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Pakistanische Sunniten feiern den Geburtstag des Propheten Mohammed am 1.12.2017 in Lahore Pakistanische Sunniten feiern den Geburtstag des Propheten Mohammed am 1.12.2017 in Lahore  (AFP or licensors)

Islamexperte: Es fehlt an Reformern

Der Islamwissenschaftler Pater Christian Troll SJ sieht unter islamischen Gelehrten kaum Ansätze für religiöse Reformen. Wer versuche, den Koran zu relativieren, indem er etwa gewaltverherrlichende Verse infrage stelle, der lebe gefährlich, sagte der Jesuit am Freitag in einem Interview der deutschen katholischen Nachrichten-Agentur KNA.

Troll feiert am 25. Dezember seinen 80. Geburtstag. Er lehrte in islamischen Ländern und war Professor an der Universität Birmingham sowie am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom. Als Grundproblem bezeichnete der Wissenschaftler, dass die Sphären der politischen Macht und der Religion im Islam nicht strikt getrennt seien.

„Das Modell von Medina gilt mehr oder weniger als Vorbild, also das erste islamische Staatsgebilde, unter Mohammed als Propheten und Staatsmann. Auf diesem Modell aber lässt sich keine moderne, tolerante Gesellschaft bauen“, so Troll. Zwar gebe es nicht zuletzt im Bereich des schiitischen Islam durchaus Reformansätze. „Allerdings sind sie noch äußerst rar.“

Leider seien nach islamischer Lesart im Zweifelsfall die früher in Mekka entstandenen Koransuren im Licht der späteren medinensischen Suren zu interpretieren, die teilweise zur Gewalt gegen Andersgläubige aufriefen. „Wichtig wäre, dass an den großen, einflussreichen islamischen Lehrstätten des Rechts und der Theologie wie der Al-Azhar-Universität in Kairo ein Diskurs über ein reformiertes Koranverständnis beginnt und dass sich das islamische Denken durchringt zu Toleranz, zur Anerkennung von Vielfalt, zur Trennung von Politik und Religion.“

Wahrer Islam sollte sich nach Trolls Worten einbringen in die moderne Welt, mitgestalten, helfen, ihre Probleme zu lösen und Krieg und Not zu beseitigen - im Namen Gottes. „Zum Glück sehen viele Muslime das genauso. Es gibt bislang jedoch keine breite, durchdachte theologische Richtung, die diese Sicht des Islam wirkkräftig in den globalen Diskurs einbringt.“

Pater Troll wirkte viele Jahre im Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog und beriet auf diesem Feld auch die Deutsche Bischofskonferenz. Er ist auch emeritierter Honorarprofessor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

(kna)

15 Dezember 2017, 15:07