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Nicht nur freudige Erwartung: Papstplakat in Chile Nicht nur freudige Erwartung: Papstplakat in Chile  (AFP or licensors)

Chile vor Papstbesuch: Brandanschläge gegen Kirche und Drohung

Wenige Tage vor der Ankunft des Papstes in Chile sorgen mehrere Anschläge auf katholische Kirchen in der Hauptstadt Santiago de Chile für Aufregung. Unbekannte legten laut Berichten des Onlineportals 24horas.cl am Freitag kurz nach Mitternacht beim Portal der Kirche „Santa Isabel de Hungria“ im Stadtviertel Estacion Central Feuer und hinterließen eine Bombendrohung gegen den Papst. Da die Nachbarn darauf aufmerksam wurden, ergriffen die Täter die Flucht; der Brand konnte mit Wasser gelöscht werden. Die Ermittlungen laufen.

Weitere Anschläge erfolgten in Kirchen in den Stadtteilen Recoleta, Peñalolén und Santiago Centro. Der Pfarrer der Gemeinde in Estación Central, Fernando Ibanez, zeigte sich gegenüber 24horas verärgert über den Zwischenfall; diese Vorgangsweise bringe nichts, sagte er. Die Behörden veröffentlichten ein Bild des Bekennerschreibens, das die Befreiung der den Mapuche-Ureinwohnern zugeschriebenen Region Wallmapu fordert. Bereits mehrmals gab es in den vergangenen Monaten Anschläge vor dem Hintergrund des Mapuche-Konflikts, die teilweise ebenfalls gegen Kirchen gerichtet waren und feindliche Botschaften gegen Papst Franziskus enthielten.

Isolde Reuque Paillalef, Kommissionssekretärin für die Mapuche-Pastoral in der chilenischen Diözese Temuco, warnte jedoch vor vorschnellen Schuldzuschreibungen. Da bei derartigen Anschlägen bislang kein Täter gestellt wurde, könne es sich auch um Unruhestifter handeln, die die Schuld auf die Mapuche fallen lassen wollten, sagte sie bereits vor dem jüngsten Vorfall gegenüber der römischen Nachrichtenagentur „Fides“. Die katholische Kirche sei überzeugt davon, dass die Täter durch ihr Vorgehen den Mapuche - welche die angegriffenen Gotteshäuser ja selbst gebaut hätten - viel mehr Schaden als Nutzen bringen würden.

Auch wenn der Papstbesuch von Mapuche-Protesten begleitet sein werde, würden sich die allermeisten des von der Gesellschaft weitgehend ignorierten Indigenen-Volkes auf den Papstbesuch sehr freuen, so Reuque weiter. Die Indianer erwarteten von ihrem Besucher aus Rom keine politischen Problemlösungen, wohl aber eine Stärkung im Glauben und Beiträge zum sozialen Frieden. Der Papst werde sich mit den Erwartungen und Problemen der indigenen Völker intensiv befassen und damit auch Chiles Politik zu denken geben wie einst Johannes Paul II: Der polnische Pontifex habe 1987 mit seinen „klaren Worten“ wesentlich dazu beigetragen, dass viele Mapuche einen Stolz auf die eigene Identität und Kultur entwickelten.

 

Riesiges Sicherheitsaufgebot

 

Angesichts der angespannten Situation im Land erwartet Chile den Papst mit den umfangreichsten Sicherheitsvorkehrungen, die es jemals im Land gab, berichtete die argentinische Zeitung „La Nacion“ am Freitag. 18.000 Polizisten - davon 9.500 in der Hauptstadt Santiago de Chile - seien zum Schutz des Papstes und der Pilger abgestellt.

Papst Franziskus erreicht Chile nächste Woche am Montagabend und wird in den drei Folgetagen in der Hauptstadt, im südlich gelegenen Temuco sowie im Iquique im Norden des Landes Station machen. Große Freiluft-Gottesdienste mit jeweils über 400.000 Menschen stehen auf dem Programm, Treffen mit Indigenen, Jugendlichen, Kirchen- und Ordensvertretern sowie ein Besuch in einem Frauengefängnis.

Am Freitag gab der Vatikan bekannt, dass der Papst am kommenden Donnerstag bei der Station in Iquique auch Opfern der Pinochet-Diktatur (1973-1990) begegnen wird. Ob es auch zu einem von Betroffenen-Verbänden angestrebten Treffen mit Missbrauchs-Opfern kommen wird, hat der Vatikan bislang weder bestätigt noch verneint.

(kap/infobae)

12 Januar 2018, 15:21