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Erzbischof Gallagher am Dienstag in Rom Erzbischof Gallagher am Dienstag in Rom 

Gallagher wirbt für „Diplomatie der Prävention“

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg hat Erzbischof Paul Richard Gallagher ein Scheitern der internationalen Diplomatie konstatiert. Bei einer Konferenz in Rom warb der vatikanische „Außenminister“ zugleich für eine „Diplomatie der Prävention“.

Luca Collodi und Anne Preckel - Vatikanstadt

„Die Ukraine zeigt uns, dass wir versuchen müssen, Konflikten zuvorzukommen, dass die Diplomatie in der Lage sein muss, die Schwere der Ereignisse in der Welt zu erkennen“, bekräftigte der vatikanische Außenbeauftragte am Dienstag bei Vorstellung der 43. Ausgabe des Treffens der Völkerfreundschaft in Rom. Diplomatie müsse „die Grundprinzipien des Völkerrechts bekräftigen“, erinnerte der erfahrene Vatikandiplomat.

Zum Nachhören - was Erzbischof Gallagher sagte

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg räumte der Erzbischof ein „Scheitern der Diplomatie“ ein: „Sie hat nicht funktioniert, konnte diesen Konflikt nicht vermeiden“. Papst Franziskus habe Gallagher gegenüber bereits bei dessen Ankunft in Rom 2015 bekräftigt, er wolle „keine Diplomatie, die reagiert, sondern eine, die vorausschauend handelt, eine präventive Diplomatie“, referierte Gallagher, dessen Aufgabe es ist, die Friedensdiplomatie des Heiligen Stuhles weltweit aktiv einzubringen.

Frieden ein Geschenk Gottes

„Keine Diplomatie, die reagiert, sondern eine, die vorausschauend handelt, eine präventive Diplomatie...“

 

Angesichts der Gewalt in der Ukraine dürfe nicht geschwiegen werden, bekärftigte der Vatikanvertreter, der Krieg dürfe nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden: „Stattdessen müssen wir uns weiterhin an die Ukraine und den Krieg erinnern und unsere Aufmerksamkeit auf ein Friedensprojekt des Geistes Gottes richten, um den Frieden wiederzuentdecken, ein Geschenk Gottes, an dem der Mensch mitarbeiten muss.“ Vor den am Rande des Treffens anwesenden Journalisten bekräftigte er zudem den Wunsch des Papstes, in die Ukraine zu reisen, betonte jedoch, dass „das Wann und Wie nicht bekannt ist“.

Gallagher warnte vor einer „Ermüdung“ im In- und Ausland im Blick auf die Zukunft der Ukraine. „Ich denke, es ist vielleicht zu früh, um über den Wiederaufbau zu sprechen, aber es ist gut, eine positive Einstellung zu haben“, unterstrich der Erzbischof, der sich anerkennend über in jüngste Wiederaufbau-Konferenz zur Ukraine in der Schweiz äußerte. Neben der Aufnahme von Flüchtlingen müsse den Ukrainern auch geholfen werden, „das soziale Gefüge des Landes mit traumatisierten Menschen, die Begleitung brauchen, wieder aufzubauen“, so Gallagher.

Blick auf Wiederaufbau richten

Im Rückblick auf seine eigene jüngsten Reise in das Kriegsland sagte Gallagher, er habe „das Glück gehabt, zu einem Zeitpunkt nach Kiew zu reisen, an dem die Lage vor Ort ruhig war“, denn vor und nach seiner Reise habe es Bombenanschläge gegeben. „Ich war bestürzt und ungläubig, dass in Europa Krieg herrscht“, gab er seine Eindrücke wieder. „Zu Hause waren es mein Vater und mein Großvater, die vom Krieg erzählten. Ich habe (in der Ukraine, Anm.) Zerstörung und all das gesehen, was für uns ein Skandal ist. Ich sah ein Volk, das Widerstand leistete und bereit war, zu kämpfen und zu siegen. All dies passiert in unserer Zeit, als wir dachten, Krieg sei für Europa vorbei, selbst wenn wir uns an den Konflikt auf dem Balkan in den 1990er Jahren noch erinnern…“.

Das Treffen der Völkerfreundschaft, das vom 20. bis 25. August 2022 auf dem Messegelände in Rimini unter dem Motto „Leidenschaft für den Menschen“ stattfindet, wurde am Dienstag in der italienischen Botschaft bei Heiligen Stuhl vorgestellt, wo sich Erzbischof Gallagher äußerte. Themen, die in Rimini zur Sprache kommen sind geopolitische, Flüchtlings-, Armuts- und Umweltfragen. Zu den Rednern beim Treffen der Völkerfreundschaft gehören unter anderem der Vorsitzende der italienischen Bischöfe, Kardinal Matteo Zuppi, der italienische Premierminister Mario Draghi, der Präsident des Verfassungsgerichts Giuliano Amato und der EU-Kommissar Paolo Gentiloni.

(vatican news – pr)

 

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13. Juli 2022, 10:01