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Migranten aus Nigeria haben elf Tage auf dem Ruder eines Öltankers ausgehalten, bevor sie von der Spanischen Küstenwache gerettet wurden (Bild: Salvamento Maritimo, Twitter) Migranten aus Nigeria haben elf Tage auf dem Ruder eines Öltankers ausgehalten, bevor sie von der Spanischen Küstenwache gerettet wurden (Bild: Salvamento Maritimo, Twitter)  Leitartikel

Editorial: 3 Männer, 1 Öltanker und unser Weihnachten

Andrea Tornielli, Chefredakteur von Vatican News/Radio Vatikan, über Migranten, die als blinde Passagiere elf Tage lang auf dem Ruder eines Öltankers überlebten.

Andrea Tornielli - Vatikanstadt *

In weniger als einem Monat ist Weihnachten und die Nachricht, dass drei Männer elf Tage auf dem Ruder eines Öltankers ausharrten, der von Nigeria zu den Kanarien unterwegs war, scheint damit kaum etwas zu tun zu haben. Und doch trifft diese emblematische Geschichte den Kern: Drei Migranten überleben auf wundersame Weise trotz der Kälte auf See, unter der sengenden Sonne, ohne zu verdursten, zusammengekauert auf dem Ruder des Schiffs, wo ihnen die Gischt entgegenschlägt. Wir können angesichts dessen gar nicht anders, als an das Schicksal der Heiligen Familie aus Nazaret zu denken, Sinnbild aller Flüchtlinge, Migranten und Vertriebenen. Der christliche Gott, der Mensch wurde, ist - zusammen mit Maria und Josef - Migrant und Flüchtling in Ägypten gewesen. Die Familie musste nach Ägypten fliehen, um den Säbeln der Schergen Herodes zu entgehen - bereit, Jesus zu töten. Diese Familie weiß, was es heißt, ins Exil zu gehen und fern der Heimat zu sein, sie kennt Unsicherheit und Gefahren der Reise.

„Wir wissen nichts über die Beweggründe der drei Männer, die diese dazu getrieben haben, die verzweifelte Flucht über den Atlantik zu wagen, indem sie sich an das riesige Ruder des Öltankners klammerten“

Wir wissen nichts über die Beweggründe der drei Männer, die diese getrieben haben, die verzweifelte Flucht über den Atlantik zu wagen, indem sie sich an das riesige Ruder des Öltankers klammerten. Wir können uns nur ausmalen, dass die Lage, in der sie sich befanden, sie vorziehen ließ, Gefahr zu laufen, in den Tiefen des Meers zu ertrinken - oder zu verhungern und zu verdursten - so wie es vielen anderen unter diesen Bedingungen geschieht.


Erst medizinische Versorgung, dann Abschiebung 

Es wurde auch bekannt gemacht, dass die drei Männer nachdem sie in Las Palmas medizinisch versorgt wurden, zurück nach Nigeria geschickt werden sollen, weil sie ja „blinde Passagiere" seien. Das Foto der Spanischen Küstenwache, das dokumentiert, wie die drei ausgelaugten Männer auf dem Ruder des Öltankers hocken, geht unterdessen um die Welt.

 Aus Seenot gerettete Migranten am Hafen von Sizilien
Aus Seenot gerettete Migranten am Hafen von Sizilien

„Die vielen Menschen nicht vergessen, die tagtäglich mit dem Seegang des großen Friedhofs kämpfen, der Mittelmeer heißt“

Ein Wunder wirken

Es hilft uns, all die vielen Menschen nicht zu vergessen, die tagtäglich mit dem Seegang des großen Friedhofs kämpfen, der Mittelmeer heißt - auf der Suche nach einem sicheren Hafen und auf der Flucht vor Hunger, Not, Leid und Krieg. Für sie wäre es ein unerwartetes Weihnachtsgeschenk, die Erlaubnis zu erhalten, in Europa bleiben zu können. Die italienische Stiftung Casa dello Spirito e delle Arti setzt sich dafür ein, dass dieses Weihnachtswunder wahr wird. 

*Übersetzung: Stefanie Stahlhofen

(vatican news - at/sst)

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30. November 2022, 15:09