die seit 1988 ein Drittel der fälligen Gemeindeabgaben leistet. Der Rektor bezifferte die Höhe der Zahlungen mit 36.000 Euro jährlich.

Grundlagenvertrag noch in Verhandlung

 

Aus Sicht Bugnyars ist die aus osmanischer Zeit stammende Steuerfreiheit aller Kirchengemeinschaften ein „weltweit einzigartiges Privileg“, für das man Regierungen vergangener Zeiten dankbar sein könne. Er verweist auf den seit Jahren in Verhandlung stehenden, jedoch bis dato nicht unterzeichneten Grundlagenvertrag zwischen der katholischen Kirche und Israel. Dem Vernehmen nach, so Bugnyar, werde eine Einigung vorsehen, dass „kirchenbezogene Tätigkeiten“ weiterhin steuerbefreit sind, für „rein erwerbsbezogene Tätigkeiten“ kirchlicher Einrichtungen aber Steuern anfallen.

Das Österreichische Hospiz ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land und liegt an der Via Dolorosa. Es ist heute eine Stiftung der katholischen Kirche in Österreich. Der Eisenstädter Diözesanpriester Markus Bugnyar leitet das traditionsreiches Gästehaus seit 2004 als Rektor.

(mit material der nachrichtenagentur kathpress)
 

28 Februar 2018, 13:53