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Kardinal Walter Kasper Kardinal Walter Kasper 

„Radio-Akademie“ (3): Mit Kardinal Walter Kasper

An diesem Sonntagabend senden wir den dritten und letzten Teil unserer „Radio-Akademie“: Der namhafte Theologe und frühere Ökumene-Verantwortliche des Vatikan, Kardinal Walter Kasper, spricht darin über den Glauben, das Gebet, die Herausforderungen an die Kirche.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Wie wird die Kirche in Europa in zwanzig oder dreißig Jahren dastehen? Dazu will der 88-jährige Kardinal im Interview mit Radio Vatikan keine Prognose abgeben. Klar sei, dass die gegenwärtige Zeit eine „Umbruchsituation“ bedeute – da könne man im Geist des Evangeliums nur auf Sicht vorangehen.

„Das Evangelium ist kein Flutlicht, das die Rollbahn auf dem Flughafen bis in die letzte Ecke ausleuchtet, sondern ein Licht, das mir Licht gibt für den nächsten Schritt. Und wenn ich den Schritt getan habe, gibt es wieder Licht; das geht dann langsam, aber es ist sicherer.“

Kasper mit Papst Franziskus
Kasper mit Papst Franziskus

„Das Evangelium ist kein Flutlicht“

Allerdings seien einige Umrisse der künftigen Kirche in Europa schon wahrnehmbar: „Wir werden weniger sein“, sagt der Kardinal als erstes, das ist offenkundig.“ Es sei schade um jeden, der gehe, doch biete die neue Lage der Kirche auch die Chance, sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Die Kirche hat als Diaspora-Kirche angefangen; das Wort Diaspora kommt ja schon im Ersten Petrusbrief vor!“

Vieles hänge für die Zukunft der Kirche davon ab, ob sich der Niedergang bei den Priesterberufungen aufhalten lasse. „Die Eucharistie ist nach katholischem Verständnis wesentlich für das Kirche-Sein.“ Die Priester würden künftig viele Gemeinden zu betreuen haben, aber das sei den Aposteln auch schon so gegangen.

Mit Benedikt XVI.
Mit Benedikt XVI.

Kommt der Wanderapostel wieder?

Kardinal Kasper rechnet mit einer Wiederkehr der urkirchlichen Figur des „Wanderapostels“. „Das ändert das Priesterbild enorm – und gibt nebenbei bemerkt auch dem Zölibat einen neuen Sinn.“ Überhaupt glaube er, dass es auch künftig „nicht einfach eine Aufhebung des Zölibats“ geben wird. „Ich wäre auch sehr dagegen, weil der Zölibat schon eine Form der Freiheit gewährt, unterwegs zu sein und disponibel sein zu können.“

„Am Amazonas wäre es angemessen, Verheiratete zu Priestern zu weihen“

Mit Blick auf das Amazonas-Gebiet, dem Papst Franziskus 2019 eine eigene Bischofssynode gewidmet hat, hält es Kasper allerdings für „unerträglich“, dass in den meisten Pfarreien dort nur ein- oder zweimal im Jahr eine Messfeier stattfinden kann.

„Ich meine, da ist es dann auch angemessen, Verheiratete zu Priestern zu weihen. Das ist, glaube ich, unausweichlich. Es ist nicht die Lösung für uns – aber es gibt Situationen, wo die Priorität dafür spricht, dass Menschen Eucharistie haben und dass das der höhere Wert ist gegenüber dem Zölibat… dessen Wert ich nicht verkenne. Das wird es wahrscheinlich schon geben.“

Zum Nachhören: Aus dem Interview von Radio Vatikan mit Kardinal Walter Kasper

Bestellen Sie unsere CD… mit „Bonus-Material“

Die „Radio-Akademie“ mit Kardinal Kasper wurde an den Sonntagabenden des Monats Oktober im deutschsprachigen Programm von Radio Vatikan ausgestrahlt. Wie üblich können Sie die „Radio-Akademie“ auch bei uns auf CD bestellen: Eine Mail an cd-at-radiovaticana.de reicht. Gegen einen Unkostenbeitrag bzw. eine Spende schicken wir Ihnen die CD gerne zu.

Übrigens findet sich auf der CD auch noch „Bonus-Material“: Etwa zwanzig Minuten aus dem Interview mit Kardinal Kasper, die wir aus Zeitgründen nicht zur Ausstrahlung bringen können, sind auf der CD enthalten.

(vatican news – sk)
 

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31. Oktober 2021, 10:00