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Klebt an der Macht: Präsident Joseph Kabila Klebt an der Macht: Präsident Joseph Kabila  (AFP or licensors)

Demokratische Republik Kongo: Wem dient die Destabilisierung?

Mit deutlichen Worten melden sich die Bischöfe in der Demokratischen Republik Kongo zu Wort. Im Anschluss an ihre jüngste außerordentliche Vollversammlung haben sie eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die soziale und politische Lage des Landes beklagen. Ihre bohrende Frage lautet: Wem dient die zunehmende Destabilisierung des Landes?

Christine Seuss und P. Jean-Pierre Bodjoko - Vatikanstadt

„Wir verurteilen die Kampagne der Diskreditierung und Diffamierung der katholischen Kirche und ihrer Bischöfe“, so die Bischofskonferenz zum Abschluss ihrer Beratungen vom 15. bis 17. Februar in Kinshasa. Das zielt auf Präsident Joseph Kabila, der der Verfassung entgegen von der Macht nicht lassen will und das Abhalten der Wahl seines Nachfolgers verschleppt. Die Bischöfe fordern die Autoritäten des Landes dazu auf, die friedlichen Märsche, mit denen das Volk seinem Protest Nachdruck verleiht, zuzulassen. 

„Aus dem einfachen Grund, weil das Verbot von Märschen gegen die Verfassung verstößt. Das Volk kann nicht durch etwas am Protest gehindert werden, was selbst gegen die Verfassung verstößt. Mehr noch, die Märsche wollen an die Essenz der Verfassung erinnern! Die Forderung lautet, die (Präsidenten-)Wahlen wie vorgesehen abzuhalten, um eine friedliche und demokratische Machtübergabe in unserem Land möglich zu machen.“

Das sagte gegenüber Vatikan News der erst jüngst von Papst Franziskus zum Erzbischof-Koadjutor von Kinshasa ernannte Fridolin Ambongo, der auch Vizepräsident der kongolesischen Bischofskonferenz ist. In ihrer Erklärung erinnern die Bischöfe an die „blutige Unterdrückung“ der friedlichen Demonstrationen vom 31. Dezember 2017 und 21. Januar 2018, die vom Komitee der Katholischen Laien (CLC) organisiert worden waren. Sicherheitskräfte waren robust gegen die Protestzüge vorgegangen.

„Warum so viele Tote, Verletzte, Verhaftungen, Entführungen, Angriffe auf Pfarreien und kirchliche Gemeinschaften, Erniedrigung, Folter, Einschüchterung, Entweihung von Kirchen und Verbote zu beten?“, fragen sich die Bischöfe. Und sie erinnern daran, dass die Demonstranten bei ihrer friedlichen Kundgebung nur die Umsetzung der Vereinbarung vom 31. Dezember 2016 forderten, die von der CENCO vermittelt worden war. Nach dieser Vereinbarung müssten bald Neuwahlen stattfinden; doch die nur dem Namen nach „Unabhängige Wahlkommission“ hat den Urnengang nun für den kommenden Dezember angesetzt.

Erzbischof-Koadjutor Ambongo: „Das Volk hat die Erfahrung gemacht, dass nur es selbst seine Interessen verteidigen kann. Es kann nicht auf die politische Klasse zählen, um seine Interessen zu verteidigen. Wir rufen also das Volk dazu auf, wachsam zu bleiben, um seine Interessen zu wahren.“

Der Kongo gehört allen, nicht nur der Elite

 

Die Bischöfe widersprechen entschieden den Anschuldigungen der Machthaber, umstürzlerischen Umtrieben Vorschub zu leisten. Das betont auch Bischof Ambongo: „Wir haben den Eindruck, dass die einzigen, die die durch das Volk geforderten Änderungen nicht sehen wollen, die Machthaber sind. Aber die Realität ist da draußen, das kongolesische Volk lässt sich nicht mehr nach ihrem Willen manipulieren.“ Die Demokratische Republik Kongo, so schreiben die Bischöfe in ihrer Erklärung weiter, gehöre „allen ihren Söhnen und Töchtern“. Was die Oberhirten damit meinen, erläutert der Bischof folgendermaßen:

„Es genügt, sich die Realität vor Augen zu führen: Derzeit gibt es im Kongo eine Kategorie von Menschen, eine kleine Minderheit, die meint, das Land sei ihr Privatbesitz, und die die Armut und Misere des Volkes ignorieren. Eine kleine Minderheit hat alles und lebt gut, abgeschottet vor den Lebensbedingungen des übrigen Volkes, das leidet. Die großen Verantwortlichen sagen, hier im Kongo funktioniert doch alles gut, die Dinge sind besser als woanders, das Volk lebt gut… aber man muss sich fragen, ob sie vom selben Land sprechen.“

Auch die zunehmende Unsicherheit in verschiedenen Provinzen bereitet den Bischöfen Sorge: „In Kasai, in Nord- und Süd-Kivu und in Ituri lässt die Präsenz von Kämpfern, die Tod und Verwüstung verbreiten, an eine Belagerungs- und Balkanisierungsstrategie denken,“ betonen sie in ihrer Erklärung. „In diesem Stadium des Wahlprozesses hat man das Recht zu fragen: Wer profitiert von der Destabilisierung des Landes?", so die Bischöfe weiter. Immer mehr Menschen fliehen in diesen Tagen vor den aufflammenden Kämpfen aus dem Kongo in Nachbarländer, welche zunehmend Schwierigkeiten haben, die Flüchtlinge angemessen zu versorgen. Papst Franziskus hat für kommendem Freitag zu einem Gebet- und Fastentag für den Frieden in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan eingeladen.

(vatican news/fides - cs)

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20 Februar 2018, 16:16