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Wahlen im Irak Wahlen im Irak  (AFP or licensors)

Irak: Christen wünschen „Wahlen zum Besten des Landes“

Der Irak hat zu Wahlen aufgerufen: am 12. Mai sollen die Stimmberechtigten über die Zukunft des Landes abstimmen. Eine Entscheidung, die nicht nur logistisch gesehen das bürgerkriegsversehrte Land vor große Herausforderungen stellt. Doch die chaldäisch-katholische Kirche hält die Wahl für einen wichtigen „demokratischen Akt“, der auch „eine Chance auf Veränderung“ bedeute, ließ sich das Patriarchat der chaldäisch-katholischen Kirche in einer Erklärung vernehmen.

Christine Seuss - Vatikanstadt

„Wir sagen unseren Gläubigen, frei und unbeeinflusst zur Wahl zu gehen, ohne Druck von anderen Idealen, Parteien oder Religionen,“ sagte uns Shlemon Warduni, der Weihbischof von Bagdad. Große Schwierigkeiten bereite den Menschen nämlich die Einmischung der verschiedenen Interessensgruppen, die jeweils das Beste für sich selbst herausholen wollten, „trotz all dem Schlechten und aller Schwierigkeiten, die es hier in der Gesellschaft gibt. Wir wollen, dass die Wahlen zum Besten der Nation abgehalten werden.“ Auch das Patriarchat hatte in seiner Erklärung davor gewarnt, „unerfahrenen“ und „opportunistischen“ Kandidaten die Stimme zu geben.

Sicherlich sei die Tatsache, dass viele Flüchtlinge noch nicht in ihre Heimat zurück gekehrt seien, die „größte Schwierigkeit“, der sich der geplante Urnengang gegenüber sehe, räumt der Weihbischof ein. Vor allem sunnitische und kurdische Abgeordnete hatten für eine spätere Wahl plädiert, damit mehr Iraker die Chance hätten, daran teilzunehmen. „Wenn nicht alle wählen, dann ist das für die Zukunft unseres Landes nicht gut. Deshalb müssen sie da Abhilfe schaffen. Hoffen wir, dass ihnen das gelingt.“

Besonders prekär: Die Situation der vor dem IS geflüchteten Christen, die noch zu einem Großteil fern ihrer Heimat ausharren. Die Dörfer der besonders betroffenen Ninive-Ebene sind trotz der angelaufenen Wiederaufbaumaßnahmen noch zu etwa 80 Prozent zerstört, einige bereits wiederhegestellte Häuser seien durch die dort stationierten Soldaten wieder heruntergewirtschaftet worden. Dies mache den Menschen eine Teilnahme an der Wahl fast unmöglich, betont Warduni: „Die konkreten Schwierigkeiten liegen darin, dass sie ihre Häuser nicht bewohnen können. Denn diese sind zerstört. Für die Familien also, die keinen Platz zum Leben, Schlafen und Essen haben, wird eine Teilnahme an der Wahl sehr schwierig sein. Deshalb müssten sie zu den Urnen begleitet werden.“ Doch an die neue Regierung hat der Weihbischof sehr konkrete Anforderungen: „Sie müssen Frieden schließen, Frieden mit der ganzen Welt, mit den Kurden. Dann müssen sie für Gleichheit im Volk sorgen, ohne Ansehen der Religion, des Stammes oder der Partei. Wir beten für das Wohl des gesamten Iraks, besonders für den Frieden.“

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26 Januar 2018, 15:05