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P. Hans Zollner SJ, Leiter des Instituts für Anthropologie – Interdisziplinäre Studien zu Menschenwürde und Sorge für schutzbedürftige Personen (IADC) P. Hans Zollner SJ, Leiter des Instituts für Anthropologie – Interdisziplinäre Studien zu Menschenwürde und Sorge für schutzbedürftige Personen (IADC)  

P. Zollner: „Merkel sieht Kinderschutz als wichtig für Glaubwürdigkeit an“

Die scheidende deutsche Regierungschefin Angela Merkel hat am Donnerstagmorgen in Rom noch vor ihrer Audienz bei Papst Franziskus ein kirchliches Kinderschutz-Institut besucht und sich eine halbe Stunde mit dessen Leiter P. Hans Zollner ausgetauscht. Dabei ging es auch um die Frage der moralischen Verantwortung von Bischöfen für die Aufarbeitung von Missbrauch.

Zollner sprach im Anschluss in einer Reaktion gegenüber Radio Vatikan von einer wichtigen Begegnung mit der Kanzlerin, „weil sie, wie sie selber gesagt hat, uns auch sieht als eine Institution in der katholischen Kirche, die wichtig ist für die Glaubwürdigkeit der Kirche“. Angela Merkel habe sich interessiert für „die Fragen, die auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden und auch in der Kirche in Bewegung sind, nämlich die Frage der Rechenschaftspflicht in der kirchlichen Führung, der moralischen Verantwortung, die über die rechtliche Verantwortung hinausgeht, und wie wir als Kirche konsistent handeln können.“ Im Einzelnen habe man darüber gesprochen, „dass es auf der einen Seite Richtlinien gibt, dass es auch Gesetzesänderungen in der Kirche gibt, aber dass man feststellt, dass die nicht überall gleich angewendet werden“, sagte Zollner.

In Deutschland erlebt die katholische Kirche einen schwierigen Moment im Zug der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene. Papst Franziskus hat fünf deutsche (Erz-)Bischöfe im Amt belassen, die in diesem Zusammenhang ihren Rücktritt angeboten hatten. Das massive Bekanntwerden von Missbrauch in Deutschland führte über die Jahre zur Aufnahme des kirchlichen Dialog- und Reformprojekts „Synodaler Weg“.

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Das römische „Institut für Anthropologie – Interdisziplinäre Studien zu Menschenwürde und Sorge für schutzbedürftige Personen“ (IADC) an der Päpstlichen Gregoriana-Universität ist aus dem früheren „Centre for Child Protection“ (CCP) hervorgegangen. Zollner sagte, die Kanzlerin habe sich bei ihm erkundigt „über die Verbindungen, die wir mit der Wissenschaftswelt insgesamt und auch zu den Regierungen haben“ sowie über die „Herausforderungen, die sich an einer Universität in einem Kontext stellen, in dem es interkulturell und interdisziplinär zugeht“.

Sternsinger und missio Aachen kooperieren mit IADC

Einen Tag vor der Kanzlerin waren auch das deutsche Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und das katholische Hilfswerk missio Aachen zu Besuch im IADC. Dabei wurde eine engere Zusammenarbeit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen weltweit vereinbart. Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von Kindermissionswerk und missio Aachen, unterzeichnete gemeinsam mit Pater Zollner eine entsprechende Absichtserklärung.

Das der Gregoriana-Universität angegliederte Institut, das in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, plant für Anfang des kommenden Jahres seinen Umzug in die Villa Malta. Dort sitzt auch die Redaktion der Jesuitenzeitschrift „La Civiltà Cattolica”.

(vatican news – gs)

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07. Oktober 2021, 13:15