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Vatikan: Priester-Tagung denkt über Zölibat, Frauen und Laien nach

Im Vatikan findet Mitte Februar eine Tagung über die Theologie des Priestertums statt. Mehr als 500 Teilnehmende werden die Beziehung zwischen Geweihten und allen Getauften neu in den Blick nehmen, sagte uns Kardinal Marc Ouellet, der Präfekt der Bischofskongregation.

Salvatore Cernuzio und Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Seit Jahren treten gehäuft Fragen über das priesterliche Dasein auf, etwa bei der Amazoniensynode von 2019, wo es auch um den Zölibat ging, sagt Ouellet. Darüber wolle man beim Symposion nachdenken, und zwar besonders über den Aspekt des allgemeinen Priestertums der Gläubigen, das in ihrer Taufe gründet.

„Wenn wir in der katholischen Kultur vom Priestertum sprechen, denken wir an Priester, an geweihte Ämter. Hingegen hat das Konzil ein Gleichgewicht zwischen dem allgemeinen Priestertum der Getauften und dem Amtspriestertum wiederhergestellt“, erinnert der Kardinal. Das allgemeine Priestertum aller Getauften sei aber noch nicht so recht in die pastorale Praxis und das Bewusstsein für die Sendung der Kirche eingegangen. Deshalb werde man bei der Tagung vorrangig über das Verhältnis zwischen diesen beiden Formen des Priestertums nachdenken - mit einem besonderen Akzent auf der „Komplementarität der Lebensstände“.

Fragen zum Zölibat

Mehrere Vortragende werden über den Zölibat sprechen, unter anderem über die Geschichte der priesterlichen Ehelosigkeit, aber auch über den Zölibat in der lateinischen Kirche heute, kündigt Ouellet an. „Das wird auch Teil der Debatten, zwar nicht so sehr um zu entscheiden, ob wir das Pflichtzölibat beibehalten oder nicht, aber vielleicht kommt dieses Thema auf, die Sprecher sind ja frei, ihre Ansichten auszudrücken. Es wird eine offene Diskussion sein." 

Hier zum Hören:

Klar sei, dass es beim Zölibat „Herausforderungen“ gebe, fuhr Ouellet fort. „Denken Sie an das Problem des Missbrauchs, bei dem der Zölibat in Frage gestellt wird. Bis zu einem gewissen Grad muss man da antworten oder erklären - aber das wäre eine Studie, die den Rahmen des Symposiums sprengen würde.” Um die tiefsten Ursachen der Missbrauchsaffäre zu ergründen, die die Kirche in vielen Teilen der Welt erschüttert, bräuchte es „eine theologische und historische Untersuchung, die noch nicht durchgeführt wurde“, findet Ouellet. Die bisher in verschiedenen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Australien durchgeführten Studien seien „eher soziologischer und kultureller Art, berühren aber den theologischen Aspekt nicht in der Tiefe. Dies bleibt noch zu tun, vielleicht als Grundlage für eine künftige Ausgabe einer solchen Tagung”.

Das nun bevorstehende Symposium ziele eher darauf, „das Miteinander der Berufungen zu überdenken und auch eine gewisse Begeisterung für den Glauben und die Sendung der Kirche wiederherzustellen“. 

Ouellet
Ouellet

Fragen über Frauen und Priestertum

Auch mehrere weibliche Vortragende werden bei der Vatikan-Tagung über Frauen und Priestertum das Wort ergreifen, kündigt Ouellet an. Bei einer Podiumsdiskussion diskutieren drei Expertinnen über offene Fragen zum Thema „Die Frau und die Ämter“: Martha Olavarrieta de Gomez Serrano, Schwester Alexandra Smerilli und Michelina Tenace. Ob es um die Priesterweihe oder den Diakonat für Frauen gehe, die – so wie der Zölibat – derzeit in einigen Ortskirchen Gegenstand von Debatten sind, ließ der Kardinal offen.

Alles in allem stehe die geplante Tagung im Zusammenhang mit der von Papst Franziskus ausgerufenen Weltsynode. Es dauere immer lang, bis die Orientierungen eines Konzils wirklich zu einem „missionarischen Vertrauen“ führten, das von allen Gläubigen geteilt werde, sagt der Kardinal mit Blick auf das allgemeine Priestertum aller Getauften. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis die Getauften verstehen, dass ihre Taufe nicht nur ein Pass für den Himmel ist, sondern auch eine Verantwortung, den Schatz, den sie durch den Glauben an Christus in ihrem Herzen tragen, der übrigen Menschheit mitzuteilen.“ 

Berufungs-Institut richtet die Tagung aus

Bisher haben sich rund 500 Bischöfe, Priester, Laien und Ordensleute zu dem Symposium von 17. bis 19. Februar angemeldet. Der genaue Titel lautet: „Für eine Fundamentaltheologie des Priestertums”, die dazugehörige Webseite gibt es auch auf Deutsch. Im Eröffnungsvortrag spricht Papst Franziskus über „Glaube und Priestertum heute”.

Die Tagung findet in der vatikanischen Audienzhalle statt, wird allerdings organisiert von dem in Frankreich ansässigen „Zentrum für die Erforschung und die Anthropologie der Berufungen“. Dieses vom Heiligen Stuhl unabhängige akademische Institut hat der aus Kanada stammende Kardinal Ouellet 2020 ins Leben gerufen.

(vatican news)

 

 

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09. Februar 2022, 14:15